Schwabinger Traditions-Club Wahnwitzige (Zeit-)Reise: Das Crash wird 50

Pferde, nackte Kanonen und Thomas Gottschalk hinter dem Mischpult - DJ Hasso nimmt die AZ mit auf eine Reise durch 50 Jahre Crash in München. Foto: privat

Als das "Crash" 1968 als Beatclub eröffnet, gibt es erst eine einzige Diskothek in München. DJ Günter Haslinger erinnert sich für die AZ.

München - Sauerkraut-Wettessen, Vokuhila-Frisuren, Nackerte und Rock’n’Roll. Dazu so illustre Gäste wie Led Zeppelin, Eric Clapton und Uriah Heep: Als das "Crash" vor 50 Jahren als Beatclub an der Lindwurmstraße eröffnet, mit Jim Morrison von den Doors als Wahrzeichen an der Tür, brechen ziemlich wilde (Party-)Zeiten an.

Es ist erst die zweite Diskothek in München (P1, Sugar, FarOut und Motorama kommen später). 1993 zieht der Rockschuppen nach Schwabing um, in die Ainmillerstraße. Gerockt wird dort bis heute. Einer, der (fast) von Anfang an dabei war, legt immer noch alte Scheiben auf: Günter Haslinger alias DJ Hasso. Zum 50. Geburtstag, den das Crash ab morgen feiert, hat er für die AZ ins Fotoalbum geschaut.

AZ: Herr Haslinger, wieso haben denn die Damen auf den Fotos alle nix an?
GÜNTER HASLINGER: Weil wir da die Münchner "Miss Splitternackt" gewählt haben. Das war 1983. Zum 15. Crash-Geburtstag, glaube ich.

Ach so, ein nackertes Geburtstagspräsent. Zu den Jubiläumstagen waren die Partys halt noch ein bissl wilder als sonst auch schon. Das waren Zeiten, wo die Münchner fast jede schräge Idee mitgemacht haben. Heute ist das fast ein bissl peinlich.

Mit dem Pferd in den Club

Das Foto mit den Pferden ist auch bemerkenswert.
Ja, das war ein Jahr davor. Da hat der DJ, also ganz unabgesprochen, leichtsinnigerweise ins Mikro gesagt: "Alle, die morgen mit einem Pferd kommen, erhalten eine Flasche Whisky gratis."

Echt jetzt?
Ja, wirklich. Da sind dann tatsächlich einige unserer Gäste ins Crash geritten.

Und haben Sie die Pferde reingelassen?
Eins schon. Die anderen zwölf haben die Reiter draußen angebunden.

Der Laden war jeden Abend voll

Manche alten Crash-Stammgäste erinnern sich noch an eine Bettfeder-Party. Was war da los?
Ich habe mal 20 Federbetten gekauft und im Crash aufgeschnitten. Schaut ja super aus, wenn überall Federn fliegen. Bis man aufräumen muss.

Hat nicht geklappt?
Wir haben die noch wochenlang aus dem Holzboden und aus der Lüftung gefischt. Aber die Leute fanden das super. Von Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre hatten wir sechs Tage die Woche auf, immer außer Montag, und jeden Abend war der Laden voll.

Junge Leute feiern nicht mehr so viel

Was heißt voll?
400, 500 Leute locker. Mitten unter der Woche. Man ist halt jeden Abend fortgegangen. Bis ein Uhr Party, um sieben in die Arbeit. Bis zur ersten Brotzeit um neun Uhr ist man dann schon langsam wach geworden. Das kannst mit den Jungen bis 30 heute vergessen.

Weil?
Die schauen dich an, als wenn du spinnst, wenn du sagst: Dienstag fortgehen. Ich glaube, die haben mehr Leistungsdruck und können sich nicht erlauben, unausgeschlafen in den Job zu gehen. Darum findest du in München fast keine Disko mehr, die unter der Woche auf hat.

Großraumdiscos hätten das Crash fast ruiniert

Wie war das, wenn die Rockstars kamen?
Die sind oft nach ihren Konzerten in München zu uns gekommen, haben sich in ein Eck verzogen und keiner hat ein Aufhebens darum gemacht. Die Spider Murphy Gang war oft da, Led Zeppelin, Deep Purple, Eric Clapton. So inkognito, das ginge heute gar nicht mehr mit den sozialen Netzwerken.

Kurz nach dem Millennium ging es los mit der Hallenkultur. Da ist es in den Kult-Clubs in der Stadt ruhiger geworden. Im Crash auch?
Ja und wie. Da sind plötzlich alle nach Riem hinausgerannt und später aufs Pfannigelände in den Kunstpark Ost. Bei uns war auf einmal Tote Hose. Monatelang. Das hat schon gedauert, bis uns die Jugend irgendwann wieder entdeckt hat.

Gemischtes Publikum im Crash

Wie haben Sie das angestellt?
Ich weiß noch, wie ich an einem Samstagabend im Supermarkt stand. Da waren lauter junge Burschen, die sich mit billigem Alkohol eingedeckt haben. So kann man doch nicht feiern, dachte ich mir. Am Samstag billigen Fusel saufen auf der Straße! Da ist mir das Licht aufgegangen, dass denen alles zu teuer geworden ist in den Clubs.

Also? Haben’S das Bier billiger gemacht?
Auch. Aber Bier wollten die ja gar nicht, die wollten Longdrinks. Woldka Bull, Gin Tonic, Jacky Cola. Also haben wir ab 2001 nur noch Donnerstag, Freitag, Samstag aufgesperrt und jedes Getränk für einen Euro verkauft statt für vier. Siehe da: Auf einmal war der Laden voll. Überrannt haben sie uns.

Wer?
Lauter 18- bis 30-Jährige. Das sind Schüler, Studenten, Azubis, junge Eltern, total bunt gemischte junge Leute.

"Manchen Leuten muss man den Musikgeschmack beibringen"

Nacktparties, Pferde & Co. gibt es aber im Crash schon lange nicht mehr. Sind Sie über die Jahre seriös geworden?
Kaum. Aber die Jugend lockst du heute so nicht mehr hinterm Ofen vor. Es geht ja heute vor allem ums Coolsein. Viele stehen herum und warten, dass was passiert. Da tun sie mir manchmal fast ein bissl leid.

Ihre Rock-Oldies hört die Münchner Jugend aber immer noch gern. Wieso eigentlich?
Ich spiele denen die alten handgemachten Sachen so lange vor, bis es ihnen gefällt. Ohne Bad Moon Rising von CCR oder Brown Sugar von den Stones geht bei mir gar nix. Manchen Leuten muss man guten Musikgeschmack halt erst beibringen.


Crash, Ainmillerstraße 10, Tel.: 089/ 39 16 40,
50-Jahre-Jubiläumsparty: Donnerstag (20-1 Uhr, Charts und Party-Rock), Freitag (21-4 Uhr, Musik aus 50 Jahren), Samstag (21-4 Uhr, Best of Rock 1968-2018)

 

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