Schwarzgeld und Steuerhinterziehung Historiker enthüllt dunkles Kapitel in der FC Bayern-Historie

Der ehemalige Manager des FC Bayern München Robert Schwan bei einem Spiel im Grünwalder Stadion. Foto: Minkoff / Augenklick

Schwarzgeldzahlungen und politische Einflussnahme in den 60er- und 70er-Jahren: Im neuen Buch eines Historikers kommt der FC Bayern München ziemlich schlecht weg.

 

München - Es ist nicht schmeichelhaft, was da über den FC Bayern geschrieben steht: Der märchenhafte Aufstieg der Münchner zum erfolgreichsten deutschen Fußball-Klub habe eine "kriminelle Kehrseite", die Münchner seien in "Machenschaften jenseits der Legalität" verwickelt und Teil eines "Amigo-Systems" gewesen.

Behauptungen, die der renommierte Historiker Hans Woller aufstellt. Woller hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: "Gerd Müller oder Wie das große Geld in den Fußball kam" (Verlag C.H.Beck). Es geht um Gerd Müller, dessen Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen zum "Bomber der Nation" – und dessen Absturz. Es geht aber auch darum, wie der FC Bayern in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu dem Klub werden konnte, der er heute ist.

"Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung unter den Augen der CSU"

In den Sechzigerjahren waren die Roten zunächst ein kleines Licht, geführt von Männern, die noch durch das Dritte Reich geprägt waren. Aufwärts ging es nicht zuletzt durch "Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung unter den Augen der CSU und der bayerischen Staatsregierung", schreibt Woller. Die Politiker hätten zu den Machenschaften nicht nur geschwiegen, sondern "systematisch Vorschub geleistet". Das, was er jetzt zutage gefördert habe, "ist die Spitze eines Eisbergs", sagte Woller über das am Dienstag erschienene Buch.  

Was er recherchiert habe, glaubt er, gelte nach seiner Meinung zudem "für die gesamte Bundesliga im Übergang vom Amateur- zum Profifußball". Seine Studie über Gerd Müller ist aber vor allem auch eine Abrechnung mit dem FC Bayern – und auch mit der Politik. Woller schildert unter anderem, dass die Klubführung um den ab 1966 fest angestellten Manager Robert Schwan pro Jahr und über Jahre hinweg etwa 350.000 Mark an Schwarzgeld benötigte, um Spieler wie Müller oder Franz Beckenbauer bei Laune und im damals noch klammen Klub zu halten.

Wie die Staatsregierung dem FC Bayern geholfen haben soll 

Bis zu 40 Freundschaftsspiele, viele im Ausland, bestritten die Münchner daher pro Jahr; das Geld wurde auch mal bar bei der Rückreise ausgezahlt. Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisteten nach Wollers Recherchen die mit dem FC Bayern sympathisierenden Mitglieder der Staatsregierung. Bei der Rückkehr von Auswärtsreisen soll der damalige Innenstaatssekretär Erich Kiesl (CSU), später auch mal Bürgermeister von München, den Zöllnern am Flughafen erklärt haben: "Ich bin der Staatssekretär Kiesl, und das ist der FC Bayern – also lasst uns durchgehen." 

Woller stützt seine Recherchen auf Archive, zeitgenössische Quellen und mehr als 60 Gespräche mit Zeitzeugen. Die Sache mit dem Schwarzgeld entsprang nicht zuletzt einer Empfehlung des damaligen bayerischen Finanzministers Ludwig Huber. Huber war es auch, der dem FC Bayern schließlich 1972 den Umzug ins Olympiastadion ermöglichte.

Die "kriminelle Kehrseite" des FC Bayern 

Für den Klub wurde die Arena zur Goldgrube – die finanzielle Lage entspannte sich in der Folge rasch. Und so kommt Woller letztlich zu dem Schluss, dass die durchaus "staunenswerte Erfolgsgeschichte" des FC Bayern zumindest "in den Sechziger- und Siebzigerjahren von Anfang an eine kriminelle Kehrseite hatte". Er habe den damaligen Verein bewundert, sagte der Historiker, der auch schon über Mussolini und Berlusconi geschrieben hat, aber jetzt sei "etwas der Lack abgesprungen".

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