Schweizer hat ermittelt Mordfall Hinterkaifeck: Ist der mysteriöse Fall gelöst?

Das Bild zeigt den als "Hinterkaifeck" bekannten Hof, von der Polizei nummeriert. Adolf Jakob Köppel (kl. Bild) hat sich über fünf Jahre mit dem Fall beschäftigt – und sogar die Mordwerkzeuge (Reuthaue, Taschenmesser und Bandeisen) nachgebaut. Foto: Daniel von Loeper, Staatsarchiv München

Der Mordfall Hinterkaifeck gilt als einer der brutalsten in der Geschichte Oberbayerns. Ein Schweizer hat ihn aufgearbeitet. Für ihn ist eindeutig, wer die Bauernfamilie damals tötete.

Schrobenhausen/München - Auf einem Einödhof in Oberbayern, etwa sechs Kilometer von Schrobenhausen entfernt, werden am 4. April 1922 die Leichen von dem Bauernehepaar Andreas und Cäzilia Gruber, ihrer Tochter Viktoria, deren Kindern Cäzilia und Josef sowie der Magd Maria Baumgartner gefunden.

Sie sollen am Abend des 31. März erschlagen worden sein. Der ungelöste Mordfall "Hinterkaifeck" (nur ein inoffizieller Hofname) beschäftigt seitdem Hobby-Kriminalisten, inspirierte Autoren und Regisseure ("Tannöd").

Auch der Schweizer Adolf Jakob Köppel horcht auf, als er den Fernseher anschaltet und eine Dokumentation über den Mordfall sieht. Eigentlich arbeitet er bei einem Unternehmen, das Türen und Tore herstellt - doch an diesem Tag vor fünfeinhalb Jahren beginnt sein zweites Leben, in dem er sich der Mord-Recherche widmet. "Mich interessierten die Zeugenaussagen", sagt Köppel der AZ . "Auf keinen Fall hatte ich vor, den Mörder zu suchen."

Nach drei Jahren Recherche: Ist der Mörder gefunden?

Und doch, ist der 56-Jährige überzeugt, hat er ihn gefunden. "Nach drei Jahren Recherche hatte ich betoniert, dass Andreas Gruber die Opfer am Abend des 31. erschlagen haben muss. Es hieß: Am 31. kam der Teufel nach Hinterkaifeck - aber er war schon da."

Andreas Gruber, der Vater von Viktoria und wahrscheinlich auch der Vater ihrer Kinder Cäzilia und Josef, galt als Tyrann. "Er war herrschsüchtig, brutal, eigenbrötlerisch", beschreibt Köppel den Bauern.

Weil Gruber drohte, über Viktoria die Macht zu verlieren, habe er die Kontrolle verloren , so die Theorie des Schweizers. Die Polizei habe ihn aber nie verdächtigt, weil er selbst unter den Toten war. "Das war auch die große Frage: Wie kam Gruber ums Leben?", berichtet Köppel.

Erst am 4. April, also einige Tage nach der Mordnacht, wurden die Leichen gefunden. Es wäre möglich, dass Andreas Gruber erst nach den anderen starb - laut Köppel durch den Sturz auf einen schweren Kreuzpickel, den man bei den Kühen fand.

Spurensuche und Hinweise von Nachbarn

Auf der Spurensuche nach Indizien, die Andreas Gruber als Mörder überführen, liest sich der Hobby-Ermittler durch die gesamte Polizeiakte des Falls, erhält Hinweise von Nachbarn, besucht den Ort und baut sogar die Mordwerkzeuge nach. Die Familie wurde mit einer sogenannten Reuthaue erschlagen, eine Art Hacke, die unter anderem zur Schweinetötung verwendet wurde.

Für Köppel ist sie ein wichtiges Beweisstück. Denn die Opfer wurden nicht mit der langen spitzen Seite, sondern mit der stumpfen, an der sich eine Schraube befand, durch gezielte Schläge getötet.

Dafür brauche es Übung - und davon habe Andreas Gruber, dem das Werkzeug gehörte, als einziger genug gehabt. Dazu käme, dass die Reuthaue nach der Tat auf dem Zwischenboden des Hofes versteckt wurde. "Dafür musste man sich auskennen", sagt Köppel. "Klüger wäre es gewesen, dieses Werkzeug zu vernichten. Aber weil der alte Gruber so geizig war, hat er es behalten."

Die Polizei nimmt die Theorie des Schweizers nicht ernst

Zudem hätte am Auffindungstag der Leichen der Kalender das Datum 1. April angezeigt - also muss, so Köppels Schluss, am Tag nach der Tat noch jemand auf dem Hof gewesen sein, um das Kalenderblatt abzureißen. Auf seiner Internetseite hinterkaifeck.ch hat er sämtliche Indizien zusammengestellt.

Als er sie der Polizei präsentieren will, fühlt er sich dagegen nicht ernstgenommen, wird vertröstet. Für ihn war das der Auslöser, seinen Kriminalroman "Die Lerchenstimme" zu schreiben, in dem er die Zeugenaussagen mit seiner Recherche verbindet. Es ist die Chronologie eines Mordfalls, der auch nach so vielen Jahren noch präsent ist. "Die Menschen fasziniert dieses extrem brutale Vorgehen", erklärt der Autor. "Das ewig Ungelöste, Rätselhafte."

"Die Lerchenstimme" von A. J. Köppel, Independently Published, 2017, 343 Seiten, ca. 16 Euro


Hintergrund: Der Mordfall Hinterkaifeck

In der Nacht auf den 1. April 1922 wird auf dem Hof südwestlich des Dorfes Gröbern die Familie Gruber samt der Magd ermordet. Auf dem Hof herrschte der Bauer Andreas Gruber, der mit Tochter Viktoria eine inzestuöse Beziehung hatte. Die Polizei geht zunächst von einem Raubmord aus, später geraten auch Viktorias Mann Karl Gabriel und der Ortsführer Lorenz Schlittenbauer, mit dem sie ein Verhältnis hatte, unter Verdacht.

Bis heute ist nicht klar, wer der Mörder war. Der Hof wurde ein Jahr nach der Tat abgerissen.

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