Schockmoment bei Siko-Demo Mit Benzin übergossen: Mann (50) will sich am Stachus anzünden

Der 50-Jährige aus dem Irak, der sich am Stachus am Samstag mit Benzin übergossen hat, wird von Polizisten abgeführt. Er ist inzwischen in der Psychiatrie. Foto: RTL

Schockmoment bei der Siko-Gegendemo: USK-Beamte verhindern im letzten Moment, dass sich ein 50-Jähriger aus dem Irak inmitten der Demonstranten am Stachus selbst verbrennt.

 

München - Nur um Haaresbreite sind die Siko-Proteste an einer Tragödie vorbeigeschrammt. Mitten in der Menschenmenge am Stachus hat sich am Samstag ein Iraker aus Protest gegen die politischen Zustände in seiner alten Heimat mit Benzin übergossen. Polizisten konnten ihn überwältigen. "Es war die gefährlichste Situation, die ich in meiner Zeit als Polizist erlebt habe", sagt Benjamin B. (38), seit 16 Jahren beim Unterstützungskommando (USK) und Anführer der Gruppe, die den Suizidversuch verhindert hat.

Hunderte Menschen haben sich am Mittag am Stachus versammelt. Sie hören den Rednern zu. Minütlich werden es mehr. Sie wollen später zur Demo gegen die Sicherheitskonferenz.

Polizisten verhindern Katastrophe am Stachus

Um 13.22 Uhr taucht ein Mann auf. Er ruft Parolen und geht zum Brunnen. In der rechten Hand hält er einen blauen 5-Liter-Kanister, lässt das Benzin über seinen Kopf laufen, in der linken ein Feuerzeug. Den USK-Beamten bleiben nur Sekunden, um eine Katastrophe zu verhindern. Mit einem Hechtsprung stürzt sich Benjamin B. auf den Mann, reißt ihn zu Boden. Der Verdächtige verliert Kanister und Feuerzeug. Helmut W. (31) und Tobias S. (31) packen den Iraker an den Armen. Sie wollen verhindern, dass der Mann erneut nach dem Feuerzeug greift. Seine Kleidung ist mit Benzin getränkt, ebenso ihre Overalls.

"Eine Zigarette am Boden hätte genügt, und alles wäre in Flammen aufgegangen", sagt Helmut W. Panik wäre ausgebrochen. Der Iraker wäre brennend durch die Menge gelaufen, Transparente, Fahnen, die Kleidung anderer hätte Feuer gefangen. Die Overals des USK sind aus schwer entflammbaren Material. "Wenn sie mit Benzin getränkt sind", so Benjamin B., "hilft das nicht viel." Zumal Hände und Gesichter der Beamten ungeschützt sind.

Iraker kommt nach Vorfall in die Psychiatrie

Die Lage ist chaotisch. Keiner weiß, ob der Mann Unterstützer hat. Passanten mischen sich plötzlich ein. "Lasst den Mann in Ruhe", schreit einer die Polizisten an. "Das ist verständlich", sagt Helmut W, "die wussten nicht, was los war." Später reicht ein Demonstrant eine Wasserflasche, damit die Polizisten dem Iraker die Augen ausspülen können. "Er hatte Schmerzen und gerötete Augen", sagt Tobias S.

Der Iraker lebt und arbeitet in München. Er kam 2001 als Flüchtling nach Deutschland. Der 50-Jährige war völlig verzweifelt, dass seine Aktion scheiterte. "Er habe niemanden anderen verletzen wollen, sagte er immer wieder", berichtet Tobias S., "er ging davon aus, dass er sterben werde". Der Iraker kam in die Psychiatrie.

  • Bewertung
    39