Ski-WM in Vail: Abfahrt Klammers Befehl: WM-Gold für Österreich

Klammers WM-Favorit: Olympiasieger Matthias Mayer. Foto: dpa

Ski-Ikone glaubt: Matthias Mayer gewinnt am Samstag die WM-Abfahrt. In der AZ erklärt er, worum Austria die Deutschen beneidet.

 

AZ: Herr Klammer, die Königsdisziplin dieser WM steht an, die Abfahrt. Was erwarten Sie, Österreichs Ski-Kaiser, der mit seinem Sieg bei den Olympischen Heimspielen in Innsbruck eine ganze Nation in einen Freudentaumel versetzte, von diesem WM-Bewerb am Samstag?

FRANZ KLAMMER: Naja, die Frauen haben mit dem Gold der Anna Fenninger im Super-G für uns ja schon vorgelegt, die Männer haben mit Hannes Reichelt nachgezogen. So kann das von mir aus die ganze WM weitergehen. Wir haben auch in der Abfahrt ein paar ganze heiße Eisen im Feuer. Zumindest für eine Medaille – am besten natürlich die goldene.

Wer macht‘s?

Mein Favorit ist der Matthias Mayer. Der ist so ähnlich drauf wie vor einem Jahr vor Olympia. Der gewinnt nix und ist dann im großen Moment da. Ich habe irgendwie so ein Gespür, dass er das noch mal so macht.

Sie hatten Mayer ja vor Olympia für viele überraschend zum Favoriten erkoren – und recht behalten! Einem Befehl von Franz Klammer widersetzt man sich in Österreich wohl nicht.

(lacht) Naja, wenn das so einfach ist, kriegt er gleich den nächsten Befehl: WM-Gold!

Die Piste ist anspruchsvoll, dort wird nur der Beste gewinnen. . .

Absolut. Die Strecke ist spektakulär. Ich hoffe nur, dass der Wind mitspielt, denn oben gibt es ein Flachstück, wo man 20 Sekunden gleiten muss, bevor es richtig gewaltig losgeht. Wenn dich da der Wind bremst, hast du kaum noch eine Chance. Aber dann musst dich schon gut reinhauen in die Piste, immer voll attackieren, das wird ein Ritt bis zum Ende. Das ist definitiv eine würdige WM-Strecke.

Dauernd attackieren, das war immer das Erfolgsrezept von Franz Klammer. . .

Ich hab’s gar nicht anders gekonnt (lacht). Klar wäre das was für mich gewesen, aber ich bin dann doch a bisserl zu alt. Und weil man die Zeit halt nicht zurückdrehen kann, bin ich jetzt halt nur noch begeisterter Zuschauer. Hat auch seinen Reiz.

Wie muss man als Mensch gestrickt sein, damit man Abfahrer werden kann, sich mit 140 Stundenkilometern die Pisten runterhaut? Was unterscheidet den Abfahrer in Ihren Augen vom Slalomfahrer?

Mei, was beide brauchen: Man darf keine Angst vor der Niederlage haben. Denn egal, wie gut du bist, du wirst immer öfter verlieren als gewinnen. Wer bei jeder Niederlage gleich an sich selbst zweifelt, ist für diesen Sport nicht gemacht. Der Abfahrer braucht vielleicht noch a bisserl mehr Mut, die Fähigkeit zur Überwindung. Denn die Kräfte, die da an dir ziehen und zerren, die merkst’ in jeder Sekunde.

Die deutschen Ski-Asse sorgen zumindest im Slalom derzeit für Furore.

Ja, schade, dass sich der Tobias Stechert bei euch verletzt hat, der hätte auch in der Abfahrt was hinlegen können. Und mei, in den Technik-Disziplinen, da können wir Österreicher im Moment ja nur neidisch auf euch Deutsche schauen. Wir haben mit dem Marcel Hirscher einen Ausnahmeathleten, aber dahinter lange nichts. Ihr habt ein echtes Team. Respekt!

Wie sehr freuen Sie sich denn über die Erfolge eines Felix Neureuther?

Sehr, ich finde es toll, wie er schon vor Jahren aus dem Schatten seiner berühmten Eltern. . .

. . .Rosi Mittermaier und Christian Neureuther.

Genau, wie er aus deren Schatten getreten ist und mit seinen Leistungen und Erfolgen einfach für sich selber steht. Eine seiner großen Stärken ist, dass er andere mitreißt, mitzieht. Es ist auch ihm und seiner Art zu verdanken, dass die Deutschen jetzt so ein starkes Team haben. An ihm konnten sich die anderen hochziehen und er hat sie nie künstlich kleingehalten. Ich freue mich, dass ein Mensch, der derart ansteckend positiv ist, Erfolg hat. Er ist ein guter, ein cooler Typ.

Abschließende Frage: Wer ist denn Ihr Lieblingsfahrer der Neuzeit?

Das ist eine brutal schwere Frage. Ich mag den Marcel Hirscher, in der Abfahrt den Kjetil Jansrud, auch den Ted Ligety. Und auch den Felix. Er hat einen sehr spektakulären Stil. Aber im Moment fehlt so einer wie der Bode Miller, der die Gesetze der Physik mit seiner Fahrweise ausgehebelt zu haben schien, wo auch ich vor dem Fernseher saß und mich gefragt habe: Wie macht der das? Das geht doch gar nicht. Solche Fahrer bleiben einem ewig in Erinnerung. Wir haben extrem viele gute Fahrer, aber nicht den einen, den Bode-Miller-Typen.

Und was erwarten Sie noch von der WM?

Von mir aus können wir beide Nationen die Medaillen schön unter uns aufteilen. Wobei wir schon die Nasenspitze vorn haben sollten. (lacht)

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