Seit zwei Wochen in Quarantäne Coronavirus: Münchner Ehepaar auf Kreuzfahrtschiff gestrandet

Der Münchner Martin Lutterjohann an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess", das seit zwei Wochen am Daikoku-Pier unter Quarantäne steht. Foto: picture alliance/Martin Lutterjohann/Privat/dpa

Sie wollen bei einer Kreuzfahrt Asien erkunden, doch das Coronavirus macht ihnen einen Strich durch die Reiseplanung. Seit zwei Wochen sitzt das Ehepaar Lutterjohann aus München auf der "Diamond Princess" fest.

 

Yokohama/München - Ständig dieses mulmige Gefühl. Habe ich mich mit dem neuen Coronavirus angesteckt? "Angst ist jetzt zuviel. Aber die Möglichkeit, dass es eben doch Infektionen gegeben haben kann in der Quarantänezeit, kann ja keiner ausschließen", schildert Martin Lutterjohann mit ruhiger Stimme.

Seit Tagen sitzen der pensionierte Psychotherapeut aus München und seine japanische Frau Sakae in ihrer fensterlosen Kabine an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" in Yokohama nahe Tokio, der Heimat seiner Frau. Wenn alles gut geht, werden die beiden am Mittwoch von Bord gehen können. "Uns geht es gut, wir sind beide gesund, negativ getestet."

Münchner auf "Diamond Princess": Funktioniert die Quarantäne?

Das Schiff steht seit zwei Wochen unter Quarantäne. Anlass war der Fall eines 80-Jährigen aus Hongkong, der positiv auf das Virus getestet worden war. Der Mann war am 20. Januar in Yokohama zugestiegen und fünf Tage später in Hongkong von Bord des Kreuzfahrtschiffes gegangen.

Bisher sind 454 der über 3.000 Passagiere und Crewmitglieder positiv getestet worden, 20 Betroffene sollen schwere Symptome haben. Bis Montag lagen allerdings erst für 1.723 Menschen von Bord die Testergebnisse vor. Alle Infizierten werden in Kliniken betreut. Während die Amerikaner am Montag mehrere Hundert ihrer Landsleute heimholten, vertraut Lutterjohann vorerst darauf, dass die Quarantäne auf dem Schiff letztlich funktioniert.

Münchner Lutterjohann: "Machen uns keinen unnötigen Stress"

"Aber es gibt natürlich ein bisschen dieses Unsicherheitsgefühl. Ist das hier sicher gewesen oder nicht?", schildert Lutterjohann der Deutschen Presse-Agentur in Tokio über Skype. Dennoch fühle er sich an einem "bequemen, sicheren Ort". Ähnlich gehe es auch anderen, mit denen sie telefonisch oder über WhatsApp in Kontakt stünden, darunter einzelne der noch acht Deutschen an Bord.

"Wir nehmen die Sache locker, entspannt. Wir machen uns keinen unnötigen Stress", erzählt Lutterjohann und lächelt. "Immer natürlich vor dem Hintergrund, dass wir jetzt nicht in eine Falle geraten sind und positiv getestet werden. Dann kippt natürlich irgendetwas. Ich weiß nicht, wie es dann ist", so der Deutsche.

Ein deutsches Ehepaar, mit dem er und seine Frau über WhatsApp in Kontakt kamen und das keine Symptome gezeigte habe, wurde positiv getestet und liegt seit Sonntag in einem lokalen Krankenhaus.

Pensionierter Psychologe Lutterjohann bietet professionelle Hilfe an

Lutterjohann ist gelernter Psychotherapeut und Psychologe, das hilft ihm, mit der Isolation an Bord des Schiffes umzugehen. Er bot seine professionelle Hilfe an - aber er muss in seiner Kabine bleiben. Da die keine Fenster hat, dürfen er und seine Frau seit einigen Tagen zwei Mal pro Tag für jeweils eine Stunde an die frische Luft. "In dem Moment, wo wir an die Kabinentür gehen, legen wir sofort die Maske an, wenn wir Essen empfangen, wenn wir rausgehen sowieso", erzählt er.

Auf jedem Treppenabsatz stehe Desinfektionsmittel, "da sollte eigentlich nichts passieren". Seit einigen Tagen werde das Essen zudem "vollverpackt" und damit sicherer als zuvor an der Kabinentür serviert. Vergangene Woche habe jeder ein iPhone mit Internetzugang bekommen, so Lutterjohann.

Einmal habe man ihnen Bettwäsche gebracht, die sie selbst wechselten. Am Samstag erhielten sie zudem Putzmittel. Einzig saugen könnten sie nicht, das "vielleicht größte Manko". Ansonsten sei es in der Kabine "natürlich langweilig". Er könnte Filme schauen, doch seinen Laptop überlässt er seiner Frau, damit sie japanische Nachrichten sehen kann.

Da sie inzwischen negativ getestet seien und das nötige Gespräch mit einem Medizinerteam absolviert hätten, hätten sie jetzt "eigentlich gute Chancen, dass wir mit zu den ersten gehören, die am 19. rauskönnen", ist Lutterjohann zuversichtlich. Dann würden sie das machen, was sie von vornherein geplant hatten: noch eine Woche Tokio dranhängen.

Lesen Sie hier: Deutsche auf Kreuzfahrtschiff mit Coronavirus infiziert

 

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