Schutz vor Erklältungen "Moderat Sport treiben"

Bewegung draußen im Herbst – gesund, aber auch gefährlich: Das Risiko für Infektkrankheiten steigt. Hier erklärt Experte Bernd Wohlfahrt, welche Dosis die richtige für aktive Freizeitsportler ist

 

AZ: Herr Wolfarth, was trifft in Bezug auf die Infektanfälligkeit zu: „Sport ist Mord” oder „Sport härtet ab”?


BERND WOLFARTH: Das kommt auf die Art und den Umfang des Sports an. Moderater Sport hat positive Auswirkungen auf den Körper, aber Sport mit höherer Intensität und Umfang kann ins Negative umschlagen und zu erhöhter Infektanfälligkeit führen.


Bei Infekten spielt das Immunsystem eine Rolle. Was ist das überhaupt?


Das Immunsystem ist Teil der Infektabwehr des Körpers. Es gibt unterschiedliche Barrieren im Körper die helfen, dass keine Krankheitserreger in den Körper kommen. Die erste Ebene sind die Schleimhäute, wo Bakterien und Viren andocken können, da muss das lokale Immunsystem agieren. Die zweite Ebene ist das systemische Immunsystem. Dabei bilden sich Abwehrzellen im Körper und bekämpfen die Krankheitserreger.


Warum werden die einen schneller krank als andere?


Es gibt individuelle Voraussetzungen. Wenn jemand eine schiefe Nasenscheidewand hat, dann ist der z.B. infektanfälliger als jemand, der gut belüftete Nebenhöhlen hat. Oder wenn jemand ein überempfindliches Bronchialsystem hat, ist dies auch ein Risikofaktor. Und dann gibt's noch den Punkt der unterschiedlichen Verhaltensweisen. Da gehört auch der Sport dazu, also die vernünftige Steuerung der Belastung.


Ist Sport gut oder schlecht für das Immunsystem?


Moderate Belastungen stärken das Immunsystem. Nach intensiven Belastungen ist der Körper anfälliger. Hier gilt: Die Dosis macht das Gift.


Können Sie in diesem Zusammenhang den Open-Window-Effekt erklären?


Der Open-Window-Effekt bezeichnet ein zeitliches Fenster nach der Belastung, insbesondere nach langen, intensiven Belastungen. Die intensive körperliche Anstrengung führt zum Beispiel durch Mikroverletzungen in der Muskulatur zu einer Immunreaktion. Dann hat das Immunsystem etwas anderes zu tun hat, als sich mit Krankheitserregern auseinander zu setzen. Dieses sogenannte offene Fenster kann zwei bis 72 Stunden anhalten.


Intensive und lange Belastung – heißt das konkret, dass Sprinteinheiten und Marathonläufe schlecht sind für die Gesundheit und Nordic Walking gut?


Wer das Immunsystem stärken will, sollte regelmäßig Sport treiben und sich tatsächlich nicht überlasten. Insbesondere unregelmäßiges, zu intensives Sporttreiben hat negative Auswirkungen auf Trainingseffekt und Immunsystem.


Wie passt sich der Körper positiv an?


Die positiven Effekte sind sehr komplex. Unter anderem kommt es zu einer besseren Durchblutung der Schleimhäute und das zelluläre Immunsystem wird gestärkt.


Ab wann sollte man keinen Sport mehr treiben?


Grundsätzlich: Wenn man Fieber oder Gliederschmerzen hat und die Lymphknoten schmerzhaft geschwollen sind, dann Finger weg vom Sport. Bei lokalen Infekten, wie einem leichten Schnupfen, kann man moderat Sport treiben oder Spazierengehen.


Und ab wann kann man wieder mit dem Sport starten?


Das ist von der Schwere des Infekts abhängig. Drei bis fünf Tage infektfreie Zeit sollten aber auf jeden Fall eingehalten werden, bevor man sich wieder an die Belastung herantastet.

 

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