Lokal in der Hotterstraße Moshammers "Hundskugel" unterm Hammer

Das Interieur des früheren Lokals von Rudolph Moshammer wird versteigert. Foto: imago stock&people/Gregor Feindt

Versteigerung: Alles muss raus – aus Münchens ältestem Wirtshaus. Der Erlös geht an eine Stiftung für vereinsamte Menschen. Graeter kennt die Einzelheiten.

 

München - Es war so etwas wie ein „Last Dinner“. Aus Anlass der Versteigerung von Rudolph Moshammers „Hundskugel“, Münchens ältestem Wirtshaus, gab gestern Mittag die Münchner Fellini-Schönheit Barbara Hampel in ihrem Maxvorstadt-Schloss in der Schellingstraße ein Essen.

Zehn Damen der weißblauen Society, verschworen in der weiblichen Gemeinschaft „Ladies Voice“, stießen mit Champagner an und ließen sich mit Käfer-Schmankerln wie Scampi mit Mango und erstem deutschen Spargel mit Schnitzel verwöhnen. Ein freundlicher exotischer Diener servierte mit weißen Handschuhen.

Die rothaarige Auktions-Lady Barbara und ihr Mann Holger Hampel bringen am 23.März das Innenleben von Mosis Lokal unter den Hammer. Am kommenden Wochenende kann jeder die Hundskugel-Einrichtungsgegenstände besichtigen. „Die Erlöse der Auktion kommen der Münchner Stiftung ,Jung für Alt’ zugute, die sich um vereinsamte Menschen kümmert“, sagte Hampel.

In dem geschichtsträchtigen Puppenstubenhaus Hundskugel aus dem 15.Jahrhundert zählte einst Heinrich Heine zu den Gästen, und lange Zeit lockte die sonnige Wirtin Monika Vaitl in das rustikale Refugium.

Ende der 70er Jahre verkaufte Löwenbräu das historische Eckhaus in der Hotterstraße – damals für 750.000 Mark.

Moshammer kaufte Anfang der 80er

Lange Zeit fand sich wegen der vielen Treppen und winzigen Zimmer kein Käufer. 1983 übernahm schließlich der schillernde Boutique-Besitzer Rudolph Moshammer das Wirtshaus und behielt es bis zu seinem Tod im Jahre 2005.

Durch ein Entgegenkommen von Krupp-Erbe Arndt von Bohlen und Halbach hatte Mosi, einst Laufbursche beim berühmten Herrenschneider Max Dietl, Karriere mit dem Modegeschäft „Carnaval de Venise“ in der Maximilianstraße gemacht.

Solange Moshammers Mama Else – mit ihrer berühmt gewordenen lilafarbenen Frisur – noch lebte, lief der Laden.

Bevor Moshammer Hundskugel-Hausherr wurde, war die originelle Lokalität lange Zeit Stammbeize der Abendzeitungs-Belegschaft, die um die Ecke in der Sendlinger Straße arbeitete – und Herausgeber Anneliese Friedmann zelebrierte dort stilvolle Abschiedsfeiern. Zur Versteigerung kommen jetzt die komplette Wirtsstube, die Hundskugel-Bar mit den weiß-blauen Fliesen und die Nebenräume im Rokoko-Stil. Zu erwerben sind altes Mobiliar wie Brett-Stühle, hölzerne Wandverkleidungen, Buntglas-Fenster, alte Kupferstiche, Lampen, Gitter, Eckbänke, bleiverglaste Zwischenfenster, Dielen-Schränke und Deckenvertäfelungen.

 

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