Sanierung des städtischen Klinikums Klinikleitung präsentiert neues Konzept für städtische Krankenhäuser

Das Klinikum Schwabing wird etwas weniger radikal geschrumpft, als bisher geplant. Foto: Martha Schlüter

Nach der heftigen Kritik am ersten Klinik-Konzept fällt das überarbeitete ein bisserl moderater aus: Schwabing bekommt ein paar Betten mehr und Harlaching behält die Notfallmedizin.

 

München - „Gesundschrumpfen“, das Wort findet der Chef der städtischen Kliniken Axel Fischer selbst „blöd“. „Aber wenn man mal gesund ist, dann kann man wieder wachsen.“ Doch bevor das geht, müssen an den fünf Standorten etwa 750 Betten eingespart werden. Die von einer Unternehmensberatung erarbeitete Radikalkur hatte letztes Jahr für Kritik gesorgt. Seitdem hat die Klinikleitung weitergedacht und ihr Konzept noch einmal überarbeitet: Herausgekommen ist eine etwas entradikalisierte Radikalkur.

An der Bettenanzahl ändert sich insgesamt zwar nicht viel – etwa 25 Betten weniger, als ursprünglich angedacht, werden gestrichen. Dafür werden sie teilweise anders als zunächst geplant auf die Standorte verteilt. Profitieren können davon Schwabing und Harlaching. Die Pläne im Einzelnen:

 

Schwabing

923 Betten hat das Klinikum aktuell. Die Schrumpfkur wird hier am härtesten sein: Wenn auch etwas weniger drastisch, als ursprünglich geplant. 200 bis 300 Rest-Betten waren im Ursprungskonzept angedacht. Nach der Anpassung kommt der Standort auf etwa 400 Betten. Ein wichtiger Faktor ist: Die Dermatologie kommt ab 2022 hierher. Im ersten Konzept hatte man diese noch in Neuperlach ansiedeln wollen. Diese Pläne sind vom Tisch.

Bei der 48 Millionen Euro teuren neuen Kinderklinik wird kommendes Jahr mit dem Bauen begonnen.

Die alten Gebäude im Westen des Klinikcampus wird das Klinikum aufgeben. Sie könnten künftig auch von anderen Trägern genutzt werden, kann sich Fischer vorstellen. Ein Vorbild wäre das Ärztehaus am Elisenhof.

Thalkirchner Straße

Hier bleibt der Plan gleich: Weil die dortige Hautklinik nach Schwabing geht, wird das 131-Betten-Haus aufgegeben. Bislang kooperieren das städtische Klinikum und die Uniklinik an der Thalkirchner Straße. Ob die LMU das Gebäude jedoch nach dem Auszug der städtischen Dermatologie halten wird, ist unklar. Man arbeite seit langem gut zusammen, teilt ein Sprecher mit: „Wir sind mit der Geschäftsführung des städtischen Klinikums im Gespräch, die Kooperation weiterzuführen.“ Wie das aussehen soll, ist noch nicht geklärt.

 

Harlaching

An den Plänen für diesen Standort hatte es schon Kritik gegeben, weil die Notfallmedizin dort drastisch zurückgefahren werden sollte. Anders als zuerst geplant, bleibt die Traumatologie (Unfallmedizin) jetzt doch dort und wird nicht nach Neuperlach verlagert.

Im Neurologischen Zentrum wird es eine so genannte „Weaning-Station“ geben, in der Patienten nach einer Beatmung wieder an das Atmen ohne Gerät gewöhnt werden.

Die Anzahl der Betten wird an dem Standort von gut 700 auf 550 reduziert.

 

Neuperlach

Seit 2009 ist der Standort eine riesige Baustelle, statt 2013 wird man jetzt 2017 fertig. Dafür richtig: „Nach acht Jahren hat die Klinik das Recht, normal arbeiten zu können“, sagt Fischer. Normal arbeiten heißt auch: Nicht noch mal Bauarbeiten in Kauf nehmen. Die hätte es gebraucht, wenn das Notfallzentrum von Harlaching und die Hautklinik von der Thalkirchner Straße nach Neuperlach und umgezogen wären. Bei der Unfallmedizin war als erstes klar, dass es keinen Umzug gibt, sagt Fischer – dann war schnell offensichtlich, dass es sich nicht lohnen würde, wegen 70 Dermatologie-Plätzen in Neuperlach weiterzubauen. Laut Fischer spart das bis zu 20 Millionen Euro ein. Daher die Lösung mit Schwabing.

Lesen Sie hier: Schwabinger sorgen sich um medizinische Versorgung

Neuperlach behält also seine 545 Betten und wird nicht, wie noch im ersten Konzept geplant, um 100 Betten ausgebaut.

 

Bogenhausen

„Bogenhausen muss saniert werden“, sagt Fischer. Damit das geschehen kann, muss schnellstmöglich ein Funktionsgebäude her. Das Klinikum hatte vor der Sanierung 985 Betten, die Planungen schwankten dann zwischen 1000 und 1100. Im aktuellen Konzept geht man von 1020 Betten aus. Um ältere Menschen vor Ort besser zu versorgen, wird die Altersheilkunde um eine Akutgeriatrie ergänzt.

 

Blutspendedienst

Wenn die Stadt zustimmt, möchte Fischer den Blutspendedienst an der Dachauer Straße verkaufen. „Blut ist ein Massengeschäft“, erklärt er. Der relativ kleine Blutspendedienst der Klinik kann da nur schwer mithalten und schreibt rote Zahlen. Dazu kommt, dass der Dienst in gut einem Jahr aus dem maroden Gebäude ausziehen muss. Deshalb müsse man sich jetzt überlegen, wie es in dem Bereich weitergeht.

Ende März stimmt der Stadtrat über das aktualisierte Konzept ab, dann kann die Klinik ein Gesamtkonzept erarbeiten, das im Juli von den Stadträten beraten werden soll.

Erste Reaktionen auf die Klinik-Pläne, die Anfang dieser Woche bereits dem Aufsichtsrat vorgelegt wurden, sind jedoch schon einmal positiv.

„Wir sehen, es geht in eine richtige Richtung“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Reissl. Dass Schwabing anders aufgestellt wird als ursprünglich geplant, findet er gut. Der Koalitionspartner CSU gibt sich zufrieden: „Alles, was an Änderungen drin ist, finden wir sehr gut“, betont Fraktionsvize Michael Kuffer. Man sehe, dass Bewegung in der Sache ist.

Auch die Opposition kann sich mit dem Konzept anfreunden. Vor allem, dass die Notfallversorgung in Harlaching bleibt, findet Lydia Dietrich (Grüne) gut: „Aber man muss sich alles im Detail nochmal anschauen.“

Lesen Sie auch: Das Loch vom Harras: Frau (76) klagt auf Schmerzensgeld

 

0 Kommentare