Sieg in Frankfurt "Oben dran bleiben": Gladbach weiter im Titelrennen

Gut gemacht: Die Gladbach-Profis feiern mit Coach Marco Rose (r) den zweiten Geisterspiel-Sieg. Foto: Michael Probst/AP-Pool/dpa/dpa

Borussia Mönchengladbach beweist beim Sieg in Frankfurt spielerische und mentale Stärke. Diese Kombination kann im Saison-Endspurt vor leeren Rängen zum großen Plus werden.

 

Frankfurt/Main - Das Wort Titelkampf nahm Trainer Marco Rose auch nach dem überzeugenden Auftritt von Borussia Mönchengladbach beim Neustart der Fußball-Bundesliga nicht in den Mund.

Spätestens mit dem hochverdienten 3:1 (2:0) bei Eintracht Frankfurt und dem Sprung auf Tabellenplatz drei ist die Fohlen-Elf jedoch zu einem ernsthaften Anwärter auf den ersten Gewinn der Meisterschale seit 43 Jahren geworden.

"Wir haben drei Punkte drauf gepackt und uns in der Tabelle oben festgesetzt", stellte Rose nach dem 16. Saisonsieg zufrieden fest und gab für die Saison-Endphase das Motto vor: "Wir tun gut daran, selbstbewusst aufzutreten und trotzdem demütig zu bleiben." Er wolle keine "Plakativziele heraushauen", betonte der 43-Jährige. Aber: "Wir wollen weiter erfolgreich sein und oben dran bleiben."

Schon am nächsten Samstag kann die Borussia gegen den Tabellenfünften Bayer Leverkusen zumindest im Rennen um die Champions-League-Plätze "viele Dinge in die richtige Bahn lenken", meinte Rose. "Da wollen wir uns oben festbeißen."

Es war beeindruckend, wie seine Schützlinge am Samstag der gespenstischen Atmosphäre vor leeren Rängen in der Frankfurter Arena trotzten. Schon vor der Corona-Pause hatte die Borussia das Geisterspiel gegen den 1. FC Köln (2:1) siegreich gestaltet. "Die Mannschaft schafft es augenscheinlich, sich auf solch ein Spiel zu fokussieren und den Siegeswillen hochzuhalten. Das ist eine ausgezeichnete Qualität, das freut mich natürlich", lobte Rose.

Im Saison-Endspurt kann dies zum großen Plus werden, denn auf die Unterstützung der Fans müssen alle Mannschaften noch lange verzichten. "Wir haben natürlich im Team besprochen, wie wir mit der ganzen Situation umgehen. Es war wichtig, dass wir alles ausblenden, was außerhalb passiert", sagte Torwart Yann Sommer. "Die Mannschaft, die am besten damit umgeht, wird erfolgreich sein."

Die Partie in Frankfurt war dafür ein Paradebeispiel. Während die Eintracht den Start nach 66 Tagen Corona-Pause völlig verschlief, waren die Gäste sofort hellwach. Alassane Plea brachte die Borussia schon nach 36 Sekunden mit dem zweitschnellsten Tor der Vereinsgeschichte in Führung. Noch fixer war bisher nur Oscar Wendt - der Schwede traf am 11. April 2015 beim 3:1 gegen Borussia Dortmund bereits nach 29 Sekunden.

Nach dem 2:0 durch Marcus Thuram (7. Minute) war das Spiel fast schon gelaufen - die weiteren Tore durch Remy Bensabaini (73./Foulelfmeter) und Frankfurts André Silva (81.) hatten nur noch statistischen Wert. "Die ersten zehn Minuten von uns waren überragend", befand Sommer.

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic reagierte mit einem Schuss Sarkasmus auf den Fehlstart der Hessen, die sich nach der vierten Niederlage in Serie mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen müssen: "Es war der Wahnsinn nach der Corona-Phase: Wir haben den Abstand eingehalten. Ist nur blöd, wenn du das im Strafraum machst."

Auch Rose wusste, dass der frühe Doppelschlag seinem Team in die Karten gespielt hatte. Viel wichtiger war ihm aber die Erkenntnis, "dass wir Bock hatten, Fußball zu spielen, auch wenn wir ohne Fans auskommen mussten. Wir wollen uns insgesamt nicht an eine solche Atmosphäre gewöhnen, aber jetzt gilt es: Augen zu und durch, um unsere Ziele zu erreichen. Der Sieg sollte uns Rückenwind geben."

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