Ski-Queen Maria Höfl-Riesch - die perfekte Skifahrerin

Eine Meisterin in eigentlich allen Disziplinen Maria Höfl-Riesch. Foto: dpa

Maria Höfl-Riesch sammelte Medaillen in Abfahrt, Slalom und Super-G. Der Riesenslalom, heute in Sotschi auf dem Programm, fehlt ihr noch. Marc Giradelli erklärt, was große Allrounder ausmacht.

 

Sotschi - Da ist diese kleine Lücke in Maria Höfl-Rieschs Lebenslauf: Alles hat sie in ihrer Profi-Karriere gewonnen – Olympia- und WM-Medaillen von der Abfahrt bis zum Slalom, den Gesamt-Weltcup auch. Nur keinen Riesenslalom. Am Dienstag findet diese Disziplin in Sotschi statt. Sowieso nur Außenseiterin, ist Höfl-Rieschs Start aufgrund einer starken Erkältung fraglich. Bleibt ein ewiger Makel? „Auf keinen Fall!“, sagt Marc Girardelli, der Österreicher hat fünfmal den Gesamt-Weltcup gewonnen. „Maria hat drei Disziplinen, in denen sie voll punkten kann, alleine das ist ein Jahrzehntereignis.“ Die perfekte Skifahrerin. In der AZ erklärt Girardelli (50) das Geheimnis der großen Allrounder im Skisport.

Gleichzeitig Spitze in Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom – geht das überhaupt? „Die Anforderungen bei den Speed- und den technischen Disziplinen sind gegensätzlich. In der Abfahrt sind die Schwünge weich, im Slalom sind sie kurz und eckig. Man hat einen komplett anderen Rhythmus. Als ich nur Slalom und Riesenslalom gefahren bin, waren meine Ergebnisse dort konstant – aber ich bekam Probleme, je öfter ich in der Abfahrt an den Start gegangen bin. Um Rennen in allen Disziplinen zu gewinnen, braucht man vor allem die richtige Taktik in der Vorbereitung, muss die eigene Form und die Gegebenheiten des Rennens lesen können. Maria kann das perfekt: Den Zeitpunkt finden, bei dem alles möglich ist. Dafür bewundere ich sie.“

Warum ist ausgerechnet der Riesenslalom Höfl-Rieschs schwächste Disziplin? "Das hat auch mit ihrer Statur zu tun. Maria ist eine sehr große Fahrerin. Für die Abfahrt und den Super-G hat sie eine sagenhaft gute Hocke. Im Slalom hat sie sich eine exzellente Technik zugelegt, ist mit dem Oberkörper weit vorne. Aber im Riesenslalom fehlt ihr im Vergleich zu den Besten in der Disziplin ein wenig die Stabilität auf dem Ski. Da haben kompaktere Fahrerinnen wie etwa Lara Gut aus der Schweiz einfach Vorteile.“

War es früher einfacher, in allen Wettbewerben an der Weltspitze zu fahren? „Der Umfang was Training und Rennkalender betrifft, war sicherlich geringer. Vor zwanzig, dreißig Jahren waren die Ski zwar genauso schnell – aber die Pisten weicher. Heute sind sie allesamt eisig, die Kurvengeschwindigkeiten höher. Damit steigt auch das Verletzungsrisiko. Auch deswegen konzentrieren sich viele sehr gute Skifahrer heute auf ihre Spezialdisziplinen. Wenn ein Marcel Hirscher im Super-G unter die ersten 20 kommt, ist das in Österreich schon ein Ereignis. Diejenigen, die sich wie Maria auch heute noch das ganze Programm auf höchstem Niveau antun, kann man ein einer Hand abzählen.“

Wie ist Höfl-Rieschs Leistung in der Geschichte des Skisports einzuordnen? „Unter den besten Allrounderinnen sehe ich sie ganz weit oben. Für mich steht sie auf einer Stufe mit Lindsey Vonn. Und wenn ich mich zwischen Rosi Mittermaier und Maria für die bessere Skifahrerin entscheiden müsste, würde ich Maria wählen. Rosi hat mit ihrem Wesen die Herzen der Nation erobert – aber Maria ist längere Zeit an der absoluten Weltspitze gefahren. Die Nummer eins bleibt allerdings Österreichs Sportlerin des Jahrhunderts, Annemarie Moser-Pröll.“
 

 

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