Schwimmer in der Straßenbahn Eisbachtram: Streit um nassen Po

Bilder von der Eisbachtram zwischen Tivolistraße und Bayerischem Nationalmuseum. Foto: Daniel von Loeper

Die Linie 18 wird im Sommer unfreiwillig zum Bade-Shuttle. Da kriegen auch die Sitze manchmal was ab. Skandal oder egal - im Netz wird gestritten.

Lehel - Straßenbahnladungen voll mit hübschen Mädels und knackigen Burschen – das macht die Münchner Verkehrsgesellschaft natürlich schon stolz. Am Freitag sah sich die MVG aber gezwungen, ein bisschen zu schimpfen.

 

„Liebe Eisbach-Schwimmer, das Sommervergnügen wollen wir nicht verderben“, schrieben die Verkehrsbetriebe auf ihrer Facebook-Seite. Aber sich mit feuchten Badesachen auf die Polstersitze hocken? Bitte nicht, „alle anderen Fahrgäste wollen schließlich trocken bleiben.“

Die Abendzeitung hat die Mitteilung der MVG geteilt – worauf sich im Netz am Wochenende eine hitzige Debatte über die sogenannte Eisbachtram entwickelte. Kein Benehmen sei das, halb nackt und pitsche-patsche-nass in die Straßenbahn zu steigen, meinten die einen. Statt zu mosern, solle die MVG doch einfach einen Badewaggon anhängen, meinten die anderen. Auch ein Tram-Fahrer meldete sich zu Wort.

Das Sagen die Kritiker:

Christan Ullrich, Straßenbahn-Fahrer bei der MVG: „Mir als Fahrer der Tram sind die nassen Sitze zwar egal. Aber ich hab’ jedes mal brutale Verspätung, weil die immer ewig zum einsteigen brauchen – mal ganz davon abgesehen, dass da mehr Leute rumstehen als überhaupt in die Tram passen. Wegen den paar Spinnern, die sowieso alle keine Fahrscheine haben, müssen die zahlenden Fahrgäste leiden: Sie kommen zu spät – und einen nassen Hintern haben sie auch noch. Ich find’ das sch..., hat mit Lockerbleiben nix zu tun.“

Gitti Englschall: „Einfach nur rücksichtslos. Menschen die zur Arbeit müssen, sollen sich dann auf nasse Stühle setzen.“

Klaus Warlich: „Ich würde Kontrollen durchführen, schon an der Haltestelle. Wer zu nass ist oder kein Fahrschein hat, kommt nicht rein. Ist die Tram zu voll, müssen die Eisbach-Schwimmer auf die nächste warten.“

Renate Genesori: „Manche haben einfach keinen Anstand mehr – traurig.“

 

Liebe Eisbach-Schwimmer, das Sommervergnügen wollen wir nicht verderben, aber bitte: Nicht mit nassen Badesachen auf die...

Posted by MVG Münchner Verkehrsgesellschaft mbH on  Donnerstag, 6. August 2015

Das sagen die Fans:

Franz Kinader: „Liebe MVG, anstatt zu meckern, vielleicht den Spaß mitmachen und Plastiküberzieher über die Sitze stülpen?“

Frank Kutz: „Um 1985 sind die meisten noch vollkommen nackt mit der Tram von der Tivolibrücke weggefahren.“

Elisabeth Lehner: „Ach Leute, die Diskussion ist müßig. Eisbachschwimmen und danach mit der Tram zurückfahren, ist Kult! Haben wir zur Schulzeit auch immer gemacht und es hat Megaspaß gemacht.“

Markus Knoll: „Die MVG soll froh sein, dass überhaupt jemand mit ihren unklimatisierten Verkehrsmitteln fährt.“

Lesen Sie hier: MVG ist sauer auf Eisbach-Schwimmer

Bernd Schuster: „Bei derart vielen Touris wie heuer, da kann es leider passieren, dass der eine oder andere erst bei der zweiten Runde die Regeln intus hat.“

Nina Kalinka: „Bei dem, was die MVG sich immer leistet, sind doch ein paar Halbnackerte mal eine nette Abwechslung!“

Tatsächlich geht die MVG mit den Halbnackerten eigentlich ziemlich kulant um. Wasserfeste Fahrkarten gibt es bislang eben nicht – und selbst wenn es sie gäbe: Im Bikini oder der Badehose wäre dafür nur schlecht Platz. Streng kontrolliert wird die Linie 18 in den Sommermonaten deshalb nicht – zumindest nicht auf der Eisbach-Strecke zwischen Tivolistraße und Nationalmuseum.

Würde die MVG das tun, glauben viele, gäbe es einen heftigen Shitstorm. Schließlich nutzen die Verkehrsbetriebe den „Sommerspaß mit der Eisbachtram“ selbst, um für sich Werbung zu machen. Und Touristen will die MVG auch nicht vergrätzen. In einigen Reiseportalen wird die Abkühlung im Eisbach schließlich als Insider-Tipp verkauft – natürlich versehen mit dem Hinweis: Zum Einstieg zurück geht’s am besten mit der Tram.

 

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