Schuldnerberatung Münchens Schuldner werden immer jünger

Wer in die Schuldenfalle gerät, braucht oft professionelle Hilfe (Symbolfoto). Foto: dpa/Jochen Lübke

Gerade Ratenverträge locken junge Menschen manchmal in Fallen, die sie teuer zu stehen kommen. Dafür gibt es die Schuldnerberatung – schon seit 25 Jahren.

 

München – Es gibt Ereignisse im Leben, die man nicht planen kann (und auch nicht will): eine Scheidung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder Arbeitsunfähigkeit, weil man plötzlich krank wird. Dann wird es finanziell eng, manchmal zu eng. Das Resultat: Jeder zehnte Deutsche ist privat überschuldet.

Auch in München, der vermeintlich so reichen Stadt, kämpfen 8,1 Prozent der Bevölkerung, also etwa 95 000 Menschen, gegen die Schulden. Und: Der Anteil junger Überschuldeter ist im Jahr 2014 in allen Stadtteilen (bis auf Nymphenburg, Obermenzing, Alstadt und Lehel) gestiegen – das verzeichnet der neueste Schuldneratlas. Damit die in Not geratenen Schuldner in dieser schwierigen Situation nicht alleine sind, bietet die Arbeiterwohlfahrt (Awo) seit 1989 eine Schuldnerberatung an – also ganz genau genommen seit 26 Jahren.

Ihr 25-jähriges Jubiläum feierte sie aber erst jetzt. Angefangen hat alles mit einem Team aus vier Mitarbeitern, einem 30 Quadratmeter großen Raum, einer Schreibmaschine, einem Telefon und vier ausgedienten Schreibtischen, erinnert sich die erste Leiterin der Beratungsstelle, Gudrun Bünte. Da listete man den Schuldnern ihre Finanzen noch mit von Hand gezeichneten Tabellen auf, erst nach der Insolvenzordung und der Anerkennung der Awo als geeignete Stelle für Insolvenzberatung kam EDV-Equipment dazu.

In den letzten Jahren stellte nicht nur die Awo fest, dass die Hilfesuchenden, die zu ihnen kamen, immer jünger wurden. Laut Schuldneratlas liegt die Überschuldungsquote der unter 30-Jährigen bundesweit bei 15,37 Prozent. Awo und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die gemeinsam die Beratungsstelle betreiben, reagierten früh und führten 2006 eine Jugenschuldnerberatung für Menschen unter 25 Jahren ein. Dass dieses Angebot rege genutzt wird, zeigen die Münchner Zahlen des vergangenen Jahres: 32 Langzeitberatungen und 95 Kurzberatungen bei einer durchschnittlichen Schuldenhöhe von 8100 Euro.

Grund dafür, dass viele junge Menschen über ihre Verhältnisse leben und irgendwann ihre Gläubiger nicht mehr bezahlen können, sei, dass vielen das Gefühl vermittelt werde, Wertgegenstände hätten eben keinen Wert mehr, sagt Awo-Geschäftsführer Christoph Frey: „Wenn Jugendliche heute ein Auto oder eine Stereoanlage kaufen wollen, suggerieren Ratenverträge zunächst, dass sie nichts kosten. Besonders im Bereich Handy und Telekommunikation werden Endgeräte zu teuren Verträgen ,gratis’ angeboten.“

Neuestes Projekt, um jungen Menschen bei der Finanzverwaltung zu helfen, ist die Website „jugendschuldnerberatung.de“. Dort finden sich generelle Informationen zum Umgang mit Geld, Antwort auf rechtliche Fragen zu den Themen Handyvetrag, Onlineshops & Co. – und erste Orientierung, wenn man bereits mitten in den Schulden steckt. Die Homepage kann die Schuldnerberatung vor Ort allerdings nicht ersetzen, sondern dient lediglich als eine möglichst niedrigschwellige Lösung, um die jungen Schuldner dazu zu bringen, sich mit ihren Finanzproblemen auseinanderzusetzen – je früher, desto besser.

Schuldner- und Insolvenzberatung im Gewerkschaftshaus, Schwanthalerstr. 64, Haus C, 5. Stock, Anmeldung Zi. 519. Telefonische Beratungszeiten Dienstag 11 – 12 Uhr, Donnerstag 9 – 10 Uhr & Freitag 10 – 11 Uhr, Tel.: 089-51 55 64 50 Jugendschuldnerberatung: Di. 13 – 14 Uhr, Do. 14 – 15 Uhr, offene Sprechzeiten im Jugendinformationszentrum JIZ (Sendlinger Str. 7) Do. 16 – 18 Uhr.

 

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