S-Bahn-Stammstrecke S-Bahn-Ärger: Der Verdruss geht weiter

Stau, Ärger, Verspätungen, Verdruss: die Probleme bei der S-Bahn. Foto: dpa

Solange der zweite Tunnel nicht kommt, ändert sich nur wenig. Jetzt sucht die Bahn mit neuen Computern, Weichenheizungen und schnelleren Türen nach Verbesserungen.

 

MÜNCHEN Morgens im Pendlerverkehr. Nichts geht mehr auf der S-Bahnstrecke. Am Dienstag mussten mussten sich Zuggäste schon wieder gedulden: Auf der Linie S6 fuhren ab 9.55 Uhr zwischen Pasing und Starnberg keine Züge mehr – wegen eines Polizei- und Notarzteinsatzes in Gauting. Zeitgleich sorgte eine Signalstörung auf der Linie S2 für Probleme. Am Ende hatten alle Linien bis zu zehn Minuten Verspätung. Das alte Lied.

„Zu 94 Prozent sind wir pünktlich”, sagt zwar Volker Hentschel von der Deutschen Bahn. Das größte Problem sei aber immer wieder, dass eine Störung sich auf alle Linien auswirke. Der enge Takt, in dem die Züge fahren, gerate dann durcheinander: „Drei Viertel aller Verspätungen sind Folge von Störungen wie Unfällen oder Stellwerksproblemen.” Eine Verspätung ist für die Bahn eine Verzögerung ab sechs Minuten.

Diese will die Bahn jetzt angehen. Es sind allerdings eher Kleinigkeiten, die Sekunden bringen sollen. Nach dem Motto: besser als nix. Gleis-Erneuerungen sollen helfen und ein leistungsfähigeres Computersystem. Am Ende wird sich zeigen, was Experten seit Jahren wissen: Die Stammstrecke ist mit 60 Zügen pro Stunde voll ausgelastet. Eine kleine Störung – und das ganze System kollabiert. Der Verdruss geht also weiter.

Die Lösung könnte am ehesten eine zweite Stammstrecke sein. Pläne gibt es. Aber die liegen auf Eis, weil der Bund dafür kein Geld gibt. Von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kam eine Absage.

Ramsauers Parteikollegen in München propagieren deshalb eine andere Lösung: Stadt und Land sollen je 300 Millionen Euro für die zweite Röhre vorschießen. Das Projekt könne durch ein solches Darlehen vorfinanziert und anschließend vom Bund ratenweise zurückgezahlt werden. Ein ähnliches Modell habe es bis 1984 mehrfach gegeben, um den Bau der U-Bahn vorzufinanzieren, sagt Josef Schmid, CSU-Fraktionschef im Rathaus: Die Vorfinanzierung sei „ein sinnvolles Mittel.”

Die Bahn versucht, dem Bevölkerungszuwachs um bis zu 20 Prozent in der Region Herr zu werden: Sie möchte die S-Bahn-Flotte vergrößern und bis zu 25 Züge dazu kaufen. In welchem Takt und auf welchen Strecken sie fahren sollen, ist aber noch unklar.

 

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