Siebte Staffel der Fantasy-Serie "Game of Thrones"-Kritik: Das Ende der Spice Girls von Westeros

, aktualisiert am 24.07.2017 - 12:30 Uhr
Arya und Nymeria. Foto: HBO

Jon Snow verliert endlich mal die Fassung. Arya findet jemand lang Vermisstes wieder. Und wir lernen: Auch auf dem Meer kann man verbrennen. Die Nachtkritik zur zweiten Folge der neuen, siebten Staffel.

 

Vorsicht, Spoiler: Dieser Text enthält kaum bis gar nicht verschleierte Hinweise auf den Inhalt der aktuellen Folge von "Game of Thrones". Wenn Sie "Sturmtochter" noch nicht gesehen haben und nichts verraten bekommen möchten, sollten Sie den Artikel später lesen. Die siebte GoT-Staffel wird parallel zur US-Ausstrahlung immer in der Nacht auf Montag in Deutschland auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online veröffentlicht. Wahlweise stehen das englische Original und die deutsche Synchronisation zur Verfügung. Im Fernsehen laufen die Folge der neuen Staffel immer montags um 21 Uhr auf Sky Atlantic.

Was ist passiert?

Was für ein schöner, beeindruckender Plan das ist, den Tyrion Lannister (Peter Dinklage) da präsentiert zur Eroberung der sieben Königslande für die Mutter der Drachen, Daenerys Targaryen (Emilia Clarke): Alle neuen Verbündeten im Team der Khaleesi werfen ihre Armeen und Schiffe zusammen und nehmen die Hauptstadt King’s Landing ein, während sich das Heer der Wasserstoffblonden mit ihren drei Drachen aufmacht, um Casterly Rock zu überrennen – die eigentliche Heimat der Lannisters.

Da nicken sie alle entschlossen und siegessicher, die Spice Girls von Westeros: Dragon Spice (Daenerys), Flower Spice (Olenna Tyrell aus Highgarden), Sandy Spice (Ellaria Sand aus Dorne) und Iron Spice (Yara Greyjoy von den Iron Islands).

Doch ihre erste Tour endet abrupt, bevor sie so richtig begonnen hat: Als die letzteren Zwei auf einem der Schiffe, die gen King’s Landing schippern, gerade anbandeln, bricht die Hölle los. Ja, auch auf dem Meer kann man verbrennen – oder erstochen werden oder erwürgt oder anderweitig umgebracht, in diesem Fall vom irren Onkel der Eisernen Geschwister: Euron Greyjoy (Pilou Asbæk). Schließlich hatte der Königin Cersei ein schönes Geschenk versprochen, damit sie eine Heirat in Betracht zieht – es dürfte sich wohl um den Kopf von Ellaria Sand handeln, die Cerseis Tochter umgebracht hat.

Und Yara muss in ihrem dunkelsten Moment mitansehen, wie ihr Bruder Theon, dem sie wieder vertraute, sich wieder in das feige Würstchen verwandelt, das er ist: Als Euron ihr ein Messer an die Kehle hält und ihn zum Handeln auffordert, springt er lieber über Bord und klammert sich an ein Stück Treibholz.

Im Norden pampen sich währenddessen schon wieder die kürzlich vereinten Stark-Geschwister an: Jon Snow (Kit Harington) ist von Daenerys eingeladen – zum Quatschen, was man so tut als mutmaßlich rechtmäßige Königin und der King in the North. Seine Schwester Sansa (Sophie Turner) vermutet eine Falle, außerdem ließe er sie damit alle schutzlos zurück, nörgelt sie wieder vor seinen Mitstreitern. Er bleibt ruhig: Er werde schon gut vertreten – nämlich von ihr. Da fällt ihr dann nichts mehr ein, Krise abgewendet.

"Littlefinger" Petyr Baelish (Aiden Gillen) triumphlächelt schon in sich hinein: Sansa und der Norden für ihn, das wär’s doch, das sollte doch mit ein bisschen Manipulation möglich sein. Als er sich in der Stark’schen Familiengruft an Jon Snow heranwanzt, verliert der aber – endlich mal! – die Fassung und würgt ihn mit all der Verachtung, die er kurz vorher noch heruntergeschluckt hat (Das haben wir so ähnlich schon mal in der ersten Staffel von Ned Stark gesehen). "Wenn du meine Schwester anfasst, bringe ich dich eigenhändig um!" Dann reitet er vom Hof, auf dem Weg nach Dragonstone, wo er auch in einer Mine massive Vorkommen von Dragonglass vermutet, das wiederum die Erzfeinde, die White Walker, nicht allzu sehr schätzen, weil sie davon zu Eisstaub zerfallen.

Wer ist in dieser Folge gestorben?

Hunderte Männer auf See – und zwei der Sand Snakes, der Töchter von Ellaria Sand, deren Namen sich zwar niemand merken konnte und die auch eigentlich nie wichtig für die Handung gewesen sind, deren Ende aber durchaus kämpferischer hätte ausfallen können. Aber da ist Game of Thrones nunmal gnadenlos. (Anmerkung: In einer vorigen Version war vom Tod "all der kleinen Sand Snakes" die Rede - Tyene Sand wird allerdings gemeinsam mit ihrer Mutter "nur" gefangengenommen; es sterben Oabara und Nymeria. Den Lesern, die das kritisch angemerkt haben, geben wir komplett recht und bedanken uns für den Hinweis!)

Wem hätten wir eher den Tod gewünscht?

Ach, da ist wieder Melisandre, die rote Priesterin – schwer zu ertragen in ihrer Selbstgefälligkeit. War die nicht mal blitzgealtert  und dann für immer eingeschlafen? Nun ist sie wieder da, am Hof von Daenerys – aber immerhin mit wichtigen Erkenntnissen: "Die Lange Nacht kommt", sagt sie, und weiter aus einer Prophezeiung: "Nur der Prinz, der verheißen wurde, kann die Morgendämmerung bringen."

Prinz? Da rümpft Daenrys das feine Näschen. "Ich bin kein Prinz." Zum Glück ist ihre Vertraute und Dolmetscherin Missandrei zur Stelle: Im Hochvalyrischen hat das Wort, das für "Prinz" verwendet wird, kein Geschlecht, sondern kann auch "Prinzessin" bedeuten.

Das Näschen reckt sich erfreut in die Luft.

Unterm Strich: Mehr Haut oder mehr Blut?

Das Blut – abgesehen von dem in Euron Greyjoys vor Wahnsinn flackerndem Gesicht – fließt im Grunde direkt ins Meer.

Darum sei an dieser Stelle lieber die wunderschöne Abschiedsszene erwähnt zwischen Daenerys’ Heeresführer Grey Worm und Missandei. Sie ist wütend, weil er sich offensichtlich nicht anständig verabschieden wollte. Er stottert herum, es falle ihm schwer, schließlich sei sie seine Schwäche. Das hört sie mäßig gern: "Schwäche?!" Dann erklärt er: Er sei zwar in der Armee der Unsullied nie der Größte oder der Stärkste gewesen. Aber er habe nie irgendetwas gefürchtet – bis er sie kennenlernte und die Furcht, sie zu verlieren. Es folgt die wohl charmanteste Sex-Szene mit einem Eunuchen, die jemals auf einem Bildschirm gezeigt wurde (Gegenvorschläge gern an: perkuhn.a@az-muenchen.de).

Die Poesie der Folge?

Arya Stark hat gerade erfahren, dass ihr Stiefbruder Jon Snow noch lebt, und zwar auf Winterfell. Sie wendet sofort das Pferd und ändert die Route von "King’s Landing, um Königin Cersei umzubringen" zu "Winterfell, um endlich mal wieder anzukommen". Während einer Rast wird ihr Pferd unruhig – ein Rudel Wölfe nähert sich, eindeutig hungrig, zumindest lassen das die gefletschten Zähne vermuten. Arya zieht ihr Schwert – und sieht dann den größten Wolf. Es ist Nymeria, der Direwolf, den Arya als Kind aufgezogen und später in die Freiheit entlassen hat, um ihm das Leben zu retten. "Ich gehe nach Norden", sagt Arya der Wölfin. "Zurück nach Winterfell, endlich nach Hause. Komm mit mir mit."

Aber Nymeria wendet sich ab. Arya sieht ihr hinterher. "Das warst nicht du", sagt sie – eine Anspielung auf eine Unterhaltung, die sie mit ihrem Vater Ned Stark geführt hat, als sie alle noch jünger und voller Hoffnung (und vor allem Leben) waren und es darum ging, ob sie nicht einmal heiraten und ein schönes Familienleben führen will. "Aber das bist nicht du", sagte damals ihr Vater.

Der beste Dialog?

Arya (noch auf dem Weg nach King’s Landing) legt eine Pause ein in der Schenke, in der ihr Freund Hot Pie in der Küche arbeitet. Sie greift sich eine Pastete von seinem Tablett und spachtelt sie in sich hinein. "Das Geheimnis ist, die Butter erst anzubräunen für den Teig", teilt Hot Pie mit. "Ah, das hab’ ich nicht gemacht", sagt Arya.

Wir erinnern uns dunkel: Die letzte Pastete, die sie zubereitet hat, bestand zum großen Teil aus der Familie von Walder Frey .

Wer ist dem Iron Throne aktuell am nächsten?

Dragon Spice Daenerys scheint nun doch zur Solo-Karriere ansetzen zu müssen – und die selbstgekrönte Cersei stellt sich in King’s Landing zwar nicht besonders geschickt dabei an, ihre Verbündeten wieder auf Linie zu bekommen. Aber in dieser Folge darf sie im Schlosskeller eine extra für ihre Bedürfnisse angefertigte Waffe ausprobieren, die wahrscheinlich nicht zufällig an das Lieblingsspielzeug ihres verstorbenen Ätz-Sohnes Joffrey erinnert: eine riesige Armbrust, deren Geschoss den Knochen eines praktisch drapierten Drachenschädels glatt durchschlägt.

Hier lesen Sie die Kritik zur ersten Folge

 
 

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