Schlagabtausch mit dem Auto-Experten Der ADAC, ein Fall fürs Kartellamt?

 

MÜNCHEN Erst gute Partner, jetzt offene Feinde. Früher arbeiteten der ADAC und Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer zusammen. Heute spricht der Experte von einem Club „arroganter, alter Herren“ und wirft ihm vor, seine wirtschaftliche Macht schamlos auszunutzen.

Wer ist korrupter? ADAC-Präsident Peter Meyer muss sich in den letzten Wochen viel Kritik gefallen lassen, mitunter keilt er zurück – so vor Kurzem gegen den Duisburger Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer. Der habe sich selbst mit einem ADAC-Hubschrauber durch die Gegend fliegen lassen, profitiere außerdem fürstlich von Aufträgen des ADAC. Vorwürfe, die der Professor umgehend konterte. Er holt zum Gegenangriff aus, zerpflückt den Club. Der ADAC stelle „ein Monopol“ dar, „das unsere Wirtschaftsordnung pervertiert“. Im Mittelpunkt seiner Kritik steht die Gemeinnützigkeit des Clubs, die auch unter Juristen umstritten ist.

Die Steuervorteile: „ Gemäß einem Dekret des bayerischen Finanzministers aus dem Jahre 1981 muss der ADAC nur auf zehn Prozent seines Schutzbriefumsatzes Steuern zahlen“, führt Dudenhöffer aus. „Von etwa einer Milliarde Euro Mitgliedsbeiträgen werden nur 100 Millionen mit kleinem Sondersteuersatz versteuert.“

Die „Zwangsmitgliedschaft“: Die meisten ADAC-Mitglieder verstehen sich nicht als Aktivisten eines Vereins, sondern sie wollen nur den Schutzbrief – doch den gibt es nur, wenn sie eintreten. Diese „Zwangsmitgliedschaft“ nutze der ADAC, um „fast schon auf sizilianische Art politische Macht“ aufzubauen – eine „perfide Beugung des Vereinsrechts“. „Extremer kann man Wettbewerb nicht absurdum führen.“

Die Behandlung seiner Mitglieder: „Dass der ADAC es gar nicht so gut mit seinen Kunden meint, zeigt ein Preisvergleich von Schutzbriefen. So kostet die Single-Mitgliedschaft beim ADAC mit Pannenhilfe nur in Deutschland 49 Euro, während etwa die Huk Coburg den Schutzbrief Europa für sechs bis zwölf Euro anbietet.“

Rüde Umgangsformen im Geschäftsleben: „Wenig Engelhaftes“ zeigte der ADAC, „wenn er mit kleinen Abschleppunternehmen Verträge durchpeitscht“. „

Merkwürdige Interessenskonflikte“: Der ADAC, führt Dudenhöffer aus, sei in doppelter Funktion aufgetreten, als er Shell-Tankrabatte verteilte und dazu aufrief, bei freien Tankstellen zu tanken.

Mangelnde Kontrolle: Die Vereinssatzung ermögliche anders als bei echten Firmen keine Einsicht in die wirtschaftlichen Aktivitäten. „Man kann ein Wirtschaftsunternehmen mit zwei Milliarden Umsatz nicht wie einen Tennis- oder Taubenzüchterverein ohne saubere Kontrollorgane führen.“ Deswegen müsse der Club in einen echten Verein und ein Unternehmen aufgespalten werden. „Der ADAC selbst kann und wird das System ADAC nicht ändern.“ Dafür gebe es öffentliche Organe – ein Kartellamt, ein Justiz- und ein Finanzministerium. sun

 

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