Siemens Siemens-Chef Löscher muss gehen

Das Maß ist voll: Nach dem Wirbel um die neueste Gewinnwarnung bei Siemens muss Konzernchef Peter Löscher den Hut nehmen. Sein Nachfolger ist noch nicht benannt.

 

München – Nach einer Serie von Rückschlägen muss Siemens-Chef Peter Löscher seinen Posten räumen. Der Aufsichtsrat des Elektrokonzerns werde in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch (31. Juli) über das vorzeitige Ausscheiden Löschers beschließen, teilte das Unternehmen am späten Samstagabend nach Marathon-Beratungen der Aufseher in München mit. Ein Nachfolger wurde zunächst nicht benannt.

Die Kontrolleure wollten bei der Sitzung auch „über die Ernennung eines Vorstandsmitglieds zum Vorstandsvorsitzenden beschließen“, hieß es in der Mitteilung lediglich. Siemens wollte keine weitere Stellungnahme abgeben.

Als mögliche Nachfolger Löschers sind bereits seit Tagen Finanzvorstand Joe Kaeser und der Chef der wichtigen Siemens-Industriesparte, Siegfried Russwurm, im Gespräch. Zuletzt sei das Pendel eher für Kaeser ausgeschlagen, hieß es am Samstagabend aus gut informierten Kreisen. Klar ist jedenfalls, dass es auch künftig keine Doppelspitze bei dem Konzern geben wird.

In den vergangenen Tagen war auch über eine solche Lösung für Siemens spekuliert worden. Löschers Ablösung hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet, nachdem Siemens am Donnerstag die Börsen mit einer neuerlichen Gewinnwarnung verschreckte. Das für 2014 angepeilte operative Gewinnziel von mindestens zwölf Prozent werde voraussichtlich nicht erreicht, hatte das Unternehmen erklärt. Es war bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten.

Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme hatte Löscher 2007, mitten im Strudel des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals, an die Konzernspitze geholt. Damals galt er als Hoffnungsträger, doch kämpfte er immer wieder mit Problemen wie zuletzt mit Konjunkturflaute, einer nachlassenden Wachstumsdynamik in Schwellenländern wie China sowie teuren, hausgemachten Projektpannen. Dazu gehören die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks. Schon für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, hatte Löscher die Gewinnprognose angesichts der Probleme Anfang Mai kappen müssen. Das nun kassierte Gewinnziel für 2014 galt allerdings als Kernstück des milliardenschweren Sparprogramms „Siemens 2014“. Für sein Erreichen waren Löscher und Kaeser persönlich eingetreten.

 

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