Science-Fiction-Western Immer gut in Schuss

Indiana Jones und James Bond im Wilden Westen: Dolarhyde (Harrison Ford, li.) und Jake (Daniel Craig) kämpfen Seite an Seite verbissen gegen Außerirdische. Foto: Paramount

Der bärbeißige Auftritt von Harrison Ford ist das Highlight von „Cowboys & Aliens”. Im Interview spricht der Star über seine Karriere

 

Er ist eine der letzten lebenden Hollywood-Ikonen. Harrison Ford schenkte der Welt Han Solo, Indiana Jones, Jack Ryan und viele andere Alpha-Männer der Kinogeschichte. Er war der Erste, dem Hollywood 20 Millionen Dollar Gage bezahlte. In dem Western-Science-Fiction-Mix „Cowboys & Aliens” spielt er Colonel Woodrow Dolarhyde, einen zwielichtigen Cowboy.

AZ: Mr. Ford, stimmt es, dass Regisseur Jon Favreau Sie lange bitten musste, bis Sie endlich zugesagt haben, in „Cowboys & Aliens” mitzuspielen?

HARRISON FORD: Ich weiß nicht, was für Jon Favreau „lange” ist. Mich hat anfangs vor allem der Titel abgeschreckt: „Cowboys & Aliens” – ich bitte Sie! Als ich dann doch begann das Drehbuch zu lesen, fand ich immer mehr Interesse daran. Und als ich Jon Favreau in seinem Büro besuchte und das sehr detaillierte und beeindruckende Storyboard an den Wänden gesehen habe, wusste ich, dass er es ernst meinte. Und dass er den Film würde stemmen können. Das gab dann den Ausschlag für meine Zusage. Ich verplempere nämlich nicht gerne Zeit mit Dilettanten.

Es ist das erste Mal seit über 30 Jahren – seit Robert Aldrichs „Ein Rabbi im Wilden Westen” –, dass Sie wieder einen Cowboy spielen.

Ja, ich weiß auch nicht, warum das so lange gedauert hat. Dabei habe ich Cowboys immer bewundert. Allerdings die echten, nicht die Film-Cowboys à la John Wayne. Ich mochte und mag immer noch das Ursprüngliche, das Echte, das Wahrhaftige. Gerade auch an einem Film-Set.

Wie man hört, sind Sie während der Dreharbeiten mit Daniel Craig sehr gut ausgekommen. Das ist nicht immer so. Wir erinnern uns an Probleme mit Brad Pitt, Josh Hartnett…

…die maßlos übertrieben und aufgebauscht wurden. Aber es stimmt schon, dass ich bei den Dreharbeiten von „Cowboys & Aliens” in New Mexico sehr viel Spaß hatte. Und mit Daniel bin ich seitdem sogar befreundet. Ich habe ihn und viele andere öfter mit meinem Hubschrauber vom Hotel zum Set in der Nähe von Santa Fé mitten in die steinige Einöde geflogen, wo wir die ganzen Action-Szenen gedreht haben.

Wie ernst kann man eigentlich als Schauspieler bleiben, wenn man vor einer Green-Screen mit als Aliens verkleideten Männern kämpfen muss, die auf ihren Helmen lange Stangen haben, an deren Ende ein Tennisball befestigt ist?

Sehr ernst – und konzentriert. Das ist mein Job als Schauspieler. Da ist es völlig einerlei, ob ich als Indiana Jones mit der Peitsche knalle, ein TV-Journalist bin wie zum Beispiel in „Morning Glory” oder auf Aliens schieße. Übrigens hat mir sehr gefallen, dass die damals im Wilden Westen „Damönen” genannt wurden – und nicht „Aliens”.

Sie werden nächstes Jahr 70 Jahre alt. Wann haben Sie das letzte Mal den Satz gesagt: „Dafür bin ich zu alt!”?


Noch nie. Das ist so ziemlich das Dümmste, was man überhaupt sagen kann – egal, wie alt man ist. Entweder man macht etwas, oder man lässt es sein. So einfach ist das. Wie alt man ist – oder besser: wie alt man sich fühlt –, hängt doch in erster Linie von der mentalen Einstellung ab. Und auch mit 70 kann man noch jede Menge tun, wenn man gut in Schuss ist.

Was muss man denn haben, um in Hollywood seinen Weg zu machen?

Talent, Charakter und Selbstvertrauen können nicht schaden. Aber von generellen Ratschlägen habe ich noch nie etwas gehalten. Seinen Weg – wo auch immer – muss man allein finden.

Hatten Sie es schwer, Ihren Weg zu finden?

Ich wollte zwar sehr gerne Schauspieler werden, hätte dafür aber nie meine Seele verkauft. Den „Faustischen Pakt” habe ich nie unterschrieben. Anstatt jeden Mist anzunehmen, habe ich lieber getischlert und in Hollywood als Schreiner gearbeitet. Ich habe zum Beispiel die Eingangshalle von George Lucas’ Skywalker-Ranch gestaltet.

Was ist das Geheimnis einer langen Hollywood-Karriere?

Für mich ist das Wichtigste, dass man sein Handwerk beherrscht. Auch und gerade als Schauspieler. Alles andere ist Glück oder Zufall. Das kann man nicht beeinflussen. Aber ob ein Tisch wackelt oder nicht, schon.

 

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