Show "Totem" auch in München Oyun-Erdene Senge: Die Schlangenfrau des Cirque du Soleil

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Ein Körper wie aus Gummi: Oyun-Erdene Senge. Foto: Justin Goff/Goff Photos

Schon als kleines Mädchen verbog sich Oyun-Erdene Senge für den berühmten Cirque du Soleil. Bald kommt sie mit der Show "Totem" nach München.

 

München - Seit sie elf Jahre alt ist, steht die heute 26-jährige Oyun-Erdene Senge in der Manege. Oft steht sie dabei Kopf, hat die Füße hinter die Ohren geklemmt oder den Körper auf eine andere Art verzwirbelt – so dass der Zuschauer zweifelt, ob die Frau aus der Mongolei einen einzigen Knochen im Körper hat.

Senge ist Kontorsions-Künstlerin, eine sogenannte Schlangenfrau. "In der Mongolei, wo ich herkomme, besuchen viele Kinder Kontorsionskurse, das ist wie die Ballettstunden bei euch in Deutschland", sagt Senge.

Mit elf tourte sie um die Welt

Mit sechs Jahren hat sie ihre erste Stunde genommen, mit zehn Jahren war sie bei einem Vorsprechen, mit elf tourte das kleine Mädchen bereits mit der Cirque-du-Soleil-Show "Alegría" um die Welt. Mit dabei waren noch neun andere Kinder und eine Erzieherin, die sich um die jüngsten Artisten kümmert, und ein eigener Lehrer, der die Zirkuskinder unterrichtete.

"Meine Eltern und Geschwister sind Ökonomen und Journalisten, ich bin die erste in meiner Familie, die Akrobatik macht", sagt Senge. Zehn Jahre lang blieb sie bei Alegría, die Zirkuswelt wurde ihr Zuhause: Senge lebte in Hotels, bekam Privatunterricht und machte einen kanadischen Abschluss, denn die Kompanie kommt aus Kanada.

5.000 Mitarbeiter aus 50 Ländern

1982 in Montréal gegründet, ist der Cirque du Soleil heute ein Gigant der Unterhaltungsindustrie mit 5.000 Mitarbeitern aus etwa 50 Ländern. Werkstätten für die aufwendigen Kulissen und die detailverliebten Kostüme, Trainingslager und die Verwaltung sind noch immer in Kanada.

Allein in Las Vegas laufen sieben Shows. Wer beim Cirque du Soleil als Artist anfängt, muss erstmal ins Trainingslager nach Montréal. Dort wird er für die Kostüme ganz genau vermessen, sogar der Kopf bleibt als Gipsbüste in Kanada. Auch das farbenfrohe Make-up selbst aufzutragen, hat Senge – wie jeder Artist der Kompanie – in Montréal gelernt.

"Wenn man gut trainiert ist, ist das nicht schmerzhaft"

Senge schminkt sich, während sie von ihrem Zirkusleben erzählt. "Eineinhalb Stunden am Tag trainiere ich. Wenn ich zwei Wochen frei habe, weil die Show mit 78 Trucks in eine andere Stadt umzieht, mache ich eine Woche nichts und nehme dann das Training wieder auf. Wenn man gut trainiert ist, ist das, was ich tue, auch nicht schmerzhaft."

Eine wirkliches Zuhause hat Senge nicht. Wenn sie frei hat, fliegt sie dorthin, wo ihre erste Show Alegría gerade gastiert – denn ihr Mann arbeitet dort. "Ich reise sehr viel", fasst sie ihr Leben zusammen. Bei "Totem", der Show, die Anfang des Jahres auch nach München kommt, ist Senge seit vier Jahren.

"Totem" erzählt die Schöpfungsgeschichte in wilden Kapriolen am Russischen Barren, am Trapez, mit Rollschuhen, mit Diabolo, mit Clowns, Musikern und 48 Artisten.

45 Minuten Make-Up-Auftragen 

Nach 45 Minuten ist das schrille Make-Up aufgetragen, während mehrere Chinesen sich Reisschalen von den Fußspitzen auf den Kopf werfen. Später werden sie die Nummer auf Einrädern zeigen – in nicht minder schrillem Make-up wie Senge.

Noch in der letzten Reihe sollen die 2.600 Zuschauer im Zelt das Farbenspiel sehen. "Am Anfang habe ich 75 Minuten gebraucht", sagt Senge. Übung macht den Meister. Am Abend wird sie wieder ihren Körper verbiegen.

Ein Alter von 35 bis 40 ist das Limit

"Ja, da ist wirklich der ganze Körper gefordert, deshalb hat man eine junge Karriere. Ein Alter von 35 bis 40 ist das Limit, dann muss ich mir eine andere Arbeit suchen", sagt Senge.

Ob sie sich ein Leben ohne den Zirkus vorstellen kann? "Ich liebe meinen Job", sagt sie, "aber vielleicht mache ich was ganz anderes. Ich würde gerne studieren, ins Management gehen." Und dann geht sie in den Trainingsbereich und verbiegt sich.


Cirque du Soleil vom 13. Februar bis 22. März auf der Theresienwiese, Karten ab 37 Euro unter 54 81 81 81

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