Romantik in der Altstadt Lichtexperten lassen Nürnberg bei Nacht erstrahlen

Ob im Winter oder im Sommer: Die Lichtexperten Susanne Wenninger und Norbert Hirschmann setzen die Nürnberger Altstadt in Szene wenn es dunkel wird. Foto: dpa

Ohne Susanne Wenninger und Norbert Hirschmann wäre es abends in Nürnberg nur halb so romantisch. Die beiden sind Lichtexperten. Ihre Aufgabe ist es, die Altstadt auch nachts in Szene zu setzen. Dabei sind sie so eigen wie manch ein Theaterregisseur.

 

Nürnberg - Wenn Norbert Hirschmann im Urlaub andere Städte besucht, dann wird es für den Nürnberger Elektro-Ingenieur eigentlich erst nach Einbruch der Dunkelheit so richtig spannend. Sein kritischer Blick streift dann über angestrahlte Stadttürme, beleuchtete Kirchen und illuminierte Burg- und Schlossfassaden. Und nicht immer ist er einverstanden, mit dem, was er da sieht: "Ein Gebäude großflächig mit Flutlicht anzustrahlen, das kann jeder. Ein historisches Gebäude ins rechte Licht zu rücken, ist dagegen ganz was anderes", sagt der 62-Jährige überzeugt.

Hirschmann muss es wissen. Zusammen mit der Nürnberger Stadtplanerin Susanne Wenninger sorgt er seit Jahren mit Scheinwerfern, Hologendampflampen und LED-Leuchten für die abendliche "Wohlfühl-Stimmung" in der historischen Altstadt. Mehr als 60 historische Gebäude und Plätze setzen beide lichttechnisch in Szene - und erzeugen damit gerade in der Weihnachtszeit auch jenseits des Nürnberger Christkindlesmarktes einen romantischen Lichtzauber.

Zwar werden wichtige historische Gebäude in der Stadt bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs nachts angestrahlt. "Aber man hat das früher rein technisch gesehen", berichtet Hirschmann, der bei der städtischen Service-Tochter "Service öffentlicher Raum" (SÖR) beschäftigt ist. Erst 2008 begann das Umdenken - der Ausleuchtung eines Platzes geht seitdem eine systematische Lichtplanung voraus.

So hat das Planer-Duo der östlichen Altstadt eine völlig neue abendliche Anmutung verpasst. War dort früher der alte Wehrgang über die Pegnitz samt des Festungsturms "Tratzenzwinger" komplett in Dunkel gehüllt, präsentiert sich das altstädtische Ensemble inzwischen in zartem Lichtschein. Die alte Kanonen-Rampe hinauf zum Wehrgang markieren weiße Lichttupfer, LED-Leisten im Inneren des Tratzenzwingers leuchten die Fenster-Höhlen im Obergeschoss aus.

Das größte Problem sei immer wieder, die durch Nürnberg fließende Pegnitz ins rechte Licht zu rücken, sagt Wenninger. "Denn Wasser ist nachts schwarz - und das ändert sich auch nicht, wenn Sie das Wasser mit Licht anstrahlen." Um die Pegnitz für Nachtschwärmer sichtbar zu machen, greifen die beiden Lichtplaner zu einem Trick: "Wir beleuchten die Brückenunterseiten und am Ufer stehende Bäume; die spiegeln sich dann im Wasser und machen die Pegnitz sichtbar", erklärt Hirschmann. Bei der lichttechnischen Inszenierung sind die beiden städtischen Lichtexperten derweil so eigen wie manche ein Theaterregisseur: "Wir wollen keine hellen Flächen, sondern das Spiel mit dem Licht, das Spiel mit Hell und Dunkel", sagt Wenninger.

Wer das dunkle Kontrastprogramm sucht, braucht die Nürnberger Altstadt nur am Abend des Volkstrauertags oder am 2. Januar, dem Jahrestag der Bombardierung Nürnbergs im Zweiten Weltkrieg, zu besuchen. An beiden Tagen bleibt die Beleuchtung abgeschaltet. Für unbedarfte Besucher ist dann schon mal die Enttäuschung vorprogrammiert - wie im Fall eines belgischen Touristen. Der beschwerte sich unlängst am Volkstrauertag bei der Touristeninformation: "Was ist das für eine wunderschöne Stadt. Aber abends sieht man von der Stadt überhaupt nichts."

Auf vorsichtige Skepsis stößt die ganzjährige Stadtbeleuchtung von der Dämmerung bis Mitternacht derweil bei Naturschützern. Grundsätzlich stelle eine solche Beleuchtung eine Störung des Ökosystems dar, gibt der Geschäftsführer der Nürnberger Kreisgruppe Bund Naturschutzes (BN), Wolfgang Dötsch, zu bedenken. Bei bestimmten Lichtfarben würden Insekten von dem nächtlichen Dauerlicht angezogen, sie schwärmten dann bis zur Erschöpfung um die Leuchten. Damit würden sie etwa für Fledermäuse, die plötzlich bei der Jagd nicht mehr auf Ultraschall angewiesen seien, zu leichter Beute, berichtet der Diplom-Biologe.

 

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