Ruhig bleiben und staunen Käfer-Schwärme im Englischen Garten: Alles halb so wild

Bis zu 3.000 kleine Goldstaub-Laubkäfer schwärmen gerade auf 1.000 Quadratmeter Wiese im Englischen Garten. Hübsch anzuschauen. Foto: imago/imagebroker, iko

Tausende schillernde Goldstaub-Laubkäfer paaren sich gerade auf den Blühwiesen im Englischen Garten. Keine Panik: Sie sind völlig harmlos – und werden bald verschwunden sein.

 

München – Sie schillern metallic-grün an ihrer Unterseite. Die Flügel sind silbrig-gelb- oder -grünlich und wie mit Glitzerstaub gesprenkelt. Und sie fliegen gerade in Wolken über den Wiesen im Englischen Garten – vor allem im Nordteil, wo die Blühwiesen ungemäht hochstehen. Was sind das für Brummer, die da plötzlich in München eingefallen sind?

In den letzten Tagen konnte man im Englischen Garten – aber auch in den Isarauen – etliche Spaziergänger beobachten, die aufgeregt um sich wedelten, sich die Haare ausklopften oder sogar panisch rufend davonrannten vor den Käfer-Wolken.

Furcht vor den Käfern ist unbegründet

Muss man sich vor denen fürchten? Die AZ hat nachgefragt, bei Manfred Siering, Vize-Chef der Kreisgruppe München des Bund Naturschutz und Chef der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Und der klärt auf: "Fürchten? Kein bisschen! Das sind harmlose Goldstaub-Laubkäfer, die gerade Paarungszeit haben. Das ist eine tolle Sache, jetzt solche Schwärme zu erleben."

In manchen Jahren nämlich sehe man nur ein paar Einzeltiere fliegen. Gerade dürften es rund 3.000 auf 1.000 Quadratmeter Wiese sein. Die grünen Brummer schlüpfen nur im Zweijahreszyklus. "Dass jetzt so viele schwärmen, liegt daran, dass das letzte Ei-Ablagejahr ein gutes für sie gewesen ist. Das nächste Mal wird man das vielleicht erst wieder 2022 sehen."

Goldstaub-Laubkäfer sind Verwandte des Maikäfers

Die einen Zentimeter langen Goldstaub-Laubkäfer, auch Silbrige Purzelkäfer genannt, gehören zur Familie der Blatthornkäfer und sind mit dem Maikäfer verwandt (die Larven leben also als Engerlinge im Boden). Sie stammen aus dem südlichen Mitteleuropa und kommen – weil es in unseren Breiten immer wärmer wird – nun auch oft im Voralpenland vor.

Sie fressen Pollen (gern vom Hollunder, Weißdorn oder dem weiß blühenden Rosskümmel) und schwärmen deshalb gern über Blühwiesen, Parkanlagen, verwilderten Gärten – zumal in der Nähe von Waldrändern. "Wenn es regnet", sagt Siering, "verstecken sie sich unter Gras oder im Laub."

Warum sie jetzt gerade Spaziergänger anschwärmen und sich in Haaren, auf Ärmeln und auf Fahrrädern niederlassen? "Das ist ganz einfach erklärt", sagt Siering und lacht: "Sie fliegen alles an, was hoch aus der Wiese ragt, weil sie es für eine Pflanze halten und dort Pollen erhoffen." Finden sie nichts, fliegen sie einfach wieder davon. "Man kann also ganz ruhig bleiben", sagt der Vogel- und Insektenexperte, "zuschauen, wie die Tierchen drollig auf einem herumlaufen und warten, bis sie sich wieder davonmachen." Ohnehin wird der Spaß bald vorbei sein. "Ich schätze, in drei Wochen", sagt Siering. Denn die Männchen sterben sehr schnell nach der Paarung, die Weibchen nach der Eiablage.

"Wer sich die hübschen grünen Käfer also noch anschauen will: Auf geht’s, spazieren gehen!"

Lesen Sie hier: Bub (13) findet ausgestopften Alligator in der Isar

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading