Routinier des TSV 1860 Gui Vallori - ein Kämpfer auf Abschiedstournee

Wurde am Samstag "vom Himmel geküsst": Gui Vallori durfte im Test gegen den FC Pandurii endlich wieder auf dem Platz stehen. Foto: sampics/Augenklick

Gui Vallori ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit – doch der 1860-Routinier ist unter Coach Möhlmann derzeit nicht gefragt. Bei den Löwen endet seine Zeit wohl. „Ich habe noch ein paar Jahre im Kopf“, sagt er

 

München - Als die Spieler des TSV 1860 am Montag ihre Rollköfferchen zum Mannschaftsbus schoben, stapfte Gui Vallori von dannen. Der Innenverteidiger verließ das Vereinsgelände, denn er wurde von Trainer Benno Möhlmann für das anstehende Zweitliga-Spiel nicht nominiert – mal wieder.

Der 33-jährige Vallori ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit, hat aber noch keine einzige Einsatzminute hinter sich. Während die Kollegen zum Betzenberg reisten und den zweiten Sieg in Folge feierten, besuchte der Routinier seinen Kumpel Daniel Adlung in der Wolfart-Klinik in Gräfelfing, wo dieser am Sprunggelenk operiert worden ist. Er hatte ja Zeit – wie im letzten halben Jahr.

„Es war eine schwierige Zeit für mich, sagt der Spanier der AZ, „ich habe viele Berge bestiegen, aber der Kreuzbandriss war der härteste Berg meiner Karriere.“ In den letzten Monaten beschäftigte er sich mehr mit seinem Engagement für ein Münchner Tierheim, als seinen Beruf auszuüben. Mehrere tausend Euro hatte der sympathische Spanier gesammelt, verloste Sechzig-Fanartikel und ließ es sich nicht nehmen, sie den Gewinnern am Trainingsgelände selbst zu überreichen. Auch eine Art Beschäftigungstherapie nach der langen Auszeit.

Heißt aber noch lange nicht, dass er nun wieder spielen darf: Trotz Trainings- und Testspiel-Comeback in der Winterpause nominierte Möhlmann den bulligen Verteidiger gegen Nürnberg, in Berlin und gegen Düsseldorf nichtmal für den 18-köpfigen Kader. Gegen Bochum war Vallori zwar dabei, schmorte aber 90 Minuten auf der Bank: In der Innenverteidigung ist an Kapitän Christopher Schindler und Neuzugang Jan Mauersberger kein Vorbeikommen. „Mein Ziel ist: Ich will spielen – wenn der Trainer entscheidet, dass ich wichtig bin. Wenn nicht, ist es traurig für mich. Ich kämpfe immer für das Maximum“, sagt der Löwe, der durch seinen großen Willen in seinen 96 Pflichtspielen bei den Fans zum Publikumsliebling und Inbegriff des Kämpfers geworden ist.

So überrascht es kaum, dass sie trotz seines fortgeschrittenen Alters und Defiziten in Sachen Schnelligkeit nicht aufhören, Valloris Comeback zu fordern. „Viele von euch haben mich gefragt, ob ich fit bin oder Schmerzen habe. Und ich antworte euch: Ich bin bereit, ich gebe alles, ich trainiere mit der Mannschaft seit Januar und ich will diesem Verein helfen. Und wenn ich nochmal 8 Minuten oder 60 Minuten mit Kreuzbandriss spiele, werde ich das machen!“, schrieb Vallori auf Facebook. Das 2:1 gegen Nürnberg am 33. Spieltag der letzten Saison dürfte er nicht so schnell vergessen: Erst trug er mit dem Ausgleich zum späteren Nichtabstieg bei, dann riss er sich das Kreuzband und hielt trotzdem bis zum Schlusspfiff durch. Nicht zuletzt deswegen wurde sein Vertrag um ein Jahr bis Ende Juni verlängert.

Nun neigt sich seine Zeit bei den Löwen jedoch dem Ende zu. „Ich rechne nicht damit, dass ich nochmal einen Vertrag bekomme“, so Vallori. Ein Karriereende oder ein Job bei 1860 komme für ihn aber noch nicht infrage: „Viele Spieler müssen ihre Karriere mit 29, 30 Jahren beenden. Meine Zeit ist noch nicht gekommen, ich habe noch ein paar Jahre im Kopf“, sagt der Mallorquiner und verrät: „Ich habe eine Möglichkeit, kann aber nicht sagen, welche. Es ist die Rückkehr in meine Heimat.“ Bleibt abzuwarten, ob Vallori sein Können auf seiner ganz persönlichen Ehrenrunde nochmal zeigen darf. Ansonsten könnte die Abschiedstournee eines Kämpfers auch eine ganz leise werden.

 

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