Sieger bekommt 5.000 Euro "Hungerspiele": Tafel-Wettbewerb von Ministerin Kaniber empört Helfer

Ministerin Kaniber (l.): Für ihren Wettbewerb erntet sie Kritik. Foto: StMELF

Ernährungsministerin Michaela Kaniber lässt die karitativen Vereine gegeneinander antreten. Kritiker bezeichnen das als "Hungerspiele" und "Armutswettbewerb".

 

München - Ernährungsministerin Michaela Kaniber (CSU) erntet für einen Wettbewerb, den sie kürzlich unter 170 Tafeln und weiteren Helfer-Organisationen ausgelobt hat, vernichtende Kritik: In sozialen Medien ist von "Hungerspielen" und "Armutswettbewerb" die Rede. Andere bezeichnen die Aktion als "zynisch" oder "menschenverachtend".

Tafel-Vorstände üben heftige Kritik

Die Augsburgerin Sina Trinkwalder, Sozial-Unternehmerin und Gründerin einer Öko-Textilfirma, twitterte unter dem Hashtag Wohlstandsverwahrlosung: "Das reichste Bundesland kürt die beste Tafel. Nach dem Wohlstand kommt die Barbarei, oder: Wenn fremdschämen nicht mehr reicht."

Besonders wehtun dürfte der Ministerin, dass es auch von Tafel-Vorständen heftige Kritik gibt. Michaela Kaniber ist Schirmherrin des Tafel-Landesverbandes, zu dem 170 Vereine gehören. 7.000 Helfer engagieren sich hier, um mehr als 200.000 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen.

Sieger bekommen 5.000 Euro

Eigentlich war mit dem Wettbewerb beabsichtigt, "das große Engagement der Ehrenamtlichen und ihren wichtigen Beitrag zur Rettung von Lebensmitteln den Menschen vor Augen" zu führen, heißt es in einer Mitteilung. Doch mit der Umsetzung haperte es.
Die Teilnehmer können bis Ende Juli ihre Konzepte und Ideen einreichen. Im Herbst sollen fünf Sieger von der Ministerin mit je 5.000 Euro ausgezeichnet werden.

Auch die Auswahlkriterien stehen in der Kritik: Engagement, Kreativität und "Erfolg beim Retten von Lebensmitteln" zum Wohl bedürftiger Menschen.

"Für uns ist das eine Provokation", sagt etwa Peter Bach, Vorstand der Tafel in Freising. "Die Zielsetzung ist falsch. Es geht bei unserer Arbeit nicht darum, Lebensmittel zu retten, sondern Menschen zu helfen." Nicht die Menge der eingesammelten Lebensmittel sei entscheidend, sondern: "Wie viel brauchen wir, um den Menschen genug geben zu können." Bach fühlt sich instrumentalisiert. "Seine" Tafel wird nicht mitmachen.

Münchner Tafel ist nicht dabei

Auch die Münchner Tafel, die größte in Bayern, wird nicht dabei sein. Der Grund ist aber ein anderer: Sie wird in der Jury sitzen, da sie zum Bündnis "Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung" gehört. Dieses wurde 2016 vom Ernährungsministerium initiiert. 

Angela Zacher von der Münchner Tafel: "Es ist schade, dass eine positive Aktion, die auch kleinen Organisationen ermöglicht, 5.000 Euro Unterstützung zu bekommen, in den falschen Hals geraten ist." Sie sieht das Problem bei der Wortwahl: "Die Bezeichnung Wettbewerb war unglücklich gewählt." Peter Bach bringt es so auf den Punkt: "Gut gemeint ist nicht gut gemacht."

Nun wird im Ministerium diskutiert, ob die Ausschreibung nachgebessert wird. Ein Sprecher zur AZ: "Angesichts der kritischen Reaktionen findet ein weiterer Austausch mit den Tafeln statt. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen oder mögliche Konsequenzen ist noch nicht gefallen."

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