Siemens-Chef unter Druck Es wird eng für Löscher

Sein Stuhl wackelt: Siemens-Chef Peter Löscher. Foto: dpa

Nachdem der Siemens-Boss wiederholt seine eigenen Prognosen zurücknehmen musste, ist seine Zukunft als Vorstandschef des Konzerns ungewiss

 

MÜNCHEN Die Situation ist peinlich, und sie ist gefährlich für Peter Löscher. Wiederholt musste der Siemens-Boss seine Prognosen zurücknehmen. Zuletzt musste er einräumen, dass er es nicht schaffen wird, die Rendite des Konzerns wie angekündigt bis 2014 auf zwölf Prozent hochzuschrauben.

Offen wird jetzt über eine Ablösung des Österreichers nachgedacht. Am Wochenende treffen sich die Aufsichtsräte des Unternehmens. In getrennten Sitzungen wollten die Vertreter der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite über die Zukunft Löschers beraten. Am kommenden Mittwoch, vielleicht auch früher, könnten Entscheidungen verkündet werden.

Löschers Problem: Er trennt sich von großen Einheiten wie Osram, aber er hat keine Wachstums-Vision für Siemens. Umso schmerzhafter machen sich hausgemachte Probleme bemerkbar – unter anderem die teuren Ausfälle bei der Anbindung von Windparks im Meer an das Stromnetz auf dem Festland.

Dazu kommen Schwierigkeiten, für die Löscher nicht verantwortlich ist, für die er aber auch keine Lösungen parat hat. Der Börsengang von Osram musste vor einem Jahr abgesagt werden – wegen des schwierigen konjunkturellen Umfeldes, hieß es. Die Lichttochter wurde schließlich an die Siemens-Aktionäre verschenkt.

Die Solar-Tochter Solel, für 284 Millionen Euro gekauft, wird dichtgemacht – Siemens hatte den Markt offensichtlich vollkommen verkehrt eingeschätzt. Auch von dem Desertec-Projekt, das mit dem Ziel gestartet war, Wüstenstrom von Afrika nach Europa zu bringen, meldete sich Siemens ab. Der finanzielle Schaden hierbei ist zwar gering, doch kratzt der Ausstieg am Image des Konzerns, den Löscher seinen Kunden und Anlegern als Vorreiter der grünen Energiewende verkaufen will. Dazu kommen die Querelen bei der Zulassung neuer ICE-Züge, die Siemens an die Bahn liefern soll.

Der Bereich „Infrastruktur und Städte“, mit großen Erwartungen gestartet, steht mit aktuell 0,7 Prozent Rendite ziemlich traurig da. Auch das Industriegeschäft liefert weniger Geld ab als eingeplant. Während Wettbewerber General Electric auf einem prall gefüllten Auftragsbuch sitzt, scheint Siemens in Widrigkeiten verstrickt. Mit dem Sparprogramm „Siemens 2014“ setzte Löscher der eigenen Mannschaft ehrgeizige Ziele. Die Kosten sollen um über sechs Milliarden Euro runter – vorerst murren aber die Vertreter der Arbeitnehmer, und dies in ungewohnter Offenheit. Aufsichtsrat Lothar Adler bezeichnete das Sparprogramm als „kurzsichtige Portfolio-Politik“. Bisher hielten sich Siemens-Aufsichtsräte mit öffentlicher Kritik zurück und überließen das Protestieren den Betriebsräten vor Ort.

Auch Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz urteilt hart über Löscher: „Er arbeitet schwer an seiner Demontage und daran, dass man ihm nicht mehr glaubt." 

 

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