Schwache EM-Qualifikation Russland: Trainer Capello muss gehen

Auf einer eigens eingerichteten Internetseite ("Fabio go home") hatten frustrierte russische Fans zuletzt seinen Abgang gefordert: Fabio Capello. Foto: dpa

Fabio Capello wird die russische Nationalmannschaft nicht zur Heim-WM 2018 führen. Nach enttäuschenden Resultaten in der EM-Qualifikation löste der Verband den Vertrag des Italieners auf.

 

Moskau - Dieses Ende hatte sich bereits angekündigt: Nach schwachen Ergebnissen in der EM-Qualifikation trennt sich der russische Fußballverband von Nationaltrainer Fabio Capello.

Der Italiener war seit 2012 Coach der Sbornaja und sollte das Team auch zur Heim-WM 2018 führen. Beide Seiten hätten sich auf eine Auflösung des Vertrags geeinigt, teilte der Verband am Dienstag in Moskau mit.

Als Nachfolger des 69-Jährigen ist Leonid Sluzki im Gespräch, derzeit Coach von ZSKA Moskau. Details der Trennung waren zunächst nicht bekannt. "Der russische Verband und Cheftrainer Fabio Capello haben einvernehmlich ihr Arbeitsverhältnis beendet", hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. 

Zuletzt hieß es, der Verband müsse Capello bei einer vorzeitigen Trennung eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen. Russland belegt in der EM-Quali derzeit den dritten Gruppenplatz.

Capello galt mit einem jährlichen Einkommen von sieben Millionen Euro als bestbezahlter Nationaltrainer der Welt. "Die RFU dankt Capello für seine Arbeit als Cheftrainer der Nationalmannschaft des Landes und wünscht ihm viel Erfolg für seine künftige berufliche Tätigkeit."

Schon seit der WM mit dem kläglichen Vorrunden-K.o. nach dem 0:1 gegen Belgien sowie zwei 1:1 gegen Südkorea und Algerien war Capellos Zauber verflogen. Dabei hatte der Italiener das Viertelfinale als Ziel ausgegeben, nachdem sich Russland als Gruppenerster souverän für Brasilien qualifiziert hatte.

Danach gab es weitere Pleiten, feierten Russlands Fußballer nur noch zwei Pflichtspiel-Siege (plus zwei Unentschieden): Gegen Liechtenstein auf dem Platz und gegen Montenegro nach Ausschreitungen am Grünen Tisch. Die Bilanz in der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich ist verheerend.

Mit nur acht Punkten aus sechs Spielen droht das Aus. Die 0:1-Heimniederlage am 14. Juni gegen Österreich brachte das Fass zum Überlaufen.

Fans begannen, Geld zu sammeln, um Capellos Ablöse zu bezahlen. Schließlich hatte der Verband schon Anfang des Jahres nur dank eines Darlehens des Oligarchen Alischer Usmanow dem Italiener sein Gehalt in Millionenhöhe überweisen können. Und am Ende ging es tatsächlich nur noch ums Geld.

"Die Seifenoper mit dem Titel 'Capellos Vertrag' wird bald zu Ende sein", hatte Sergej Anochin vom Exekutivkomitee des russischen Verbandes kürzlich erklärt. Er hätte die Entschädigungssumme gern von mehr als 20 Millionen Euro auf zehn Millionen Euro heruntergehandelt.

Drei Jahre vor der nach den jüngsten Korruptionsenthüllungen im Weltverband FIFA umstrittenen Heim-WM steht Russlands Fußball vor einem Umbruch. Nachdem Verbandspräsident Nikolai Tolstych abgesetzt worden war, soll am 2. September ein neuer Vorsitzender gewählt werden.

Als erster Anwärter gilt Sportminister Witali Mutko. Ob Interimspräsident Nikita Simonjan bis dahin einen neuen Nationaltrainer verpflichtet, ist offen.

Im Gespräch als Nachfolger für den italienischen Startrainer Capello ist Leonid Sluzki.

Der Coach von ZSKA Moskau ist erst 44 Jahre alt und würde bestens ins Anforderungsprofil für einen Neuanfang passen. Denn seine Aufgabe wird es sein, möglichst viele der Spieler, die bei der U19-EM am Montagabend die deutsche Mannschaft ausschalteten, bei der Heim-WM einzusetzen.

 

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