Schöne Münchnerin 2019 Louisa von Minckwitz verrät worauf es heute im Modelbusiness ankommt

In ihrer Agentur in Bogenhausen beantwortet Louisa von Minckwitz all unsere Fragen zum aktuellen Modeltrend. Foto: AZ/pa

Louisa Models gehört zu den führenden Agenturen weltweit und ist langjähriger Partner des AZ-Modelcontests "Die Schöne Münchnerin". Die AZ traf die Inhaberin Louisa von Minckwitz zum Interview.

 

AZ: Frau von Minckwitz, Sie casten weltweit. Was ist aktuell der Trend?
LOUISA VON MINCKWITZ: Der Trend ist immer noch das schöne Mädchen, aber mittlerweile darf das schöne Mädchen auch ein paar Ecken und Kanten haben. Heute sucht man einen Typ, der sympathisch und nicht zu überkandidelt ist. Einfach ein junges Mädchen mit Ausstrahlung.

Die Agenturchefin war früher selbst als Model aktiv und castet mit ihrer Agentur Louisa Models weltweit.
Die Agenturchefin war früher selbst als Model aktiv und castet mit ihrer Agentur Louisa Models weltweit.

In diesen Bereich fällt auch das Thema "Curvy". Wie stehen Sie dazu?
Ich sehe das Thema "Curvy" sehr positiv. Es entspricht einfach der Zeit. In den Achtzigern war meine Agentur eine der ersten, die in Brasilien castete. Da waren die Mädchen alle noch wahnsinnig schlank. Wenn ich heute nach Brasilen reise, muss ich sagen: Oh mein Gott, haben die sich geändert. Auch in Deutschland. Die Mädchen, die 13 oder 14 Jahre alt sind, haben nicht mehr eine Hüfte mit 86 Zentimetern Umfang wie früher, was in dem Alter normal wäre, sondern haben eine Hüfte mit 95 Zentimetern und mehr.

Welcher Typ kommt gerade besonders gut an?
Es kommt der "Curvy" Typ an, aber auch immer noch der normale Modeltyp. Früher, als ich selbst noch gemodelt habe, war die Gute, die immer das richtige Waschmittel benutzt hat, blond und diejenige, die alles falsch gemacht hat, die Dunkelhaarige. Heute ist das komplett anders, heute haben Sie alle Typen, auch asiatische oder dunkelhäutige Mädchen.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem deutschen und dem internationalen Markt?
Nein, große Unterschiede zwischen den Märkten gibt es nicht mehr. Der kommerzielle Typ arbeitet überall gut, der "Curvy" Typ ist gerade extrem gefragt. Sie finden kaum ein Mädchen, das 1,75 Meter groß ist, zwischen 20 und 25 Jahre alt, schon 20 Jahre Modelerfahrung hat und dann möglichst wenig Geld kostet. Das ist natürlich nicht realistisch.

Gibt es ein Land, in dem Sie am erfolgreichsten casten?
Als ich 1981 mit der Agentur begann, war Skandinavien meine Lieblingsregion - Dänemark, Norwegen oder Schweden. Nach etwa zehn Jahren fiel mir auf, dass nicht nur ich dort castete, sondern auch die Agenturen in Paris und Mailand, oder New York. Am Anfang fand ich noch zehn Mädchen pro Reise, nach zehn Jahren dann nur noch eine. Das war wie beim Fischfang. Das Gebiet war leer gefegt. Ich scoute überall sehr gerne, in Russland habe ich noch nicht so viele Erfahrungen. Im Januar war ich wieder in Australien, aber auch in Deutschland haben wir extrem tolle Mädchen und auch tolle Männer - doch die meisten Männer wollen nicht modeln.

Was müssen Models mitbringen?
Models müssen zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß sein, dann müssen sie einen speziellen Look haben. Wenn sie anfangen, sollten sie nicht älter als 20 Jahre alt sein, ideal ist zwischen 15 und 18 Jahren. Es macht Sinn, noch während der Schulzeit anzufangen, so können die Mädchen in den Ferien modeln und wir können sie langsam aufbauen. Die angehenden Models müssen Lust auf diesen Beruf haben, sie müssen unabhängig sein, also nicht zu sehr an ihrem Freund kleben. Außerdem müssen sie gerne reisen und fit sein, denn sonst schaffen sie diesen Job nicht.

Welche Schritte gehen Mädchen, die diese Voraussetzungen mitbringen?
Wenn man modeln möchte, sollte man sich bei einer namhaften Agentur aus dem VELMA-Verzeichnis melden. Darin sind alle Agenturen verzeichnet, die solide arbeiten. An eine dieser Agenturen sollte man ein Ganzkörperfoto schicken, im Bikini oder in einer Short mit einem Top, ein Foto im Profil und ein Porträtfoto. Bitte keine Fotos vom Fotografen! Diese Fotos mit den persönlichen Angaben, Maßen, Alter, Adresse und Telefon mailt man wie beschrieben. Dann bekommt man relativ schnell eine Antwort, ob positiv und oder negativ.

Was unterscheidet die "Schönen Münchnerinnen" von den anderen Mädchen in Ihrer Kartei?
Der Unterschied ist ganz einfach. Die Mädchen, die wir bei Louisa Models präsentieren, haben wir weltweit gescoutet. Der Wettbewerb "Schöne Münchnerin" bezieht sich aber nur auf München und auf das Umland, insofern ist das ein ganz kleines Nadelöhr. Der Typ, den wir bei der "Schönen Münchnerin" suchen, muss die internationalen Standards einhalten, weil wir ja für unsere Kunden suchen. Wir scouten nur diejenigen, die der Nachfrage unserer Kunden entsprechen. Sei es jetzt für einen Katalog, eine Redaktion, Werbeagentur oder einen Fotografen - die Mädchen müssen immer zwischen 175 und 180 Zentimeter groß sein, ich kann da leider keine Ausnahme machen. Hier gelten die gleichen Maßstäbe, wie international. Deswegen ist es auch schwierig, einen echten Star bei der Schönen Münchnerin zu finden. Wir hatten mal ein Mädchen aus München, die vor 20 Jahren von mir auf dem Oktoberfest gescoutet wurde. Das ist Julia Stegner, die es auf der Model-Weltrangliste auf Platz drei geschafft hat.

Was macht Julia Stegner so besonders?
Sie entspricht den idealen Modelmaßen. Julia ist 1,83 Meter groß und hat nach wie vor eine Hüfte von 85 Zentimetern. Ein Model muss in den Proportionen breite Schultern haben, und dann schmal sein. Dann wirkt die Kleidung besser an ihr. Julia ist eine klassische Schönheit, die sowohl redaktionell viel gearbeitet hat, wie auf dem letzten Vogue-Cover mit ihrem Hund Kasper, oder auch Kampagnen für Hugo Boss oder Escada gemacht hat. Solche Mädchen suchen wir auch bei der "Schönen Münchnerin" und wenn so ein Mädchen dabei wäre, wäre ich sehr happy.

Sie sind mit ihrer Agentur in Hamburg und in München vertreten. Welche Stadt hat in Sachen Mode die Nase vorn?
Momentan läuft gerade in der Mode sehr viel mehr in Hamburg. In der Hansestadt produzieren deutlich mehr Firmen. Es gab immer eine Rivalität zwischen beiden Städten. Als ich 1981 mit Louisa Models in München anfing, war München absolute Wüste, alles lief über Hamburg und 1990 machte ich dort eine Dependance auf. Plötzlich schwappte alles von Hamburg nach München. Das lag auch daran, dass Hochglanzmagazine wie die deutsche Vogue und die Elle hier her kamen. Ab 2003 schwappte wieder alles nach Hamburg und im Moment produzieren selbst namhafte Münchner Firmen in Hamburg, weil wir kaum große E-Commerce-Studios in München haben. Sehr bedauerlich, sehr traurig, ich wünschte, es wäre anders, aber ich sitze nicht im Rathaus.

Was müsste denn passieren, damit München als Modestadt wieder zur Topform aufläuft?
Da müssen Sie im Rathaus fragen, warum wir eine Modemesse, die sehr präsent war, haben gehen lassen.

Was passiert in München überhaupt zum Thema Mode?
Es passiert wenig oder gar nichts mehr. Wir hatten mal eine sehr gute und auch gut besuchte Ordermesse. Alles weg, dafür haben wir jetzt die Baumaschinenmesse.

Wie schaut es mit jungen Designern in München aus?
Bei jungen Designern ist natürlich Berlin federführend. Als Berlin Hauptstadt wurde, sagte man, jetzt gäbe es die Achse Berlin - München. Aber gerade ist es eher Berlin - Hamburg. Und München sitzt so im Süden. Da denken alle, dort ziehen nur die hin, die viel Geld haben und sich hier eine Wohnung leisten können. Ich höre sehr viel von jungen Leuten, dass die lieber nach Berlin ziehen. Ich würde mir wünschen, dass sich das wieder ändert.

Gerade im Moment läuft ja auch viel in der Modewelt über Influencer. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Einige Models sind auch große Influencer, wie Izabel Goulart oder Alessandra Ambrosio, mit neun Millionen Followern. Teilweise sind da die Übergänge fließend. Was mich dabei erschreckt, das ist, dass der Kunde, der um Modelgagen feilscht, das Geld mit vollen Händen rauswirft, wenn es um Influencer geht. Dabei lässt sich bei Models online messen, wie oft sich eine bestimme Klamotte verkauft, diese Möglichkeit haben sie bei einem persönlichen Instagram-Account nicht.

Izabel Goulart, Flavia De Oliveira oder Elle MCPherson: Echte Starmodels sind bei Louisa Models unter Vertrag.
Izabel Goulart, Flavia De Oliveira oder Elle McPherson: Echte Starmodels sind bei Louisa Models unter Vertrag.

Wie stehen die Chancen für junge Mädchen, von Instagram aus in den Modelbereich aufzusteigen?
Man muss natürlich unterscheiden zwischen Model und Instagram-Star. Ein Model wird immer gemessen nach einer bestimmten Körpergröße, einer Konfektionsgröße 36. Sonst passt das vom Designer einmal zugeschnittene Kleidungsstück nicht. Ein Instagramstar braucht sich nicht an dieses Maß zu halten. Der bekommt dann ein auf ihn abgestimmtes Kleidungsstück zugeschickt. Auf jeden Fall sind das zwei unterschiedliche Dinge. Ein Instagram-Star muss auch nicht 1,75 Meter sein, der kann auch nur 1,60 Meter groß sein. Ein Model kann ein Instagram-Star werden, aber ein Instagram-Star kann nicht unbedingt ein Model werden, wenn er nicht die Maße dazu hat.

Hilft Ihnen Instagram nicht, potenzielle Models zu finden?
Durch das Internet hat sich natürlich unsere ganze Arbeitsweise verändert. Früher war es wie an der Börse - wie Hyänen saßen wir um einen runden Tisch, in dem gab es Fächer mit Blöcken drin und ein Chart für jedes Model. Wir haben uns angeschrien und gegenseitig die Models abgeluchst. Heute sitzen wir brav vor unseren Computern und jeder hat gleichzeitig Zugriff auf die Charts, kann dann Optionen setzen oder dem Kunden antworten. Früher hatten wir auch sehr viel mehr Bewerbungen von Mädchen, die einfach hereinkamen. Dann standen da manchmal 20 Mädchen, die alle Model werden wollten. Heute haben wir nur noch einen Callback am Freitag, sonst können wir ganz ungestört arbeiten, weil sich die Models in spe online bewerben. Das Interessante an unserem Beruf ist, dass ein schönes Mädchen sich oft selber nicht als schön empfindet. Die meisten Models empfinden sich nicht als schön. Demgegenüber überschätzen sich viele Mädchen, die sich für den Modelberuf leider überhaupt nicht eignen. Denen muss man dann erklären, warum sie nicht Model werden können. Das ist übers Internet natürlich leichter. Von 1.000 Bewerbungen laden wir 20 Mädchen ein, und von denen werden am Ende drei Models. Der ganze Job hat sich komplett geändert. Früher war der Modelberuf planbar. Da wusste man im April, dass man im August und September wieder gebucht wird. Jetzt geht das von heute auf morgen und dann auch für ein paar Tage. Früher war man wochenlang für den gleichen Kunden gebucht. Früher hat man vier Aufnahmen am Tag gemacht, heute machen sie 60 Aufnahmen, früher gab es nur Aufnahmen von vorne, heute müssen die Sachen auch bei einem 360 Grad-Schwenk sitzen.

 

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