Skispringen Martin Schmitt: Der Schanzen-Boris

Martin Schmitt tritt ab – und wird in Willingen von Tausenden Fans verabschiedet. „Da ist schon ein wenig Wehmut dabei“.

 

WILLINGEN Tausende Fans mit lila Mützen, eine riesige Tafel Schokolade und Lobeshymnen von Kollegen und Konkurrenten: Mit einem tränenreichen Abschied ist Skispringer Martin Schmitt am Samstag in Willingen in den Ruhestand entlassen worden. „Das wird unvergesslich bleiben. Ihr seid ein fesches Publikum“, sagte der viermalige Weltmeister, ehe er zu den Klängen von Sarah Brightmans „Time to say goodbye“ die Arena verließ.

Nicht wenigen Fans standen dabei die Tränen in den Augen. Mit riesigen Buchstaben hatten sie ein „Danke Martin“ in die Luft gereckt, auf Spruchbändern („Danke für 17 tolle Jahre“) ließen sie den Schwarzwälder noch einmal hochleben. „Wahnsinn, was ich hier erleben durfte. Danke für alles“, sagte Schmitt nach seinem letzten Bad in der Menge. „Das war ein ganz besonderer Moment. Wenn man das Kapitel endgültig beendet, ist schon ein wenig Wehmut dabei. Ich konnte es aber auch genießen. Zum Glück konnte ich die Tränen verkneifen“, sagte Schmitt.

Für die Laudatio war Franz Steinle zuständig, und der Präsident des Deutschen Skiverbandes wählte große Worte. „Was Boris Becker für das Tennis war, warst du für das Skispringen. Deinetwegen brach in Deutschland ein Skisprung-Boom aus. Du hast die Menschen begeistert“, sagte Steinle und überreichte Schmitt das Sportehrenzeichen in Gold.

Vom Stadionsprecher wurde Schmitt als „Held mit dem lila Helm“ gefeiert.

Nicht fehlen durfte folglich der Sponsor, der über Jahre untrennbar mit dem Namen des Team-Olympiasiegers verbunden war. „Eine Ära geht zu Ende. Es war eine tolle Zeit mit dir“, sagte eine Firmensprecherin und überreichte Schmitt im Zielauslauf eine übergroße Tafel Schokolade mit der Aufschrift „Danke Martin“, die der Geehrte kaum halten konnte.

Bei so vielen Lobeshymnen wollten sich auch Kollegen und Konkurrenten nicht lumpen lassen. „Es war eine Ehre, mit dir im Team zu sein“, sagte Andreas Wank, und der Schweizer Simon Ammann machte Schmitt die künftigen Zeiten schmackhaft, „wo man in der Sauna sitzt, ein Bier trinkt und zurückblickt“. Nur der 41 Jahre alte Noriaki Kasai fühlte sich plötzlich alleine. „Martin, ich warte auf dich! Komm schon!“, brüllte der Japaner. Ein Comeback hat Schmitt ausgeschlossen, er will die neue Freiheit genießen: „Als Sportler ist man doch ein bisschen eingeengt. Jetzt kann ich machen, was ich will, das ist schön.“ In Köln studiert Schmitt bis Herbst 2015 an der Trainerakademie, DSV-Präsident Steinle machte ihm am Samstag einen Job im Verband schmackhaft. „Einem Sportler mit deinem Format stehen jederzeit die Türen offen“, sagte er. Dann aber war es der großen Worte genug. „So traurig ist es nun auch wieder nicht“, sagte Schmitt, gab das Mikrofon aus der Hand und drehte eine letzte Ehrenrunde im Auslauf der Mühlenkopfschanze.

 

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