"Sehen Körper wie ein Auto" Nürnberg hat jetzt einen Männerbeauftragten

Nürnberg will sich mehr um seine Männer kümmern. Foto: Daniel Karmann (dpa)

Beziehungsprobleme, Trennung und Gesundheit - in Nürnberg gibt es jetzt einen kommunalen Ansprechpartner für Männerfragen.

 

Nürnberg - Nürnbergs Männer können sich künftig bei Problemen etwa nach Trennung oder Scheidung einem kommunalen "Ansprechpartner" anvertrauen. Seit Mai bietet der Sozialpädagoge Matthias Becker Rat und Hilfe an. Der 52-Jährige, der unter anderem an Münchner Hochschulen Lehrbeauftragter für Männerfragen ist, macht Nürnberg damit zur ersten deutschen Stadt mit einem Männerbeauftragten.

Zunächst ist das Modellprojekt unter dem Dach des Nürnberger Menschenrechtsbüros auf ein Jahr befriste. Danach soll entschieden werden, ob das Projekt „Ansprechpartner für Männer“ verlängert werden soll, teilte Martina Mittenhuber, Leiterin des Menschenrechtsbüros, mit. Becker sei bislang sieben Stunden pro Woche im Dienst, ab September sei eine 50-Prozent-Stelle vorgesehen.

Diese ist aus Beckers Sicht dringend notwendig, da sich Männer nach seinen Erfahrungen nur in den seltensten Fällen an Frauenbeauftragte wenden. So hätten sich bereits in den ersten Monaten etliche Männer an ihn gewandt, die zum Beispiel Rat nach der Trennung von ihrer Partnerin suchen. Ein häufiges Thema sei auch der Streit mit Ex-Partnerinnen über das Umgangsrecht mit den gemeinsamen Kindern.

Becker ist der Meinung, dass es höchste Zeit werde, dass Männer traditionelle Rollenbilder aufbrächen, wie eben die weit verbreitete Meinung, dass Männer offen keine Emotionen zeigen dürfen. Auch das Thema „Gesundheit“ sei bei vielen Männern tabu oder sie nähmen es nicht ausreichend ernst. „Viele Männer sehen ihren Körper noch immer wie ein Auto. Wenn etwas daran kaputt ist, gehen sie zum Arzt und gehen davon aus, dass nach dem Arztbesuch wieder alles repariert ist“, berichtete Becker. Männer müssten bei dem Thema ganz anders angesprochen werden.

 

 

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