Rottmannstraße, Paulaner-Gelände, St. Anna-Platz Drei Beispiele: Immer mehr Luxus-Wohnungen in München

Ein teures Eck: An der Rottmann- Ecke Schleißheimer Straße hinterm Stiglmaierplatz entsteht Luxus. Doch nicht nur da werden teure Wohnungen gebaut. Foto: Siggi Müller

An der Rottmannstraße werden für eine Mini-Wohnung eine Million Euro fällig. Und auch zwei weitere Bauprojekte in München zeigen: Der Luxus ist der neue Nachbar.

 

München -  Als "atemberaubend schön" und ein "bauliches Juwel" werden die luxuriösen Wohnungen des Neubauprojekts "Carl Rottmann" in der Maxvorstadt im Internet beschrieben. Mit poliertem Rosa-Beta-Granit und Balkonen mit "filigranen, sibirischen Naturholzdielen" sind sie ausgestattet.

Noch klafft an der Ecke Rottmannstraße und Schleißheimer Straße ein Loch im Boden. Bis 2019 soll das Neubauprojekt mit den 14 exklusiven Wohneinheiten fertiggestellt werden. 745 Quadratmeter Wohnfläche auf fünf Etagen entstehen hier – und die Kaufpreise sind rekordverdächtig.

Nur modernste Baumaterialien

19.836 Euro kostet der Quadratmeter in der teuersten Wohnung im Carl Rottmann: einem Zwei-Zimmer-Penthouse. Und "nur" 13.950 Euro kostet der Quadratmeter in der günstigsten der 14 Wohnungen. Das ergibt einen Kaufpreis von 934.890 Euro für die teuerste Wohnung mit 47,13 Quadratmetern und 731.700 Euro für die günstigste mit 52,45 Quadratmetern. Ein anderes Penthouse mit "sonniger Dachterrasse" und drei Zimmern gibt es für bedingt erschwingliche 1.649.890 Euro.

Zum Vergleich: Normalerweise liegt der Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung in der Maxvorstadt bei durchschnittlich etwa 8.200 Euro. Mit der Lage des Neubaus unmittelbar am Stiglmaierplatz und vor allem der luxuriösen Ausstattung der Wohnungen wird derzeit um Käufer geworben. Verwendet würden nur modernste Baumaterialien, thermisch vom Gebäude getrennte Balkone und das moderne Heizsystem, das Sonnenwärme für die Warmwasseraufbereitung nutzt.

Geringe Entfernung ins Zentrum

Nicht ohne Grund trage das Wohnensemble den Namen des Landschaftsmalers Carl Rottmann. Der Namensgeber soll der Luxusimmobilie den Anschein des künstlerisch Gehobenen verleihen. Auf der Homepage der Bauherren heißt es dazu: "In aufregender Nähe zu Kunst- und Kulturstätten wie der Alten und der Neuen Pinakothek, der Pinakothek der Moderne, der Glyptothek und dem Museum Brandhorst entsteht in der Rottmannstraße gerade ein faszinierendes Wohnkonzept."

Eine Visualisierung des Neubaus auf Immobilienscout24 wirbt mit den geringen Entfernungen zu Odeonsplatz (1,7 Kilometer), Hauptbahnhof (ein Kilometer) und Königsplatz (627 Meter). Problemlos fahre man von der Luxuswohnung zu den "wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Großstadtperipherie" und dem Flughafen.

Poetische Worte auf der Homepage

Durch die Nähe zum Hauptbahnhof, stehe "auch Bahnreisenden aus dem Carl Rottmann das Tor zur Welt offen". Weiter schreiben die Bauherren beinahe schon poetisch auf der Homepage:

"Glücklich also, wer die samtige Nacht unter freiem Himmel mit Blick über dieses hübsche Stadtviertel genießen kann." Glücklich wären aber sicherlich auch diejenigen, die endlich bezahlbaren Wohnraum in München finden würden. Und ob derjenige, der sich so eine Luxuswohnung zu rekordverdächtigen Preisen leisten kann, letztendlich auch wirklich glücklich ist, ist noch eine ganz andere Sache.


Wer diese Wohnung am Sankt-Anna-Platz kauft, muss nie wieder mit Nachbarn reden.

Der Wohnungsmarkt in München ist ja so aufgeblasen, unerbittlich und unerfreulich, dass sich das geschundene Wohner-Herz schon über kleinste Lichtblicke freut.

Recht ehrenwert nach Schönheit und Kunst im Kommerz gesucht hat das Immobilienunternehmen Legat Living und ist poetisch geworden beim Feilbieten des Neubaus an der Sankt-Anna-Straße 16: "Ob historisch, ästhetisch oder logistisch betrachtet: Der St.-Anna-Platz fällt auf, fasziniert und lässt keinen kalt", heißt es da.

"Exklusiv und doch geerdet"

Und weiter: "Hier fühlt sich München anders an. Weniger nebeneinander her, mehr miteinander. Sehr exklusiv und doch geerdet." Konkret sieht das so aus: Fünf "luxuriöse Neubauwohnungen" mit bodentiefen Fenstern in einer picobellosauberglänzenden Fassade entstehen da gerade im Lehel, alle zwischen 140 und 220 Quadratmeter groß und – schon sehr geerdet – erreichbar über ein "repräsentatives Entrée mit Ornament-Fliesen".

                                                                                                                                                                  "Sehr exklusiv und doch geerdet." Visualisierungen: Legat Living    

Legat Living ist in München für diese Art Projekte schon bekannt: Das Unternehmen entwickelt neben dem "Haus Sankt Anna" auch das "Haus Mühlbach" in der Au und noch einige andere gehobene Projekte in begehrten Lagen. Gerade wieder verfügbar geworden im "Sankt Anna" ist eine 220-Quadratmeter-Dachgeschosswohnung, die sich offenbar über die fünfte und sechste Etage erstreckt.

Keine öffentliche Auskunft über Preis

Allerdings müsste der kaufinteressierte AZ-Leser persönlich beim selbsterklärten Vermittler für "Statements in Stein" anfragen, in welchen Dimensionen der Vorkommastelle sich das Heim bewegt. "Aus Gründen der Diskretion unseren Kunden gegenüber können wir Ihnen hierzu leider keine Auskünfte erteilen", erklärte Legat Living auf Nachfrage.

Ach, und apropos "geerdet": Im Neubau gibt es "Liftlanding in allen Wohnungen" Genau: Das ist diese Art Heimkehr, bei der man nicht einmal im Hausflur noch andere Menschen treffen muss, weil sich der Fahrstuhl direkt ins Wohnzimmer öffnet. 


Auf dem alten Paulaner-Gelände sind die Wohnungspreise innerhalb weniger Wochen stark gestiegen.

Nobel geht die Au zugrunde" – so stand es vor ein paar Wochen auf unserer ersten Seite. Die AZ machte die Preise für die Eigentumswohnungen auf dem alten Paulaner-Areal öffentlich.

Ein paar Wochen später hat sich die Preisspirale am wahnsinnig gewordenen Münchener Immobilienmarkt schon wieder weiter gedreht. Die Bayerische Hausbau, die die Wohnungen vermarktet, hat die Preise nach oben geschraubt.

"Wir beobachten laufend den Markt und die Mitbewerber", sagte ein Hausbau-Sprecherin auf Nachfrage der AZ. "Und dann passen wir die Preise an." Sie betonte die hohe Nachfrage. Die Hälfte der Wohnungen sei bereits reserviert – oder sogar schon verkauft.

Hausbau verteidigt Preise

Eine Zweizimmer-Wohnung im zweiten Stock etwa hatte es im September noch für "nur" 748.000 Euro gegeben. Jetzt kostet sie bereits 851.000 Euro. 87 Quadratmeter im vierten Stock hüpften gar über die Eine-Million-Marke: von 938.000 auf 1,081 Millionen Euro.

                                                                                                                                     So ist die Fassade geplant. Visualisierung: Bayerische Hausbau

Die Hausbau verteidigt ihre Preise. "Unsere Preise beginnen bei 9.000 Euro pro Quadratmeter, im Schnitt liegen sie über 10.000", sagte die Sprecherin. Nur bei "einzelnen Penthouse-Wohnungen" würden Kaufpreise jenseits von 20 000 Euro pro Quadratmeter verlangt. Außerdem verweist die Hausbau darauf, dass auf dem Areal viele Mietwohnungen entstünden, auch geförderte. Nicht einmal die Hälfte der Fläche auf dem Gelände sei für Eigentumswohnungen vorgesehen.

Kritiker beruhigt das nicht. Mietervereins-Chefin Beatrix Zurek (die auch SPD-Stadtschulrätin ist) sagte, geförderte Wohnungen gebe es auf dem Gelände doch nur, weil die Stadt München Bauherren dazu verpflichten könne. "Das ist gut, aber wie man sieht, braucht es noch andere Instrumente." Die Bayerische Hausbau fahre "mit Astronomie-Preisen gewaltige Gewinne ein".

Politiker kritisieren"Auswüchse"

Zurek appellierte an die Bundespolitik, "Auswüchse einzubremsen". "Grund und Boden ist keine Privatsache und auch keine x-beliebige Ware", sagte sie. "Grund und Boden darf nicht länger Objekt für Spekulanten sein." Sogar aus der CSU gibt es Kritik an der Bayerischen Hausbau.

Stadtrat Richard Quaas erklärte: "Was hier passiert, mag aus rein wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar sein, ist aber absolut nicht gut für den Frieden in unserer Stadtgesellschaft." Die Stadt sei dem Paulaner-Konzern bei der Verlagerung der Braustätte an den westlichen Stadtrand sehr entgegengekommen. Man habe nicht erwartet, dass dafür in der Au nun "ein Quartier der Steinreichen" entstehe.

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