So funktioniert der Trick der Pfand-Mafia Riesenschwindel mit falschen Pfandflaschen

Eine Bande stellt in Ungarn im großen Stil Plastikflaschen her. Sie dienen nur einem Zweck - in Münchner Supermärkten Kasse zu machen. Der Schaden ist enorm

 

München - Die geheime Flaschenfabrik der Pfand-Mafia steht irgendwo in Ungarn. Sie produziert massenweise handelsübliche Plastikflaschen, mit denen die Bande Pfandautomaten in Münchner Supermärkten füttert. Mehrere zehntausend Euro haben die Gangster damit vermutlich bereits ergaunert.

Der Schwindel flog auf, als aufmerksame Mitarbeiter einer Tengelmann-Filiale in der Sauerbruchstraße in Großhadern den Inhalt ihres Flaschenautomaten überprüften. Dabei fielen ihnen Plastikflaschen auf, die nicht zum Sortiment gehörten – sondern gar keine Pfandflaschen waren. Der Automat hatte sie trotzdem akzeptiert und für jede von ihnen 25 Cent gutgeschrieben: Auch der Barcode auf den Flaschen war gefälscht.

Der Supermarktleiter verständigte die Polizei und trat damit eine Lawine los. Im gesamten Stadtgebiet stießen Fahnder in Supermärkten auf Massen von gefälschten Plastikpfandflaschen. Vor allem die Eigenmarken von Tengelmann und Edeka, „Ja“ sowie „gut und günstig“, sind derzeit offenbar betroffen. Intern geht man davon aus, dass hunderttausende Flaschen gefälscht wurden. „Anderenfalls würde sich er Aufwand nicht lohnen“, heißt es in Ermittlerkreisen.

Ob außer Tengelmann und Edeka auch andere Lebensmittelketten betroffen sind, ist noch nicht geklärt. Die meisten schreddern ihre Plastikflaschen. Bei Tengelmann gehen sie dagegen an Recycling-Betriebe zur Weiterverarbeitung. Nur deshalb kam man der Pfand-Mafia und ihrer neuen Betrugsmasche überhaupt erst auf die Schliche.

Fahnder legten sich auf die Lauer und erwischten am 15. Oktober einen aus der Bande auf frischer Tat. Vormittags gegen 10.30 Uhr fütterte er im Supermarkt an der Sauerbruchstraße den Automaten mit falschen Pfandflaschen – bis zu seiner Festnahme. Der Mann sitzt inzwischen in U-Haft. Doch der Ungar schweigt hartnäckig, er will seine Hintermänner und auch den genauen Standort der geheimen Flaschenfabrik nicht preisgeben.

In der Fabrik werden massenweise handelsübliche Plastikflaschen hergestellt. Doch sie werden nicht befüllt. Sie dienen ausschließlich dem Zweck, mit ebenfalls gefälschten Banderolen beklebt zu werden. Anschließend werden Kuriere mit Kleinlastern losgeschickt, die dann in ganz München Supermärkte anfahren. Wie normale Kunden füttern sie die Automaten. Der Scanner erkennt den Schwindel nicht, spuckt einen Beleg aus, der an der Kasse ausgezahlt wird. Ein Betrug von gewaltigem Ausmaß, glaubt man bei den Ermittlungsbehörden. Mehrere zehntausend Euro hat die Pfand-Mafia vermutlich bereits ergaunert.

In den Supermärkten war man bisher ahnungslos. Jetzt sollen die Betreiber die Automaten genau kontrollieren, damit der Schaden nicht noch größer wird.

 

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