Schauburg Die Oper "Simon" von Gerhard Stäbler

Im Dunkel eines Clubs: Philipp Nicklaus, Karera Fujita, Gertrud Schilde in „Simon“. Foto: Cordula Treml

Die Schauburg zeigt „Simon“, eine Oper von Gerhard Stäbler für jüngere Zuschauer

 

Was als „Musiktheater für Leute ab 14“ angekündigt wird, ist ein veritables Kammeröperchen aus den Klangwelten des späten 20. Jahrhunderts. Für die schnellen, harten Beats, die die Hörgewohnheiten der Zielgruppe prägen, setzt Gerhard Stäbler auf ein perkussives Instrumentarium, zu dem Schlagwerk ebenso gehören wie Kochgeschirr und Blechdosen, getrommelt und sogar gepfiffen von Philipp Nicklaus.

„Ich bin dein VJ heut Nacht“ singt der junge Titelheld zu Beginn dazu. Fürs Melodiöse ebenso wie für vielfältige Geräuscherzeugung ist Gertrud Schilde an zwei Streichinstrumenten zuständig: Eine traditionell akustische und ein elektrische Geige.

Die Befreiung aus dem Cyber-Kerker

Der norwegische Autor Christopher Grøndahl erzählt in „Simon“, seinem Debüt als Opernlibrettist, von zwei Jugendlichen, denen das Schicksal schon in jungen Jahren unfreundlich begegnet ist. Simon hatte einen schweren Verkehrsunfall und sich aus der Welt, in der er sich nur auf Krücken bewegen kann, zurückgezogen. Mia lebt beim Vater und vermisst die Mutter, die weggegangen ist. Das Mädchen musste zudem vom Land in die Großstadt umziehen, wo sie sich nicht zu Hause fühlt.

Wie Simon flieht sie mit einer Videobrille in eine Virtuelle Realität, in der sich beide zufällig begegnen. Simons Genesung ist nur mittelbar ein Wunder der Liebe: Mia gelingt es, ihren Vater, der Chirurg ist, zu einer Operation des Jungen zu überreden.

Zum Happyend finden die beiden den Weg heraus aus ihren Cyber-Kerkern und hinein die analoge Wirklichkeit. Ein scheues „Hey!“ als letzter Ton und als letztes Wort ist, vielleicht, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Abweisende Dramaturgie

Grønwald lässt seinen beiden heranwachsenden Protagonisten ihre Alltagssprache, die erst mit Stäblers Musik ins Lyrische überhöht wird. Oft wirken die Silben wie einzeln vertont, werden mitunter in einem Sprechgesang zerlegt oder schwingen sich über viele Oktaven hinweg in die Höhe und auch wieder hinab. Zusammen mit vielen Leerstellen, die entscheidende Handlungsverläufe lediglich undeutlich andeuten, entsteht eine sehr uneinheitliche und fast abweisende Dramaturgie.

Auch Regisseur und Ausstatter Sebastian Bauer taucht die Welt der Mia und des Simon bei der deutschen Erstaufführung in der Schauburg ins nur von wenigen Lichtinseln illuminierte Dunkel der Clubs. Die Isolation des nicht nur körperlich verletzten Simon bebildert überdeutlich ein würfelartiges Gehäuse, in dem der Junge haust.

Mehr Fortune haben die Gesangssolisten Karera Fujita (Sopran) und Stefan Blum (Tenor) mit ihren geschmeidigen und farbenreichen Stimmen, die zur Premiere eines an der Schauburg eher ungewöhnlichen Musikereignisses herzlich vom Publikum gefeiert werden.  

Schauburg, Große Burg, Franz-Joseph-Straße 47, am Elisabethplatz, heute sowie am 5. und 6. Juni, jeweils 19 Uhr, 7. Juni, 10 Uhr, Karten unter Telefon 23337155
 

 

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