Schauspielerin im Interview Barbara Auer: "Beziehungsarbeit gibt es nicht geschenkt"

In "Pass gut auf ihn auf" spielt Barbara Auer eine Pfarrerin Foto: ZDF/Barbara Bauriedl

Barbara Auer gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen des Landes. Im Interview spricht sie jetzt über Betrug, Affären und Patchwork-Familien.

 

Berlin - Was tun, wenn man plötzlich erfährt, dass einem nicht mehr viel Zeit im Leben bleibt? Diese Frage steht im Mittelpunkt des TV-Filmes "Pass gut auf ihn auf" (2. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF). Die junge Mutter Miriam (Julia Koschitz) will vor allem, dass ihre kleinen Zwillinge optimal versorgt sind. Dafür sucht sie sich ausgerechnet die Ex-Frau, Pfarrerin Lene (Barbara Auer), ihres Mannes Ingmar (Filip Peeters) aus... Drama pur!

Mit der Nachrichtenagentur spot on news hat Schauspielerin Barbara Auer (54) über Betrug, Affären und Patchwork-Familien gesprochen.

Frau Auer, was halten Sie von dem Satz: "Richte dich ein und halte die Koffer bereit"?

Barbara Auer: Das ist ein gutes Lebensmotto. Man sollte gerne und intensiv mit der Familie, den Freunden und auch anderen Menschen, denen man begegnet, zusammen sein. Gleichzeitig muss man aber immer auch bereit sein, alles und jeden verlassen zu können - was sehr schwer ist. Das Loslassen ist eine lebenslange Übung, die beginnt, wenn die Kinder laufen lernen und später das Elternhaus verlassen, um ein eigenes Leben zu führen. Und sie endet in dem, was schwer und schmerzhaft ist: einen Menschen zu verlieren.

Gibt es eine Quittung im Leben?

Auer: Wahrscheinlich denkt das jeder mal. Ich selbst bin katholisch aufgewachsen und denke daher umso häufiger, dass ich ab und an die Quittung für etwas bekomme. Das Prinzip von Schuld und Sühne. Gleichzeitig widerspricht dem natürlich mein Verstand. Allerdings denke ich schon, dass man alles, was man anderen gibt oder tut, im Guten wie im Schlechten, in irgendeiner Weise zurückbekommt.

Sind Religion und Kirche für Sie ein Zufluchtsort in Krisensituationen?

Auer: Die Kirche nicht, aber Religion oder der Glaube an etwas Göttliches, Übergeordnetes, Größeres als das, was unser Leben ausmacht, das schon. Ansonsten versuche ich, Probleme immer erst hier vor Ort zu klären.

Kann man jemandem vertrauen, den man aus einer Beziehung herausgelöst hat?

Auer: Das hängt sicher vom Einzelfall ab. Beziehungen, die auf Betrug oder Affären aufgebaut sind, haben aber eher keinen guten Start, glaube ich.

Wie kommt man am besten über so einen Verlust hinweg?

Auer: Irgendwann muss man aus diesem Wut- und Zorn-Tal auch wieder herauskommen. Und das gelingt nur über das Verzeihen, was ja auch wieder ein Loslassen ist. Verzeihen ist ja nicht nur ein Akt der Großmut, es befreit einen auch selbst.

Kann man eine Nachfolgerin irgendwann mögen?

Auer: Das ist Beziehungsarbeit, so wie auch Patchwork-Familie Beziehungsarbeit für alle Beteiligten ist. Das gibt es nicht geschenkt.

Diese Arbeit leisten oft die Frauen.

Auer: Ohne den Männern zu nahe treten zu wollen, ist es tatsächlich oft so.

Bringt Paartherapie was?

Auer: Ja, das kann helfen. Im unserem Film ist die Paartherapie natürlich zum Scheitern verurteilt, weil Ingmar (Filip Peeters) gar nicht will, Lene (Barbara Auer) auch nur halb, und initiiert worden ist sie von Miriam (Julia Koschitz), der neuen Frau. Das kann nicht gut gehen.

Was würden Sie machen, wenn Sie nur noch ein paar Monate zu leben hätten?

Auer: Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder dann und wann. Allerdings habe ich sie während des Drehs nicht an mich herangelassen, war vielmehr mit den Verletzungen meiner Figur Lene beschäftigt. Natürlich bin ich jetzt in einem Alter, in dem die Generation vorher, aber auch schon Freunde wegsterben. Seit mehr gestorben wird um mich herum, mache ich mir auch mehr Gedanken, was ich noch gerne regeln oder auch, bei wem ich mich noch entschuldigen möchte. Man sollte eben so leben, dass man jederzeit gehen kann.

 

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