Schock und Trauer in Krailling Sharon und Chiara - "Ihr machtet die Welt bunter"

"Gedenken an zwei Engel" hat jemand auf diesen Zettel geschrieben. Er liegt vor dem Haus, in dem Chiara und Sharon ermordet wurden. Foto: dapd

Der Bürgersteig in der Kraillinger Margaretenstraße füllt sich mit Blumen. Ein großes Foto zeigt die Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) inmitten ihrer Freundinnen. „Warum müssen Kinder immer wieder für Erwachsene büßen?“ steht daneben geschrieben.

 

Krailling -  Die beiden Mädchen waren am Donnerstag in ihren Kinderzimmern ermordet worden. Ihre Mutter hatte die unter anderem von Messerstichen gezeichneten Leichen entdeckt, als sie nachts nach Hause kam. Vom Täter fehlte auch am Samstagabend noch jede Spur. Der kleine Ort in Oberbayern steht unter Schock.

„Der ganze Ort ist vollkommen erschüttert, ein Kapitalverbrechen war hier nicht vorstellbar“, sagt die Kraillinger Bürgermeistern Christine Borst (CSU). Sie ist am Samstag in die Margaretenstraße gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Vor dem Haus der Familie werden immer mehr Lichter, Kuscheltiere und persönliche Mitteilungen abgelegt. „Ihr habt die Welt bunter gemacht, leider zu kurz“ oder „Das habt ihr nicht verdient“ lauten die Botschaften.

„Shroni, ich vermisse Dich soo“, schrieb Freundin Hannah. „Anette bitte gib nicht auf“ wird die Mutter der getöteten Kinder ermuntert. Dann kommt Christian mit seiner Mutter vorbei und legt Blumen nieder. „Chiara hat mir neulich noch Fußballkarten geschenkt“, erinnert sich der Junge. Er geht in die vierte Klasse der Grundschule, Chiara besuchte die 3c.

Besonders die Eltern in Krailling seien verunsichert, und alle hofften darauf, dass die Morde möglichst bald aufgeklärt werden, sagt Rathauschefin Borst. Die Anteilnahme in der 8.000-Einwohner-Gemeinde ist groß. „Am Montag werden wir wohl Bescheid wissen, wann die Beisetzung sein wird“, sagt Borst.

Unterdessen gehen die Ermittlungen auf Hochtouren weiter. Am Samstagmittag, zwei Tage nach der Tat, rückt erneut ein Trupp der Spurensicherung an. Die Beamten zwängen sich in ihre weißen Schutzanzüge, um den Tatort nochmals unter die Lupe zu nehmen.

Die Polizei in München kann unterdessen keine neuen Informationen zu dem rätselhaften Verbrechen bekannt geben. „Vermutlich am Sonntag“, sagt eine Sprecherin, würden erste Ermittlungsergebnisse veröffentlicht.

Die Mutter wohnte seit 16 Jahren in dem Haus

Viele Kinder und Erwachsene stehen an diesem Samstag stumm und ergriffen vor dem Haus. „Die Mutter hat seit fast 16 Jahren im Haus gewohnt“, erzählt die Hausbesitzerin. 1995 sei die Mieterin als Studentin in den ersten Stock des Hauses eingezogen. Auch die Hausbesitzerin ist fassungslos. Schlafen kann sie momentan nur mit Schlaftabletten, wie sie sagt.

Genauso geht es einer Nachbarin. Die hatte beobachtet, dass sich die Mutter am Vortag in Begleitung der Polizei Bekleidung aus dem Haus geholt hatte. Irritiert zeigen sich die Anwohner über die offenbar nicht verschlossene Wohnungs- und Haustür. „Dass die Tür nicht verschlossen war, das war bekannt“, meinte die Nachbarin, „die Mutter hatte Angst, dass ein Feuer ausbricht.“

In der nahe gelegenen Musikkneipe „Schabernack“, wo die Mutter in der Tatnacht bei einer privaten Feier war – der Pächter ist ihr Lebensgefährte -, geht unterdessen der Betrieb weiter. „Heute geöffnet“ lädt ein Schild für den Abend ein. Dort wird auch Geld gesammelt. „Spendenmöglichkeiten für die Bestattung im Schabernack“ steht auf einem Schild hundert Meter entfernt vor dem Haus, wo die Mädchen ermordet wurden.

 

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