Schicksal aus Langwied Endlich Hilfe für den Lebensretter

Manfred Gmeinwieser in seiner Wohnung in Germering: Drei Jahre lang hofft er, dass seine Krankheit anerkannt wird. Jetzt hat er endlich Erfolg. Foto: Christian Pfaffinger

Erfolg nach jahrelangem Kampf: Als er ein Trauma erleidet, hilft Manfred Gmeinwieser (51) zunächst niemand. Dann berichtet die AZ über sein Leiden. Jetzt kann er eine Therapie machen.

Lochhausen/Germering - An diesem Freitag wird Manfred Gmeinwieser eine Frau treffen, die sein Leben verändern soll. Die Frau aus Solln ist Therapeutin und will ihm helfen, seine jahrelange Angst zu besiegen. Damit er wieder spazieren gehen kann. Oder einkaufen. Oder sogar S-Bahn fahren.

Manfred Gmeinwieser leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Es ist eine psychische Krankheit, die ihn seit Jahren quält. Lange hat er um eine Erwerbsminderungsrente und eine Therapie gekämpft, weil er arbeitsunfähig ist. Doch niemand hat ihm geholfen.

Dann berichtet die AZ über den 51-Jährigen. Auf einmal haben seine Anträge Erfolg. Er erhält die Rente und kann Ende dieser Woche eine Therapie beginnen. „Endlich habe ich die Chance, gesund zu werden“, sagt er. „Ohne die AZ hätte ich noch sehr lange weiterkämpfen müssen.“

Sein Kampf war ein langer: Zwischen 2007 und 2009 wird Manfred Gmeinwieser Zeuge eines grässlichen Unfalls und zweier Selbstmordversuche. Er wohnt damals nahe der Bahn-Unterführung "Am Langwieder Bach". Zwei Menschen rettet er das Leben, zwei anderen kann er nicht mehr helfen. Er sieht grausige Bilder und erholt sich bis heute nicht davon. Ihn plagen Schuldgefühle und Angst. Er kann nicht mehr arbeiten, traut sich kaum mehr aus dem Haus.

Bereits 2010 beantragt er bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eine Erwerbsminderungsrente. Er unterzieht sich den Gutachten, doch nichts geschieht. Im Herbst 2012 stellt er einen neuen Antrag. Wieder mehrere Gutachten, wieder nichts. Vor wenigen Wochen hakt die AZ bei der DRV nach. Man müsse genau prüfen, heißt es.

Ebenso bei der Landesunfallkasse. Dort ist Gmeinwiesers Akte bereits 600 Seiten lang - doch passiert ist bisher nichts.

Leserinnen und Leser der AZ melden sich. Sie wollen helfen. Doch Manfred Gmeinwieser fühlt sich überfordert, traut sich nicht, die Helfer anzurufen. Er ist nicht sicher, was er annehmen kann und will vor allem, dass sein Rentenantrag endlich genehmigt wird.

Danach sieht es aber erst einmal nicht aus. Er soll zur nächsten Untersuchung. „Meine zehnte Begutachtung“, so Gmeinwieser. Er ist verzweifelt.

Kurz darauf meldet sich das Bayerische Arbeitsministerium. Durch den AZ-Bericht sowie die Mail eines AZ-Lesers sei man auf seinen Fall aufmerksam geworden. Das Ministerium versichert, dass „alles getan wird, um eine möglichst baldige Entscheidung treffen zu können“.

Dann bekommt Manfred Gmeinwieser wieder Post, dieses Mal von der Deutschen Rentenversicherung. „Ich musste es immer und immer wieder lesen“, sagt er. „Als ich es dann endlich geglaubt habe, ist eine sehr große Last von meinen Schultern gefallen.“ Die DRV gewährt ihm eine Erwerbsminderungsrente über zwei Jahre. Manfred Gmeinwieser hat wieder eine Perspektive.

Kurz darauf kommt ein zweiter Brief. Die Landesunfallkasse sagt ihm eine „Rente auf unbestimmte Zeit“ zu und verspricht eine Therapie. Er kann es kaum glauben. Jahrelang hat er gewartet, gehofft und gekämpft; jetzt geht es plötzlich so schnell.

Nun will Manfred Gmeinwieser gesund werden – und wieder arbeiten. Wohl nicht in seinem alten Beruf als Personenschützer. Zu groß ist seine Angst, dabei wieder Grausames zu erleben. Aber einen Job will er unbedingt wieder. „Hoffentlich gibt mir jemand eine Chance. Mit 70 Prozent Schwerbehinderung wird es nicht leicht“, sagt er. „Aber ich werde auch das schaffen.“

 

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