Schwabinger Bombe feiert Einjähriges Ein Jahr nach der Bombe: "Man ist zusammengewachsen"

Vor einem Jahr wurde in dem Bauloch am alten Standort der Kultkneipe „Schwabinger 7“ eine Weltkriegs-Bombe gefunden. Schnell stellte sich heraus: Der Sprengsatz hat einen Langzeitzünder und ist extrem gefährlich... Foto: dpa/AZ

Der große Rumms vom 28. August 2012, als in der Feilitzschstraße die Fliegerbombe gesprengt wurde: Die AZ hat sich genau ein Jahr danach auf Spurensuche in Altschwabing begeben.

 

Schwabing - Schwarz verrußte Wände. Zersplitterte Fensterscheiben. Ausgebrannte Läden. Vor einem Jahr wurde die Fliegerbombe auf der Baustelle der alten „Schwabinger 7“ und des Neubaus „Monaco Schwabing“ gefunden und gesprengt (siehe Chronik). Wer heute durch die Feilitzschstraße schlendert, sieht davon nichts mehr. Nur wer hinter die Fassaden blickt, kann den Spuren der Bombe folgen.

„Die Sicherheitsvorbereitungen waren, wenn man das Ergebnis sieht, perfekt gemacht. Wahrscheinlich war auch etwas Fortuna dabei, aber niemand ist zu Schaden gekommen“, resümiert der Bezirksausschussvorsitzende Werner Lederer-Piloty. Nur umliegende Immobilien sind von der Explosion in Mitleidenschaft gezogen worden – wie der Kultmodeladen „Flip“ genau gegenüber.

„Wir hatten ein Horrorjahr“, sagt Inhaberin Gebriele Bohlen. „Das Gerüst um das Haus ist erst vor drei Wochen abgebaut worden. Ein halbes Jahr lang konnten wir keine Schaufensterware auslegen. Ich denke, das alles hat uns die Hälfte unseres Umsatzes gekostet.“

Die Explosion hatte die Schaufenster in den Laden gesprengt, Glassplitter überall, die Schaufensterpuppen zerfetzt. „Ich hätte von der Stadtverwaltung Hilfe erwartet, und wenn’s ein günstiger Kredit gewesen wäre“, sagt Bohlen. Aber da kam nichts.“ Was sie besonders kränkte: „Im November haben wir mit dem Riva zusammen Eröffnung gefeiert – da durften wir den Laden nicht einmal ausnahmsweise bis Mitternacht offen lassen.“

Günter Radauer hat es mit seinem „Eye Spy Optik“ in der Feilitzschstraße nicht so schlimm erwischt. „Die Druckwelle kam von hinten in den Laden – die Fenster barsten und die teueren Maschinen waren nicht mehr zu gebrauchen.“ Aber die Versicherungen arbeiteten schnell, und zwei Wochen nach der Explosion konnte er sein Geschäft wieder betreiben.

Die Bombe hielt das Viertel in Atem – und das hatte sogar gute Seiten. „Die Leute sind mehr zusammengewachsen seitdem“, sagt Radauer. „Man kennt sich und winkt auch mal durchs Schaufenster.“

Werner Lederer-Piloty sind keine Beschwerden über nicht ausgezahlte Hilfen zu Ohren gekommen. „Meiner Meinung nach ist alles glimpflich gelaufen“, sagt der BA-Vorsitzende. „Und die Schwabinger können sich auf einen schönen Neubau mit Geschäften und Läden freuen. Das sind zwar nicht gerade Sozialwohnungen, die dort entstehen, aber jede neue Wohnung ist ein Sieg.“

Das „Monaco Schwabing“, ein schicker Gebäudekomplex mit 34 Wohnungen, wird im kommenden Jahr fertig. Viele protestierten gegen den Bau, der die Kultkneipe Schwabinger 7 vertrieb – die feiert jetzt ein paar Häuser weiter und wirbt mit „Bombenstimmung“.

 

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