So reagieren Provider Kinderpornografie im Internet: "Löschen statt sperren" wirkt

Ein "Cyber Cop" des bayerischen LKA. Die Hinweise auf Kinderpornografie in Deutschland sind gestiegen. Foto: dpa

Wenn die Polizei auf Kinderpornografie im Internet aufmerksam wird, beginnt nicht nur die Verfolgung der Anbieter des illegalen Materials. Der Provider wird auch aufgefordert, die Bilder umgehend zu löschen. Meist geht das sehr schnell.

 

Berlin - Bei deutschen Hotlines und Polizeidienststellen gehen immer mehr Hinweise auf kinderpornografische Inhalte ein, die auf Servern im Inland liegen. Das geht aus einem Bericht über die Löschung von Kinderpornografie im Internet im Jahr 2014 hervor, der am Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet wurde. Danach sind im vergangenen Jahr 1146 Mal illegale Inhalte gemeldet worden, die von Providern in Deutschland gehostet wurden. Ein Jahr zuvor waren 781 derartige Hinweise eingegangen.

Der Anstieg ist unter anderem auf einen Sammelhinweis zurückzuführen, den die Internet-Beschwerdestelle der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter entgegengenommen hatte. Eine weitere Erklärung könnte eine durch kostengünstige Speicherplatzangebote bedingte Zunahme der in Deutschland gespeicherten Inhalte sein. Das zuletzt sehr aktive Meldeverhalten der Bürger ist möglicherweise auch auf die öffentliche Debatte des vergangenen Jahres zurückzuführen.

Denn im vergangenen Jahr hatte das Thema wegen der Affäre um den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy viel Aufmerksamkeit erfahren. Ihm war der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen worden. Ein Strafverfahren gegen ihn wurde nach der Zahlung von 5000 Euro eingestellt.

Die Zahl der Meldungen zu kinderpornografischem Material, das vom Ausland aus online bereit gestellt wurde, ging im vergangenen Jahr dagegen laut Bericht von 3504 auf 1601 zurück. Woran das liegt, ist nach Ansicht der Experten nicht so einfach festzustellen. Sie gehen davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil des strafbaren Materials inzwischen im so genannten "Darknet" verbreitet wird, zu dem nicht jeder Zugang hat.

Eine Abkehr von dem 2011 beschlossenen Prinzip "Löschen statt Sperren" ist derzeit nicht im Gespräch. Denn wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, ist es für die Polizei vor allem im Inland leicht, dafür zu sorgen, dass Internet-Provider illegale Inhalte binnen weniger Tage löschen. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die Löschung sei neben einer konsequenten Strafverfolgung der Täter ein wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen Kinderpornografie.

 

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