Seltsame Wendung Vor Gericht: Opfer reicht Taxi-Räuber die Hand

Bedankte sich: Ioannidis L. (62). In Handschellen: Der Angeklagte Sebastian H. im Gerichtssaal. Foto: jot

Statt den Fahrpreis zu zahlen, greift der klamme Kunde (29) zur Nagelfeile. Jetzt nimmt der Prozess eine seltsame Wendung.

 

München - Es ist eine ungewöhnliche Bitte, die Ioannidis L. auf dem Herzen hat. „Darf ich aufstehen und dem Angeklagten die Hand geben?“, will der 62-Jährige von Richter Philipp Stoll wissen. Eine ungewöhnliche Bitte auch deshalb, weil der Mann, dem der Ex-Taxler die Hand schütteln will, ihm wohl den größten Schreck seines Lebens eingejagt hat.

Sebastian H. hatte den Taxler Ioannidis L. mit einer Nagelfeile bedroht und ausgeraubt. Er muss sich seit Dienstag unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht verantworten. Vor Gericht entschuldigt sich der ehemalige Versicherungskaufmann bei seinem Opfer.

Und gibt ihm das Geld für die Taxifahrt zurück. 87 Euro war er dem Taxler schuldig geblieben. Und das kam so: Am 23. September des vergangenen Jahres hatte der vorbestrafte Junkie in der Taufkirchener Klinik randaliert und den Oberarzt tätlich angegriffen. Er fürchtete, dass ihn die Polizei mal wieder in Gewahrsam nehmen würde und bestellte ein Taxi, um nach München zu fliehen.

Geld hatte er keines und auch nie vor, den Fahrpreis zu entrichten, wie er zugibt. In der Altöttinger Straße in Berg am Laim stiegen Taxler und Fahrgast aus. Ioannidis L. griff nach seinem Handy, um nach der Uhrzeit zu schauen. In diesem Moment packte Sebastian H. das Telefon und bedrohte den Taxler mit einer mitgebrachten Nagelfeile.

Das Opfer hat das Taxifahren danach aufgegeben

Sebastian H. verlangte die Einnahmen des Taxlers (etwa 25 Euro), die dieser auch sofort rausrückte, um sein Leben zu retten. Ioannidis L. hat das Taxifahren danach aufgegeben. „Der Vorfall hat da auch eine Rolle gespielt“, erklärt der 62-Jährige am Rande der Verhandlung.

Nachdem er die Erlaubnis bekommen hat, steht Ioannidis L. aber tatsächlich auf, geht die zwei Schritte zur Anklagebank und schüttelt dem Räuber die Hand. „Danke, dass Sie mich nicht verletzt haben“, sagt er. Sebastian H. blickt zu Boden und sagt: „Ich wollte Sie nie verletzen.“

 

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