Schädlingsplage Käfer-Alarm: Wald unter Quarantäne

Der Laubholzbockkäfer macht den Münchner Osten unsicher. Foto: Kyle Ramirez

Der schlimmste Befall in ganz Deutschland: Der Laubholzbockkäfer breitet sich im Osten Münchens aus. Die Behörden richten eine Sperrzone ein

 

FELDKIRCHEN Er stammt aus China oder Korea und ist als blinder Passagier nach Europa gereist, gut versteckt auf einem Containerschiff. Im Osten Münchens sorgt der Fremde nun für Panik unter Waldbesitzern und hunderte gefällte Bäume. Sein Name: Anoplophora glabripennis oder Asiatischer Laubholzbockkäfer.

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat ein 20 Quadratkilometer großes Gebiet rund um Feldkirchen unter Quarantäne gestellt, weil das gefräßige Insekt dort sein Unwesen treibt. Noch nie wurde in Deutschland ein schlimmerer Befall festgestellt. Der Landwirtschaftsausschuss forderte die Staatsregierung gestern deshalb auf, alle Möglichkeiten zur Bekämpfung des Eindringlings auszuschöpfen.

Anders als der Borkenkäfer, der nur kranke Bäume ansteuert, hat es Anoplophora glabripennis auf gesunde Gehölze abgesehen. „Das Weibchen legt seine Eier auf die Rinde. Die Larven, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, bohren sich dann ins Kernholz“, erklärt LfL-Zoologe Ullrich Benker. Eineinhalb Jahre lang fressen sie sich dort dick und fett – meist unbemerkt. „Es kann sein, dass man von außen nichts sieht, der Stamm von den Maden aber schon völlig ausgehöhlt ist.“ Das Problem: Der betroffene Baum wird morsch und stirbt ab. „Bei Sturm können dann ganze Astpartien abbrechen und Autos oder gar Menschen treffen.“ Ein tödliches Risiko.

Den Käfer zu bekämpfen, ist alles andere als einfach. „Er ist ein unsichtbarer Feind, der sich gut versteckt“, sagt Ullrich Benker. „Deshalb ist es schwer, ihnen eine tödliche Dosis an Pestiziden zu verabreichen. Da müsste man schon ganz Feldkirchen mit einer Chemie-Wolke überziehen und das geht natürlich nicht.“

Besser, der Käfer erreicht Europa erst gar nicht. Seit er 2004 erstmals auf dem Kontinent aufgetaucht ist – zunächst in Braunau am Inn, dann im nahen Neukirchen – müssen Paletten und Verpackungsholz aus Fernost auf 60Grad erhitzt oder mit Gas behandelt werden. So will man verhindern, dass weitere Tiere eingeschleppt werden.

Den Feldkirchenern hilft das freilich wenig. Ihre Laubholzböcke sind schon da. Acht LfL-Aushilfen suchen derzeit jeden Baum in der Quarantänezone mit dem Fernglas nach den Insekten ab. Mitarbeiter zweier Spezialfirmen fahnden mit Hilfe von Hebebühnen und Kränen nach den typischen „Bohrlöchern“, die entstehen, wenn sich die ausgewachsenen Käfer aus dem Stamminneren in die Freiheit nagen. Im Frühjahr sollen sie wohl Unterstützung von speziellen Laubholzbockkäfer-Spürhunden bekommen. Werden sie fündig, ist das Todesurteil für den betroffenen Baum gefallen: Er muss gefällt, gehäckselt und verbrannt werden.

 

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