Ski alpin Keppler: Seine letzte Fahrt auf der Streif

 

Speed-Spezialist Stephan Keppler beendet am Wochenende in Kitzbühel seine Karriere. Er galt stets als schwieriger Charakter – und flog deshalb vor der Saison sogar aus der Mannschaft

Kitzbühel - Das Urteil ist vernichtend: „Wir stehen mit einem Trümmerhaufen da“, sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier mit Blick auf die Situation im Speed-Team der Männer. Dass bei Olympia wie zuletzt 2006 in Turin kein deutscher Abfahrer dabei ist, „ist für uns alle eine herbe Enttäuschung. Die Zielsetzung war eine ganz andere“, sagte Maier.

Bei den Spielen 2010 in Vancouver war mit Stephan Keppler (30) immerhin ein Deutscher in der alpinen Königsdisziplin vertreten. Aber Keppler hatte in diesem Winter ebenso wenig die verbandsinterne Olympia-Norm geschafft wie seine Teamkollegen. Viel mehr noch: Seine Profi-Karriere geht am Wochenende zu Ende.

Nach seinem 15. Platz beim Abfahrtstraining am Donnerstag kündigte der Skirennfahrer den letzten Start seiner Weltcup-Laufbahn für das Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel an. „Ich nehme mir gar keine Ziele vor, ich will das einfach bloß genießen, weil es mein letztes Rennen ist“, sagte Keppler .

Ein Abschied mit Ankündigung. Nach der vergangenen Saison war Keppler aus dem DSV-Kader geflogen. „Wir glauben nicht, dass er die Ziele in der Olympia-Saison erreichen kann“, hatte Männer-Cheftrainer Karlheinz Waibel erklärt. Immer wieder hatte es Zoff zwischen Keppler und dem Verband gegeben: Zu alt, zu wenige Erfolge, zu geringe Lernbereitschaft, hielt man ihm vor.

„Die Leistungsentwicklung ist einfach nicht das, was man sich von einem 30-jährigen Athleten vorgestellt hat“, sagte Wolfgang Maier. „Am Schluss hat er eben gezeigt, dass es für langandauernden Erfolg auf dem Niveau halt nicht reicht. Aber darum geht es nunmal“, sagte Waibel. In 121 Weltcup-Rennen wurde der Speed-Spezialist einmal Zweiter. Zudem eilte ihm der Ruf eines Querkopfs voraus, einer schwierigen Persönlichkeit. Von einem, der sich in eine Mannschaft nicht einfügen kann. „Das hat viel Energie gekostet, die anderen Athleten dann weggenommen werden musste. Das waren wir nicht mehr bereit, zu investieren", sagte Waibel. „Er steht sich damit auch selbst im Weg."

Auf die aktuelle Saison hatte Keppler sich deshalb alleine vorbereitet – und tausende von Euro dafür hingelegt. Die Leistungsdiagnostik durfte er an den DSV-Stützpunkten machen, mehr nicht. Ein mutiger wie verzweifelter Plan, der am Ende nicht aufgegangen ist, wenngleich ihn der Verband im November zwischenzeitlich mangels Alternativen sogar wieder in den Kader aufnahm.

Keppler bleibt also nun ein letzter großer Auftritt auf legendärer Bühne am Hahnenkamm, ein letzter wilder Ritt auf seiner erklärten Lieblingsstrecke. Verabschiedet er sich als Held? Dafür ist die Konkurrenz in der Spitze wohl viel zu stark.

 

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