Rotkreuzplatz U-Bahn: Blinder verwechselt Tür und stürzt ins Gleis

Der U-Bahnhof am Rotkreuzplatz: Hier fiel der blinde Münchner zwischen zwei Waggons eines Zugs der Linie U1. Foto: Wikipedia

Ein gestürzter Blinder wird aus dem Gleisbett der Münchner U-Bahn gerettet. Der Mann hielt den Freiraum zwischen den Waggons für die Einstiegstüre und stürzte.

 

München - Sein Stock stößt ins Leere, das da vor ihm muss die Tür in die U-Bahn sein. Der 49-Jährige macht einen Schritt nach vorn, doch unter seinem Fuß kommt kein Boden, und er fällt nach vorn. Einige Meter tiefer knallt er mit dem Kopf auf etwas Hartes. Was das ist, kann der Münchner nicht sagen – er sieht nichts. Er ist blind.

Dieses Missgeschick hätte den Mann gestern fast das Leben gekostet. Doch dann half ihm ein Polizist, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Gegen 18.16 Uhr steht der Blinde laut Feuerwehr am Gleis 2 des U-Bahnhofs Rotkreuzplatz. Mit seiner Frau und seiner Tochter wartet er auf die U1. Als die einfährt, tastet sich der 49-Jährige nach vorn.
Da sein Blindenstock nichts berührt, glaubt er, vor der offenen Tür zu stehen. In Wahrheit klafft vor ihm die Kupplungslücke zwischen zwei Waggons, die fast genau so breit ist. Dann stürzt er.

Unten im Gleisbett bleibt er im Fluchttunnel, der sich unter dem Bahnsteig, befindet, liegen. Ein Polizist, der privat unterwegs ist, steigt hinab, um ihm zu helfen. Die Feuerwehr kommt an und rettet ihn mit Hilfe einer Spezialtrage.

Ein Notarzt bringt ihn mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus. Nach ersten Erkenntnissen schwebt der Mann nicht in Lebensgefahr. Ein Kriseninterventionsteam betreut Frau und Tochter.
Der Fall erinnert an den tragischen Tod der blinden Alexandra Rietzler. Die 28-Jährige fiel 2009 auf die gleiche Art und Weise am U-Bahnhof Silberhornstraße zwischen zwei Waggons der U2 und wurde daraufhin vom anfahrenden Zug mitgeschleift und überrollt. Hier hatte die AZ über den Fall berichtet.

Der Bayerische Blindenverband klagte daraufhin, U-Bahn-Fahren in München sei für die 3000 stark Sehbehinderten und Blinden gefährlich – das hat sich wieder bestätigt.

 

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