Schauspielerin verkörpert Schlecker-Frau Katharina Thalbach sind Existenzängste nicht fremd

In "Die Schlikkerfrauen" kämpft Katharina Thalbach um ihre Existenz Foto: Richard Hübner SAT.1

Monatelang erregte der plötzliche Fall der deutschen Supermarktkette Schlecker 2012 die Gemüter. Den Angestellten, die damals gegen Insolvenz und Entlassungswelle kämpften, widmet Sat.1 am 30. September den Film "Die Schlikkerfrauen". Für Hauptdarstellerin Katharina Thalbach eine Geschichte mit wichtiger Botschaft, wie sie in der "Welt am Sonntag" bekräftigt.

 

München - Anfang 2012 ging mit "Schlecker" eine der größten deutschen Drogerieketten in die Insolvenz. Gegen die drohende Kündigung bäumten sich tausende Mitarbeiterinnen auf, gingen auf die Straße und protestierten. Diesen als Schlecker-Frauen in die Geschichte eingegangenen Angestellten widmet der Sender Sat.1 nun den Spielfilm "Die Schlikkerfrauen", in der Schauspielerin Katharina Thalbach (60) eine der Betroffenen verkörpert. Und die wünscht sich im Interview mit "Welt am Sonntag" auch in anderen Bereichen zivilen Ungehorsam.

"Ich glaube, wir lassen uns wirklich zu viel gefallen. Da herrscht ein allgemeiner Stumpfsinn, der um sich greift und den ich sehr gefährlich finde. Dass man denkt, man kann ja sowieso nichts machen", erklärt die 60-Jährige. Im Film spielt sie eine Filialleiterin, die wegen der drohenden Entlassung auf die Barrikaden geht, so wie es auch in Wirklichkeit tausendfach geschah. "Ich fand das so mutig, was die Frauen da gemacht haben. (...) Dass man wenigstens versucht, sich zu wehren, und sich nicht alles gefallen lässt."

Um ihre Rolle glaubhaft spielen zu können, traf sich Thalbach mit einigen der Betroffenen von 2012 und lernte so auch die Gründe für die Pleite kennen. "Durch sie kamen noch Details hinzu, auf die sonst keiner gekommen wäre. Dass Schlecker etwa die ältere Kundschaft verloren hat, weil die Gänge zu eng für Rollatoren waren."

Das Schicksal der Schlecker-Frauen ist dabei für Thalbach keine unbekannte Situation, sie selbst musste nach dem Mauerfall ebenfalls um ihre Existenz bangen: "Das entscheidende Gefühl, dass mir eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin geschildert hat, das kenne ich selbst noch ganz genau: Du denkst, es ist deine eigene Schuld. Du denkst, du warst nicht gut genug und fühlst dich wertlos." Diese Emotionen habe sie am eigenen Leib erlebt, als sie bei der Schließung des Berliner Schiller-Theaters um ihre Zukunft bangen musste.

Der Fall der Berliner Mauer ist ihr auch heutzutage, knapp 25 Jahre später, so präsent wie eh und je: "Dass ich den Tag des Mauerfalls erleben durfte, mit allen Kräften und Sinnen, das war unbeschreiblich. (...) Ich habe mich an dem Tag betrunken, am nächsten Tag bin ich zum wahrscheinlich einzigen Mal in meinem Leben sturzbetrunken zum Set erschienen."

So sehr sie sich aber als waschechte Berlinerin freue, dass Berlin wieder eine Stadt ist, die jüngsten Entwicklungen in Deutschlands Hauptstadt sieht sie mit großer Besorgnis, vor allem was die Mietpreise angeht: "Es ist so unglaublich, wie die Stadt damit kaputt gemacht wird. Ist doch klar, dass sich das keiner leisten kann. Natürlich kommen da nur Arschgeigen her, die viel Geld haben. Und seltsamerweise stellt man fest, dass Menschen, die viel Geld haben, meist Arschgeigen sind."

 

0 Kommentare