Sanierungs- und Baupläne Hier entsteht das neue Gut Freiham

Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem über 900 Jahre alten Gut sollen aufwändig renoviert werden. Wie es auf dem Gelände aussieht? Es geht los mit der Schlosswirtschaft. Klicken Sie sich durch die Fotos. Foto: ho

In Freiham bewegt sich richtig was: Ab dem kommendem Jahr werden im Westen 20.000 neue Wohnungen gebaut. Und jetzt soll auch das Gut Freiham, das langsam aber sicher verfiel, völlig neu auferstehen.

 

Freiham - „Hier wird ein Kleinod entstehen“, schwärmt der neue Eigentümer Rolf Rossius von der Gebrüder Rossius GmbH & Co. KG. Vor zehn Tagen hat der 69-Jährige, der mit seinem Bruder Bodo seit 50 Jahren als Bauträger tätig ist, den Kaufvertrag für den teilweise denkmalgeschützten Gutshof unterschrieben. Sein Großvater wurde hier geboren, sein Vater war Verwalter – und er hat in der Kirche geheiratet. Erst vergangene Woche hatte Rossius mit seinem Vorstoß, die Landshuter Allee zu überbauen und damit die Auto-Schneise durch Neuhausen zu schließen, für Aufstehen gesorgt.

Das Großprojekt in Freiham ist da greifbarer: Die Brüder Rossius kauften das Gut von der Brau und Grund KG sowie der Interbrau Finanz-Consult GmbH & Co. KG, deren ehemaliger Geschäftsführer Klaus R. wegen Untreue im Gefängnis sitzt.

Über den Kaufpreis schweigen die Beteiligten. Sicher ist: Kauf und Investition verschlingen einen zweistelligen Millionenbetrag.

Das ist geplant: Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem über 900 Jahre alten Gut sollen aufwändig renoviert werden, darunter die Kirche Hl. Kreuz, die Gastwirtschaft, die ehemalige Brennerei und Stallungen sowie Lagerräume.

Allein für die Restaurierung der Kirche veranschlagt Rossius eine siebenstellige Summe: „Sie soll ein Juwel werden.“ Auf dem kleinen Friedhof stehen noch Gräber aus dem 17. Jahrhundert, auch das Familiengrab von Ex-Finanzminister Faltlhauser. „In der Brennerei trinken wir in zwei Jahren den Freihamer Geist“, schwebt es Rolf Rossius vor. Auch die landwirtschaftlichen Gebäude sollen wiederbelebt werden. Brauereipferde könnten hier leben, auch eine Ochsenzucht. Völlig neu entstehen soll ein Maffei-Eisenbahnmuseum im westlichen Teil des Geländes.

In dem Gebäude könnte zudem die Ost- und Westpreußenstiftung einziehen. Der Vater der Brüder kam aus Ostpreußen. Gegenüber vom Schloss soll ein Glaspavillon für Veranstaltungen neu gebaut werden. „Das stelle ich mir etwa so vor wie das Palmenhaus im Botanischen Garten“, so Rossius.

Darüber hinaus plant er auf dem Areal den Neubau von bis zu zwölf Kavaliershäusern. Die zweigeschossigen Häuser mit einer Wohnfläche von 180 Quadratmetern sollen im Baustil dem Schloss nachempfunden werden – ähnlich den Kavaliershäusern am Schloßrondell Nymphenburg. Mit dem Verkauf der exklusiven Häuser soll ein Teil der zweistelligen Millioneninvestition wieder rein kommen.

„Autos wollen wir auf dem Gut so weit wie möglich raus halten. Deshalb ist ein Parkhaus am Rand geplant“, sagte Rolf Rossius am Freitag, als er sein Projekt in München vorstellte. Dazu passt ein Bio-Garten, der in der Tradition von Hildegard von Bingen neu entstehen soll.

Auch die Gaststätte mit Biergarten soll neu gestaltet werden. „Wir stellen uns eine Erlebnisgastronomie mit Münchner Gemütlichkeit vor. So, wie es jetzt ist, ist das keine Visitenkarte.

Das Gebäude muss komplett entkernt werden.“ Heizung, Küche, Brandschutz, Wasserleitungen, Dach, Kanalisation – alles muss raus. Dem jetzigen Pächter der Wirtschaft wurde zum Jahresende gekündigt. „Falls die jetzigen Pächter früher raus gehen, wäre es uns auch recht. Dann können wir früher mit der Sanierung beginnen“, so Rossius. Und umso schneller könnten Hochzeitsgesellschaften nach der Trauung feiern.

Rossius schätzt dass alleine die Arbeiten am Gasthaus eineinhalb Jahre dauern werden. Und bisherigen Mieter? „Wir setzen niemanden auf die Straße, werden alle wie Freunde behandeln.“ Der Verein „Freunde Freihams“ ist jedenfalls begeistert: „Es ist ganz im Sinne unseres Vereins, dass so viel erhalten bleibt", sagt Martina Krämer.

Das Einzige, was sich auf Gut Freiham nicht ändert, ist das Schloss. Es wurde bereits 2008 von dem US-Unternehmen Forever Living Products gekauft.

Mehr zur Geschichte und zu den Hintergründen des Guts Freihams lesen Sie in der Wochenendausgabe der Abendzeitung auf Seite 10.

 

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