Staffel 7, Episode 4 "GoT"-Kritik: Asche zu Asche zu noch mehr Asche

, aktualisiert am 08.08.2017 - 09:19 Uhr
Die Mutter der Drachen zieht mit ihrem ältesten in den direkten Krieg gegen die Lannisters – da bleibt nicht viel mehr als Asche. Foto: HBO

Jaime Lannister hat nichts mehr zu verlieren und tut es trotzdem, Jon Snow kriegt das Mädchen nicht mal bei romantischem Fackelschein und Arya Stark wird wohl bald adoptiert: die vierte Folge der neuen Staffel "Game of Thrones".

 

Vorsicht, Spoiler: Dieser Text enthält kaum bis gar nicht verschleierte Hinweise auf den Inhalt der aktuellen Folge von "Game of Thrones". Wenn Sie "Kriegsbeute" noch nicht gesehen haben und nichts verraten bekommen möchten, sollten Sie den Artikel später lesen.

Die siebte GoT-Staffel wird parallel zur US-Ausstrahlung immer in der Nacht auf Montag in Deutschland auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online veröffentlicht. Wahlweise stehen das englische Original und die deutsche Synchronisation zur Verfügung. Im Fernsehen laufen die Folge der neuen Staffel immer montags um 21 Uhr auf Sky Atlantic.

Was ist passiert?

Was. Für. Eine. Schlacht. Falls noch nicht ganz klar war, ob man Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) ärgern sollte, so wie es Königin Cersei gerade getan hat, als sie deren letzte Verbündete auslöschte: Jetzt dürften alle Zweifel beseitigt sein.

Auf dem größten ihrer drei Drachen, Drogon, reitet sie über der Armee der Lannisters durch die Luft, die gerade die münzene Kriegsbeute aus Highgarden mit einem Extrawagen davongeschickt hat und jetzt die erbeuteten Lebensmittel in die Hauptstadt King’s Landing bringt. Das zumindest war der Plan vorm Auftauchen der Drachenlady – und der Dothraki-Krieger, die Kampfschreie jodelnd über die Soldaten mit ihren hübschen Löwen-Schilden hereinbrechen.

Jaime Lannister (Nicolaj Coster-Waldau) ruft nach einer Weile immer noch heiser und sinnlos "Geht in Deckung!", sieht aber dabei die eben noch menschenförmigen Überreste seiner Männer als Ascheflocken davonwehen. Von einem Hügel aus sieht sein Bruder Tyrion (Peter Dinklage) dem Kampf zu, innerlich zerrissen.

"Du Idiot", murmelt er, als er sieht, wie sein Bruder – Denn was hat der noch zu verlieren? Nämlich nichts mehr: drei Kinder, rechte Hand, große Liebe große Schwester Cersei gingen ihm ja im Grunde verloren – auf den kurz zwischengelandeten Drogon zureitet (Cerseis supergeheime Geheimwaffe Riesen-Armbrust hat ihn zumindest unangenehm an der Schulter erwischt), eine Lanze in der Hand und den Plan im Kopf, Daenerys damit zu erwischen. Drogon lädt nur ein Minibisschen Drachenglut nach für diese kleine Aufgabe, das Öko-Programm sozusagen. Zum Jaime-Rösten hätts gereicht – wäre da nicht Bronn wie ein Berserker herbeigeritten und hätte sie mit einem Hechtsprung vom Pferd beide in den nahen See geworfen. Letztes Bild vom Bruder/Liebhaber der amtierenden Königin: Er geht unter.

Ärger vor der Ausstrahlung: Diese vierte GoT-Folge wurde übrigens illegal veröffentlicht

Gerade nochmal gutgegangen ist das in der Causa Riesenarmbrust auch für Daenerys – dabei hatten alle ihre Berater die Mutter der Drachen, die Königin der Andalen, die Sprengerin der Ketten usw. usf. davor gewarnt, sich selbst aufs Schlachtfeld zu wagen. "Das reicht jetzt mit den cleveren Plänen", motzte sie da aber los – und da konnte dann auch Jon Snow (Kit Harington) nicht mehr viel sagen.

Immerhin haben er und Daenerys noch vorher in den Dragonglass-Minen unter Dragonstone eine Art Unterwerfungs-Diskussions-Pause eingelegt: Die historischen Wandmalereien der Children of the Forest von grimmig dreinblickenden White Walkers als Bedrohung, gegen die alle zusammenarbeiten sollten, haben Dany überzeugt, es konnten aber weder sie noch Jon wirklich lockerlassen beim Machtspielchen. Also: Entscheidung vertagt.

Derweil versucht Petyr "Littlefinger" Baelish (Aiden Gillen) den ältesten aller Tricks: sich an die Angebetete über deren kleinen Bruder heranmachen. Da es in Westeros keine Elektrizität gibt, schenkt er Sansas Bruder Bran (Isaac Hempstead Wright) dann eben keine Playstation, sondern das nächstnaheliegende: den Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem Bran – damals nach seinem Turmfall noch im Koma – und dessen Mutter Catelyn ermordet werden sollten.

Das beeindruckt Bran allerdings ungefähr so sehr wie das große Wiedersehen mit seiner Schwester Sansa kürzlich und das große Wiedersehen mit seiner anderen Schwester Arya kurze Zeit später: Er schaut etwa so euphorisch aus der Wäsche, als hätte ihm jemand eine Probierpackung Zahnpflegekaugummi überreicht.

Ähnlich blutleer ist sein Abschied von Meera Reed – genau, die Meera, deren Bruder für Bran starb und die ihn nach einer Halsüberkopfflucht, bei der sein treuer Gefolge Hodor ums Leben kam, auf seiner Trage aus dem Hohen Norden bis nach Winterfell durch den Schnee geschleppt hat. Er sei nicht mehr der Brandon Stark, den sie kennengelernt hat, sagt sie. "Ich erinnere mich, wie es sich angefühlt hat, Brandon Stark zu sein", erwidert er, "aber ich erinnere mich jetzt auch noch an so vieles Anderes." Immerhin ist er ja jetzt der Three Eyed Raven, der immerzu alle Informationen über alles und jeden mit sich herumträgt und darum nicht mit der normalen Welt zurechtkommt – Winterfell hat jetzt einen burgeigenen Rain Man.

Glücklicherweise sind die beiden jungen Frauen emotional ein bisschen fitter: Immerhin zwei schwesterliche Umarmungen gibt es in den Katakomben unter ihrem Zuhause, neben dem Grabmal ihres Vaters Ned Stark. "Sieht überhaupt nicht aus wie er", moniert Arya. "Das hätte lieber jemand schnitzen sollen, der sein Gesicht kannte." Sansa lenkt sanft ein: "Alle, die es kannten, sind tot." "Wir sind es nicht." Da sind sie sich einig – wenn Mama Catelyn das noch erlebt hätte!

Wer ist in dieser Folge gestorben?

Neben einigen Dothraki-Blutreitern die beinahe komplette Lannister-Armee – und deren Kommandant scheint auch auf dem besten Weg dahin. Zumindest sahen die letzten Sekunden, in denen er bewegungslos im dunklen Wasser versank, nicht nach einem großen Kampf um sein Leben aus. Komm schon, Jaime! Strampeln und dann langsame, gleichmäßige Züge mit den Armen!

Wem hätten wir eher den Tod gewünscht?

Tatsächlich: niemandem. All die Freude übe die Stark’sche Familienzusammenführung darf man auch mal eine Woche lang unzynisch genießen.

Unterm Strich: Mehr Haut oder mehr Blut?

Eine derart blut- (Das Blut kochte und verdampfte wahrscheinlich sofort bei Kontakt mit dem Drachenfeuer), brust- und pimmelfreie Folge hat es schon lange nicht mehr gegeben. Nicht einmal der romantische Fackelschein bei der gemeinsamen Höhlenwanderung hat die beiden schmolllippigen Jon Snow und Daenerys Targaryen näher zueinander gebracht, als dass er sie am Arm berühren und sie in eine Nebenhöhle zu den Wandmalereien bringen durfte. (Wobei hier noch einmal daran erinnert sei: Sie ist seine Tante, diese Information haben sie allerdings beide nicht. Besserwisser-Bran sollte vielleicht endlich einmal ein Status-Update mit der Rabenpost schicken.)

Die Poesie der Folge?

Ach, die Schönheit der gelebten Kampfkunst: Da Podrick einfach nicht zu lernen scheint, dass er bei einem Schwertduell sein Bein nicht so sehr ausstellen darf, lässt sich Brienne of Tarth (Gwendoline Christie) auf einen winzigen Kräftevergleich mit Arya ein. "Ich wird versuchen, dich nicht zu schneiden", verspricht sie – und wie sie dann verblüfft schaut, als Arya geschickt ausweicht, wassertanzend ihre Schwerthiebe pariert und ihr mehrmals selbst ihr Mini-Schwert "Needle" an empfindliche Stellen hält! Irgendwann weiß sie sich nur noch mit einem "This is Sparta!"-artigen Tritt zu helfen und als Arya sich danach geschickt wieder auf die Füße schraubt, grinsen sie beide zufrieden. Brienne sogar beinahe mütterlich, als würde sie Arya am liebsten direkt aodptieren – endlich eine würdige Trainingspartnerin gefunden!

Und oben am Balkon steht die große Schwester Sansa, schaut stolz und beeindruckt – aber auch traurig, weil sie begreift, wie sehr sich alle Stark-Geschwister verändert haben.

Der beste Dialog?

Für den Stammtisch:

Was er denn von der Mutter der Drachen halte, fragt Berater Davos Seaworth seinen König, Jon Snow, als sie nach dem gemeinsamen Höhlenbesuch von Jon und Dany die Treppen hinunterflanieren.

"Sie hat ein gutes Herz", antwortet Jon sparsam.

Ja klar, sagt Davos: "Ist mir aufgefallen, wie Ihr auf ihr gutes Herz gestarrt habt."

Fürs Philosophiegespräch mit Wein:

Nach der feierlichen Dolch-Schenkung will Littlefinger noch ein paar weise Ratschläge an Bran loswerden. Altväterlich meint er: "Du hast wohl Dinge gesehen, die die meisten Männer nicht glauben würden. All das durchzustehen, dich wieder nach Hause durchzuschlagen. Um dann die Welt im Chaos vorzufinden – ich kann es mir nur vorstellen."

Bran schaut ihn eiskalt an und antwortet: "Das Chaos ist eine Leiter."

Wer genau hinschaut, sieht Littlefingers Herz in seine Hose rutschen: Diesen Satz hat er – lang, lang ist’s her – noch in King’s Landing zu Varys gesagt, um ihm zu erklären, dass er Unruhe sät, um am Ende zu triumphieren. Genau, Lord Baelysh: Bran weiß alles.

Wer ist dem Iron Throne aktuell am nächsten?

Königin Cersei (Laura Headey) ist immerhin kurz davor, alle ihre Schulden bei der Iron Bank zu bezahlen – und plant mit dem stocksteifen Vertreter dieser Zunft schon, in welche Armeen- und Schiff-Einkäufe sie das nächste Darlehen investieren wird. Das Rotweinglas in ihrer Hand ist außerdem angemessen voll – der Herrscherin mit dem Pixiecut und dem Herz für die eigene Familie erfreut sich bester Royalität.

Wie immer aber gilt: noch.

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