Schauspielerin im Interview Brigitte Hobmeier: "Ich backe gerne, am liebsten mit den Kindern"

Das "Kenn i ned, mog i ned"-Gen trägt Brigitte Hobmeier nicht in sich. Trotzdem hatte sie Schwierigkeiten mit ihrer ersten Portion Schnecken in Frankreich.

 

Berlin - Sie ist die bayerische Allzweckwaffe und die Buhlschaft des Jahres 2013: Brigitte Hobmeier (37, "Die Hebamme") ist am Theater genauso erfolgreich wie auf der Kinoleinwand. Der Kinofilm "Was machen Frauen morgens um halb vier" mit Hobmeier als unerschütterlicher, optimistischer Bäckerin, die Christstollen und Schweinsohren nach Dubai bringen will, läuft heute abend im Ersten (20.15 Uhr). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht sie über ihre Backkünste, Kulturschocks und unsere Wegwerfgesellschaft.

Im Film wird das gängige Motto "Hauptsache billig" kritisiert. Wie stehen Sie zu diesem weit verbreiteten Credo?

Brigitte Hobmeier: Ich glaube nicht einmal für einen Wirtschaftsweisen ist der Weltmarkt eine klare Sache. Wir Endverbraucher kennen uns doch schon lange nicht mehr aus. Natürlich leben wir in einer globalisierten Welt. Wir leben in eine Wegwerfgesellschaft, unsere Jugendlichen kaufen sich zum Wochenende in großen Kleidergeschäften hübsche billige Klamotten fürs Wochenende und schmeißen sie am Montag wieder weg. Es ist billig genug.

Worin liegt für Sie dabei die große Problematik?

Hobmeier: Wenn das Geld in der eigenen Tasche das höchste Gut ist, dann ist das alles ok. Wenn uns aber daran liegt, dass auf der anderen Seite der Welt nicht jemand sitzt, der für dieses Verhalten mit Armut, Gesundheit und Leben zahlen muss, dann sollten wir versuchen, etwas zu ändern. Ich möchte nicht daran glauben, dass wir in kompletter Ohnmacht leben. Nicht nur das Angebot regelt den Markt, auch unsere Nachfrage. Und wenn die jeder einzelne von uns hinterfragt und zwar für sich selbst, kann sich etwas ändern.

Ist es nicht auch ein gewisser Luxus, von unfair produzierten Billigprodukten die Finger zu lassen?

Hobmeier: Ich kann mir natürlich Kartoffeln von hier leisten, kann saisonal einkaufen und brauche nicht das ganze Jahr über frische Erdbeeren. Ich glaube, diese Art von bewusstem Leben ist für jeden möglich. Fertiggerichte aus dem Supermarkt sind doch oft teurer, als wenn man selbst kocht.

Für den Film drehten Sie im Dirndl in Dubai. Haben Sie in dem Outfit Aufmerksamkeit erregt?

Hobmeier: Natürlich haben wir mit unserem Kamerateam und ich im lila Dirndl Blicke auf uns gezogen. Allerdings war das ja ein echtes Luxus-Hotel, in dem wir gedreht haben. Wir können den Menschen aus Dubai in Sachen Luxus nicht viel vormachen. Die Menschen, die dort in diesem Hotel waren, sind so unfassbar reich, dass sie dieses kleine Filmteam gar nicht so sehr beeindruckt hat.

Im Film sind Sie Profi im Stollenbacken. Sind Sie selbst auch so eine begabte Weihnachtsbäckerin?

Hobmeier: Nein, leider, das musste ich mir erarbeiten. Ich backe zwar gerne, am liebsten mit den Kindern zusammen, aber nur für den Privatgebrauch.

Bei der Vorstellung der bayerischen Backwaren wie Schweinsohren, Christstollen und Rumkugeln in Dubai kommt es zu lustigen Szenen und zu einem Aufeinanderprallen zweier Kulturen. Kennen Sie solche Situationen des Kulturschocks?

Hobmeier: Nein nicht wirklich. Vielleicht als ich das erste Mal in Frankreich Schnecken gegessen habe. Da dachte ich damals schon: Die nehmen mich doch auf den Arm. Man isst doch keine Schnecken.

Sind Sie dann jemand, der sich schnell auf Fremdes einstellen kann?

Hobmeier: Das Unbekannte und Fremde ist etwas, das sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Dieses bayerische "Kenn i ned, mog i ned"-Gen trage ich nicht in mir.

Es gibt im Film eine Traumszene, in der Franzi von schrillenden Weckern umzingelt ist. Kennen Sie solche Alpträume, wenn Sie unter Zeitdruck stehen?

Hobmeier: Ich kenne diese sich verwebenden Träume, in denen sich alles vermengt und verdreht. Aber mich quält dann eher die Schlaflosigkeit.

Welche Taktik haben Sie, um mit Druck klarzukommen?

Hobmeier: Man kann ja nur immer eins nach dem anderen machen. Und ich gehe auch nicht immer gleich damit um und auch nicht immer souverän. Aber ich brauche die Aufregung, das Adrenalin, das Aufladen und Entladen. Mir gefällt die Konzentration und das Hinarbeiten auf ein Ziel in der Arbeit.

 

0 Kommentare