Schock am ersten Schultag Kleiner Leon im Schulbus vergessen

Leon mit seiner Schultüte. An seinem ersten Schultag fühlte sich der Sechsjährige während einer Irrfahrt ziemlich verloren. Foto: Petra Schramek

Erster Schultag mit Hindernissen: Auf dem Heimweg von der Förderschule vergisst der Fahrer eines privaten Busunternehmens ein Kind – schließlich übergibt er es der Polizei.

 

München - Eine große Schultüte voller Überraschungen, ein nagelneuer Ranzen und viele neue Gesichter: Der erste Schultag ist ein aufregender Tag. Für den sechsjährigen Leon aus Harlaching endete er mit vielen Tränen. Ausgerechnet, als er zum ersten Mal mit dem Schulbus fahren durfte, verfuhr sich der Fahrer und verpasste die Haltestelle, an der Leons Großvater wartete. Anstatt wieder zur Haltestelle zurückzufahren, gab der Fahrer den Sechsjährigen bei der Polizei am Hauptbahnhof ab.

Der erste Schultag hatte so schön begonnen. Die neuen Lehrer und Mitschüler in der Förderschule am Innsbrucker Ring waren nett, das Klassenzimmer schön – Leon freute sich auf die Schule. Nachdem der Tag so gut begonnen hatte, sollte Leon gegen 10.30 Uhr zusammen mit elf anderen Kindern auch gleich üben, wie er künftig nach der Schule wieder nach Hause kommt. Ein privates Busunternehmen holt die Schüler ab und hält an wenigen Haltepunkten, exklusiv für die Schüler dieser Schule. „Wir haben die Kinder gemeinsam mit der Lehrerin zum Bus gebracht. Der Fahrer hätte vier Haltestellen anzufahren gehabt“, berichtet Leons Mutter (33).

Leon hatte die weiteste Fahrt, er sollte an der Haltestelle in der Autharistraße in Harlaching aussteigen. Doch nachdem die anderen Buben und Mädchen ausgestiegen waren und Leon allein in dem großen Bus zurückblieb, verfuhr sich der Fahrer. Er vergaß einfach, dass Leon an der Autharistraße heraus musste. „Er hat es zu spät gemerkt, da war er schon zu weit, um wieder umzudrehen. Der Fahrer ist bereits seit 20 Jahren im Busverkehr. Er hat einfach einen Fehler gemacht“, sagt sein Chef, Busunternehmer Christian Brettschneider.
Gegen 11 Uhr sollte der Schulbus in Harlaching ankommen. Leons Großvater wartete seit 10.45 Uhr, damit er seinen Enkel auf keinen Fall verpasste. Doch der Bus kam nicht. Auch Leons Mutter kam zur Haltestelle – beide warteten vergeblich.

„Ich habe versucht, den Busfahrer telefonisch zu erreichen. Die haben ja alle Kontaktdaten von den Kindern, falls mal etwas ist. Aber der Fahrer war nicht erreichbar“, berichtet die Mutter. Sie wurde immer nervöser. Leon hat einen schweren Herzfehler und eine Lernschwäche. Als er im Bus merkte, dass er sich überhaupt nicht mehr auskannte, fing er an zu weinen.

Der Fahrer kehrte nicht etwa um, sondern fuhr mit dem Buben weiter zum Stützpunkt des Busunternehmens am Hauptbahnhof. Dort übergab er das weinende Kind einer Streife der Bundespolizei. „Die Fahrer haben die Anweisung, sich so zu verhalten, wenn ein Kind übrigbleibt. Sie können das ja nicht einfach irgendwo alleine stehenlassen. Ich konnte den Fahrer ebenfalls nicht erreichen, er hatte sein Handy lautlos gestellt“, sagt Busunternehmer Brettschneider.

Der kleine Leon war inzwischen völlig verzweifelt. Er kannte niemanden, war orientierungslos. In der ganzen Aufregung wollte er auch seinen Namen nicht sagen. „Die Polizisten haben sich wirklich sehr nett um ihn gekümmert, sie haben ihm auch Schokolade angeboten“, erzählt die Mutter.
Die Polizisten versuchten herauszubekommen, wer der Erstklässler eigentlich war. An seinem Schulrucksack entdeckten sie schließlich einen Namensanhänger. Anhand des Namens konnten sie Leons Mutter ermitteln und verständigen. Ihr fiel ein Stein vom Herzen.

Nachdem ihr Kind eineinhalb Stunden verschwunden gewesen war, konnte Daniela D. ihren Sohn um 12.30 Uhr auf der Wache der Bundespolizei wieder in die Arme schließen. Der Busunternehmer: „Der Vorfall tut uns sehr leid! Als kleines Trostpflaster bekommt Leon von uns einen Spielzeug-Einkaufsgutschein.“
Der Schulanfänger nahm seine erste Erfahrung mit dem Schulbus tapfer. Am nächsten Tag stieg er wieder ein. Diesmal ging alles glatt.

 

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