Siemens will sein Wachstum ankurbeln „Das Gleiche immer billiger anbieten zu wollen, ist eine freudlose Aktivität“

Der Elektrokonzern Siemens will mit einer kräftigen Aufstockung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben sein Wachstum ankurbeln.

 

MÜNCHEN Siemens-Chef Joe Kaeser stellte gestern eine umfassende Strategie vor, die auch einen Innovationsfonds für Mitarbeiterideen, neue Forschungszentren und eine Innovations-AG umfasst, die Startups auf die Sprünge helfen soll.

„Unser Unternehmen braucht gute Ideen – und wir werden die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Ideen unserer klugen Köpfe innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens auch schnell und unkompliziert umgesetzt werden können“, so Kaeser.

Siemens plant neue Zentren für Forschung – auch in Garching

Rund 4,8 Milliarden Euro wird das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 2015/16 in Forschung und Entwicklung stecken – das sind 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt der Innovationsfonds von 100 Millionen Euro für Mitarbeiterideen. Mit der neuen Innovations-AG will der Konzern findigen Köpfen Freiraum geben zum Experimentieren und Wachsen. Die Einheit soll ihnen beratend und fördernd zur Seite stehen und sich auch als Risikokapitalgeber für Geschäfts- oder Projektideen verstehen. Bereits bestehende Startup-Aktivitäten bei Siemens sollen damit ergänzt und zusammengefasst werden.

„Die Zeit der Tüftler im stillen Kämmerlein ist heute vorbei“

Auch neue Forschungszentren sind geplant, so in Garching bei München, wo auch der US-Rivale General Electric sein europäisches Forschungszentrum betreibt. Mehr als 100 Wissenschaftler von Siemens sollen dort Seite an Seite mit Forschern der TU München arbeiten. Hinzu kommen mehr als 300 Forscher in China. „Die Zeit der Tüftler, die im stillen Kämmerlein Ideen für die Zukunft entwickeln, ist vorbei.

Heute ist eine neue, offene Art der Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Innovationen erforderlich“, sagt Siemens-Technikvorstand Professor Siegfried Russwurm. Zuletzt beschäftigte der Dax-Konzern gut 32 000 Menschen in der Forschung und Entwicklung, davon rund 13 500 in Deutschland. Nach dem radikalen Konzernumbau werde 2016 ein Jahr der „Optimierung“, in dem sich Siemens nach vorne orientieren wolle, sagt Joe Kaeser.

Und Vorstand Siegfried Russwurm, den das „Handelsblatt“ einmal als „barocken Franken“ beschrieb, ergänzt: „Nur das Gleiche immer billiger anbieten wollen ist eine freudlose Aktivität.“ Als Beispiel für erfolgreiche Entwicklung verweisen sie auf eine neue Technologie, die dazu dient, Strom aus Offshore-Windkraftanlagen über weite Strecken zu transportieren. Dazu hat Siemens von den Netzbetreibern Amprion und TransnetBW einen Auftrag über rund 900 Millionen Euro bekommen.

 

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