Sepp Ferstl: "Gegen den Bua hab' ich keine Chance"

Josef Ferstl ist Sohn des Streif-Siegers Sepp Ferstl - und startet am Samstag zum ersten Mal in Kitzbühel. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Sepp Ferstl gewann 1978/79 auf der Streif. Jetzt fährt sein Sohn Josef erstmals die Kitz-Abfahrt.

 

AZ: Herr Ferstl, es hieß, Sie seien am Samstag zum ersten Mal wieder beim Abfahrtslauf in Kitzbühel seit Ihrem zweiten Streif-Sieg 1979...
SEPP FERSTL: Ah geh, so a Schmarrn! Jed's Jahr bin i do! Die Streif ist ja eine Veranstaltung, die's kein zweites Mal gibt auf der Welt.

Und für Sie eine ganz besondere Piste: Als einziger Deutscher haben Sie dort zwei Mal gewonnen, 1978 und im Jahr darauf. Es waren zugleich Ihre einzigen Weltcup-Siege.
Des is so groß, wenn du do dabei bist. Diese Menschenmassen! Das ist einfach eine Attraktion. Jedes Rennen in Österreich ist eine Attraktion. Do sann mehr Leit' als bei Olympia und Weltmeisterschaften. 40 000, wie wenn FC Bayern spielt.

Nun ist zum ersten Mal Ihr Sohn Josef auf der Streif dabei, in seinem erst fünften Weltcuprennen. Mit welchen Gefühlen schauen Sie zu?
Der ist schon Bormio gefahren, dann kann er die Streif auch fahren. Der fährt schon lang genug Ski. Der ist ja Profi. Natürlich muss er auch erst mal lernen: Streckencharakteristik und so. Wenn's 'd des scho a paar Mal g'fahren bist, tust dir natürlich leichter, eh klar. Er kennt zwar die Abfahrt, aber so richtig durchgefahren ist er sie noch nicht.

Zwei Trainingsläufe hat er nun hinter sich, landete am Mittwoch mit 3,61 Sekunden Rückstand auf Platz 41. Was hat er Ihnen erzählt von seinem ersten Streif-Erlebnis?
Gar nix. Wir reden ja nicht übers Skifahren.

Sie reden nicht übers Skifahren?
Naa. Höchstens wie's Wetter war. Wenn er auf der Piste ist, ist er ja auch allein. Da kann ich auch nichts tun. Und die Technik hat sich ja auch geändert. Ich hab' bis letztes Jahr ja noch mit ihm trainiert, heuer trainiert er ausschließlich nur mit dem DSV – da schalt' ich mich nicht mehr ein. Da hat er jetzt seine Trainer; die werden das schon richten. Das macht ja keinen Sinn, wenn ich das ganze Jahr dabei bin. Du kannst ja nicht plötzlich auftauchen und alles umschmeißen.

Was für ein Typ Abfahrer ist Ihr Sohn? So wie der Vater?

Er ist ja ganz anders aufgewachsen. Er ist halt ein Denker, plant alles, seine Zielsetzung ist hoch. Die Voraussetzungen hat er, Talent auch, jetzt muss er halt was dazu tun. Nicht mehr mit hundert Prozent fahren, sondern mit 120 bis 130 Prozent. Dann könnt's vielleicht schon mal passen. Er muss halt die Chancen nutzen, die sie ihm geben.

Sind Sie eigentlich Vater-Sohn-Rennen gefahren?
Naa, gegen den Bua hab' ich doch keine Chance mehr! Das ist vorbei. In zwei Jahren bin ich 60, was soll ich da gegen so einen 23-Jährigen antreten? Bis zum Schülerbereich, so bis 13, 14 kannst scho' mithalten, aber dann war Schluss für mich.

Sie haben also keine Angst vorm Rennen am Samstag?
Mei, er wird schon runterkommen. Oben blieben ist bislang noh koaner.

 

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