Serie: Fit ins Jahr Leistungsdiagnostik für Läufer: Lernen durch Schmerzen

AZ-Sportchef Gunnar Jans bei der Leistungsdiagnostik. Foto: ho

Die Lauftrainerin schickt ihren „motiviertesten Athleten“, den AZ-Sportchef, zum Laktattest. Der will nämlich zu viel, zu schnell. Warum er sich an die Ergebnisse halten sollte, zeigt sich später.

 

MÜNCHEN Der größte Fehler von Freizeitläufern ist das zu hohe Grundtempo.“ Meine Worte verhallen seit Monaten im Nichts, mein zielstrebigster, motiviertester Athlet ist der Sportchef der Abendzeitung. Sportliche Erfahrung bringt er mit und auch einen stark ausgeprägten Willen. Also beste Voraussetzungen. Oder?

Schnell musste ich merken, dass diese Eigenschaften auch eine zweite Seite haben: immer mehr, immer schneller. Da reichten meine Worte nicht, da mussten Fakten her. Um zielgerichteter zu trainieren, sich nicht ständig zu überfordern, lohnt es sich, eine Leistungsdiagnostik zu machen. Ortstermin mit Philipp Peter, Diagnostikzentrum „Formkurve“ am Stachus. Die Leistungsdiagnostik wird bis zur maximalen Ausbelastung durchgeführt.

Gunnar läuft bis 16,5 km/h. Kurz bevor er vom Laufband fällt, brechen wir ab. Nach der ersten Reaktion der Erschöpfung folgt die des ehrgeizigen Athleten: „Die Stufe hätte ich schon noch fertig laufen können!“ Klar. Philipp Peter kennt das: „Die Meisten empfinden es kurz nach Belastungsabbruch so, dass sie noch mehr geschafft hätten. Doch in diesem Fall setzt der Körper die Grenze!“ Die Daten geben Aufschluss darüber, wie gut der Fettstoffwechsel und die Grundlagenausdauer ausgebildet sind und darüber, wie wir unser Training noch besser gestalten können.

Heißt im Fall Jans: Weshalb er manchmal „wahnsinnig langsam“ laufen sollte. Seine Laktatkurve zeigt: Die Grundlagenausdauer ist gut ausgebildet, erst bei 12,5 km/h kommt er in den anaeroben Bereich. Dann geht es recht schnell. Das Laktat steigt an, die Muskulatur macht zu, bei 16,5 km/h brechen wir nach zwei Minuten ab. Der „Aeroscan“ zeigt: der Fettstoffwechsel von Gunnar weist erhebliche Defizite auf.

Fazit: Die langen Läufe müssen noch lockerer absolviert werden, sodass der Körper auf Fette zurückgreifen kann und nicht gleich zu den einfacher verwertbaren Kohlenhydraten greift. Das Tempo entwickeln wir weiter, indem wir intensive Intervallprogramme (500 bis 2000m) und Tempodauerläufe machen. Der (über-)motivierte Athlet macht sich selbst ans Werk, er könnte ja jetzt wissen, wie es geht. „Fürs Gefühl“ geht Gunnar ein paar Tage später 2:30 h Laufen.

Aber nicht in 5.40 bis 6.30, sondern in anfangs 5.15 min/km. Nach 23 km findet er sich bei über 6 min/km, die letzten Kilometer fast gehend bei über 7 min/km. Nach Schüttelfrost, massiver Müdigkeit und fehlendem Hungergefühl gesteht er, dass er die Belastung unterschätzt hat. „Ich bin doch nur 15 Sekunden schneller pro Kilometer gelaufen.“ Genau. Und das ist zu viel. Wie es eben viele Freizeitläufer machen. Eine Leistungsdiagnostik hat nur dann wert, wenn man die Ergebnisse orientiert im Training entsprechend umsetzt. Daran arbeiten wir nun also – an der Leistungsentwicklung und der gesunden Selbsteinschätzung.

Infos zur Leistungsdiagnostik:

Wer? Eine Leistungsdiagnostik eignet sich für jeden Freizeitläufer, der mehr über seine Pulswerte und seine Leistungsfähigkeit erfahren möchte oder sich auf ein spezielles Wettkampfziel vorbereitet.

Warum? Mit den Ergebnissen kann eine Über- oder Fehlbelastung vermieden werden und somit das Training noch individueller ausgerichtet werden. Die Leistung passt sich besser an, das Überlastungsrisiko wird gesenkt.

Wann? Zum Laufeinstieg oder am Anfang einer Vorbereitung auf einen Wettkampf. Zur Kontrolle kann eine zweite Untersuchung zeigen, wie sich die Leistung entwickelt hat.

Wo? In der „Formkurve“, Josephspitalstraße 9, erhalten Sie eine professionelle Analyse. Für einen Gesamtkörper-Checkup ist die Sportmedizin der TU München empfehlenswert.

Wie viel? Die Kosten liegen in der Regel bei ca. 100 bis 150 Euro je nach Umfang und Anbieter.

 

0 Kommentare