Ski alpin Marias schwierige Heimkehr

Vor heimischer Kulisse: Maria Höfl-Riesch startet am Samstag und Sonntag beim Weltcup in Garmisch-Partenkirchen. Foto: AZ Sportredaktion

Nach ihrer Heirat zog die Doppel-Olympiasiegerin von Garmisch nach Kitzbühel. Nun fährt sie erstmals als Höfl-Riesch bei Weltcup-Rennen in ihrem Heimatort – und nicht alle sind begeistert.

 

Am Mittwoch ist es genau ein Jahr her: WM-Auftakt mit dem Super-G der Damen. Die meisten Daumen im Ort wurden Maria Riesch gedrückt, der Lokalmatadorin vom Skiclub Partenkirchen. Und es ging prima los: gleich mal Bronze bei der Heim-WM. Zwölf Monate später tut sich die WM-Dritte schwer, die Rennen auf der Kandahar als „meinen Heim-Weltcup“ bezeichnen: „Ich wohne ja jetzt in Kitzbühel“, sagt Maria Höfl-Riesch und lächelt verlegen. Klingt nicht gerade nach einer völlig unbeschwerten Heimkehr.

Dass Deutschlands beste Skifahrerin ein paar Monate nach der WM die Heimat verließ und nach Kitzbühel zog, gefiel nicht jedem im Ort. Wolfi Hostmann, der zweite Vorstand des Maria-Riesch-Fanklubs, erklärt: „Manche haben sich schon gefragt: ,Was macht die ausgerechnet in Kitzbühel?’ Man vergleicht sich ja auch als Weltcup-Ort mit Kitzbühel. Aber dass die Frau zum Lebensmittelpunkt des Mannes zieht, ist doch das Normalste auf der Welt.“ Kritiker gebe es halt immer, meint Hostmann, „gerade in der Heimat hast du oft die meisten Neider. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Und dann hat halt vielen am Anfang der Marcus nicht gefallen.“

Der Marcus ist seit April Marias Ehemann und mit ein Grund, dass sich auch beim Fanklub einiges geändert hat. „Wir haben überlegt, ob wir uns umbenennen müssen in Maria-Höfl-Riesch-Fanklub“, erzählt Hostmann, „aber dann hätten wir auch das ganze Outfit ändern müssen, und diese Jacken sind ja nicht ganz billig.“ Auch der Schlachtruf musste angepasst werden: „Früher hab’ ich immer vorgeschrien: ,Gebt mir ein M! Gebt mir ein A! Gebt mir ein R! Gebt mir ein I! Gebt mir ein A! Und dann: Riesch! Riesch! Riesch!’ Jetzt rufen wir halt: ,Höfl-Riesch!’“

700 Mitglieder hat der 2008 gegründete Fanklub; 20 bis 30 zählen zum harten Kern, die zu den Rennen fahren. Für den öffentlichen Interview-Termin im Clubhaus des Fanklubs am Mittwochnachmittag haben sich einige Fans frei nehmen müssen, doch das ist ihnen die Maria schon wert. Auch Pfarrer Martin Karras, der Maria und Marcus getraut hatte, schaute vorbei. „Am extremsten sind zwei aus Trier und zwei aus Hessen“, erzählt Hostmann, „die fahren den ganzen Tag für einen Nachtslalom in Flachau.“ Ansonsten sei es zuletzt aber „ein bissl ruhiger geworden“, so Hostmann, „es sind schon weniger Anfragen, und die geben wir dann an Marias Management ab. Das passt.“ Man sehe die Maria halt nicht mehr so oft in Garmisch, „aber im Winter ist sie hier auch nicht mehr oder weniger da als früher“.

Auch zum Skiclub Partenkirchen, für den Maria immer noch startet, war der „Kontakt früher enger“, sagt Vereinspräsident Michael Maurer, „aber so viel wie die Maria in der Weltgeschichte rumfährt...“ Maurer lässt nichts auf das Aushängeschild seines Klubs kommen: „Wir durften immer dabei sein, auch bei der Hochzeit. Das war eine sehr entspannte, private Feier. Und Maria war wahnsinnig sympatisch und entspannt.“

An den traditionellen Klubmeisterschaften zum Saisonende habe sie wegen der vielen Termine zwar nicht mitgemacht, aber dafür hat Maurer Verständnis: „Es steht einer Athletin wie ihr zu, mal in eine andere Richtung zu gehen. Sie strebt mit ihrem Mann nun andere Ziele an, hat ihre eigene Modekollektion herausgebracht. Natürlich ist das eine Gratwanderung. Aber es ist ja nicht so, dass sie irgendwo im Nirwana hinterherfährt. Sie ist auf Schlagdistanz.“

Außerdem stehe heuer weder eine WM noch Olympia an, so dass „Maria im nächsten Jahr den Fokus vielleicht wieder mehr auf den Sport legt“, spekuliert Maurer, „ich weiß nicht, welche Ziele sie noch hat. Das muss sie selbst wissen.“ In dieser Hinsicht muss man sich bei ehrgeizigen Maria Höfl-Riesch wohl wenig Sorgen machen. Beim Abfahrts-Training wurde sie gute Sechste.

 

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