Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin Vladimir Jurowski und "Dornröschen"

Der Dirigent Vladimir Jurowski. Foto: dpa

Peter Tschaikowskys „Dornröschen“ mit Vladimir Jurowski, dem künftigen Generalmusikdirektor der Staatsoper, im Gasteig

 

Kaum kann man entscheiden, was an dieser Konzertmatinée interessanter ist: das zu wenig gespielte Meisterwerk, Peter Tschaikowskys „Dornröschen“-Ballett, das ausgezeichnete Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin; oder der Dirigent Vladimir Jurowski.

Fangen wir mit Letzterem an, schließlich wird er ab Herbst 2021 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper werden. Welche Einblicke lassen sich bereits jetzt erhaschen, was wird uns einst erwarten?
Gutes! Nämlich uneitle Präzision. Jurowski dirigiert auf eine Weise aus der Körpermitte heraus, die man selten gesehen hat, vielleicht am ehesten noch bei Leonard Bernstein.

Die Vorfreude wächst

Selbst von einem guten Platz in der Philharmonie sind seine kleinen Bewegungen oft kaum auszumachen, weil sie im engen Raum zwischen Brust und Bauch stattfinden. Sie sind nicht als Show für das Publikum, sondern, wie es sich gehört, für das Orchester gedacht und zeigen dort größte Wirkung. Die Gruppen des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin sind makellos gegeneinander austariert, selbst das Schlagzeug ist feinst dosiert. Stolz tönen die Tutti, doch nie laut, pauschal oder äußerlich.

Wenn sich Jurowski Freiheiten nimmt, kann man bei den schmelzenden Streichern genau hinhören, so einheitlich artikulieren sie. Blockartig erscheint das Holz, angenehm trocken das Blech. Aus den beeindruckend geschlossenen Gruppen treten berückende Soli hervor, noble Violoncelli, ein singendes Fagott, eine tupfende Tuba.

Immer wieder setzt Jurowski sinnvolle Akzente, die in den Noten gar nicht notiert sind. Die vielen Schnitte der behutsam gekürzten Dornröschen-Musik – sie würde ohne Striche annähernd drei Stunden dauern – werden deutlich realisiert, das Orchester erfasst Tempowechsel sofort wie ein einziger Körper. Übergänge vollziehen sich unmerklich.

Unbändige Kraft

Zudem hat Jurowski den Mut, Klangflächen erhaben auszuspielen, ihren Spannungsaufbau auszuhalten, ohne gleich schneller zu werden. Das verleiht den Tableaus unbändige Kraft. Einzelne Einfälle der vor poetischen Ideen überbordenden Partitur, etwa die köstliche Kanarienvogel-Variation im „Pas de Six“ des Prologs, werden bildhaft plastisch vorgestellt und doch in den formalen Sog integriert.

Das einzige, was Jurowski noch ein wenig fehlt, ist der Sinn für magische Klangwirkungen, was etwa die Schlaf-Szene am Ende des zweiten Akts ein wenig zu diesseitig macht. Doch diese Fähigkeit kann er mit dem Bayerischen Staatsorchester weiter entwickeln.

Jurowski dirigiert am 12., 13. und 14. Januar in der 3. Musikalische Akademie des Bayerischen Staatsorchesters Werke von Mozart und Bruckner. Wenige Restkarten unter Telefon 2185 1920

 

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